Pandemie

Einsam und ungehört: Jugendliche in der Corona-Krise

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Theresa Martus
Bei einer Online-Befragung haben Jugendliche von Einsamkeit und Zukunftsängsten berichtet.

Bei einer Online-Befragung haben Jugendliche von Einsamkeit und Zukunftsängsten berichtet.

Foto: Arne Dedert / dpa

Jugendliche stehen nicht im Zentrum der Pandemie-Bekämpfung. Doch eine Studie zeigt: Viele von ihnen sind an der Belastungsgrenze.

Berlin. Es war kein gutes Jahr, um jung zu sein: Kaum Reisen, kaum Parties, keine Festivals oder Konzerte und nur wenige Freunde treffen. Stattdessen Videokonferenzen, Homeschooling im eigenen Zimmer und die Unsicherheit, ob es irgendwann vielleicht mal wieder wird wie vorher.

Jugendliche haben ein eher geringes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken. In der öffentlichen Debatte spielen sie in der Pandemie deshalb kaum eine Rolle. Doch damit ist auch dem Blick geraten, dass vieles, was für junge Menschen eine zentrale Rolle in ihrem Leben und ihrer Entwicklung spielt, seit einem Jahr kaum geht – und das auch viele Jugendliche an der Belastungsgrenze angekommen sind.

Corona: Mehrheit der Jugendlichen fühlt sich einsam

Wie schwer das Pandemie-Jahr Teenager und junge Menschen getroffen hat, zeigt jetzt die Untersuchung „Jugend und Corona“. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Universitäten Hildesheim, Frankfurt am Main und Bielefeld haben gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung tausende Jugendliche gefragt, wie es ihnen in der Pandemie geht.

In Befragungen im Frühjahr und Herbst 2020 wurden dafür tausende Personen zwischen 15 und 30 gefragt, wie es ihnen in der Pandemie geht. Die Ergebnisse zeichnen ein ernüchterndes Bild: 68 Prozent der Befragten gaben an, Zukunftsängste zu haben, 60 Prozent sagten, sie seien einsam.

Junge Menschen haben Angst, andere anzustecken

Zudem sorgen sich die befragten Jugendlichen, die in den meisten Fällen noch zuhause wohnen, um die Leute in ihrer Umgebung: 72 Prozent sagten, dass sie sich Sorgen machen würden, jemanden in ihrer Nähe mit dem Virus anzustecken.

Die große Mehrheit der Befragten kann dabei zuhause immer oder fast immer auf jemanden zählen, der bei Problemen hilft. Doch 12,5 Prozent gaben an, dass das für sie nicht gilt. Ein Drittel hat zudem laut der Untersuchung größere finanzielle Sorgen, zum Beispiel weil durch Corona Einnahmequellen weggebrochen sind.

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Jugendliche haben das Gefühl, nicht gehört zu werden

Mit ihren Sorgen fühlen sich die Jugendlichen in der Öffentlichkeit und von der Politik nicht wahrgenommen. Unter den mehr als 5000 jungen Menschen, die während des ersten Lockdowns im März 2020 befragt wurden, sagten 45 Prozent, sie würden sich nicht gehört fühlen. Ein halbes Jahr später im November, als 7000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer befragt wurden, hatten dieses Gefühl schon 65 Prozent.

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Auch dass die Politik ihre Interessen vertritt, glaubt die Mehrheit der Befragte nicht. 58 Prozent gaben an, dass die Situation von Jugendlichen Politikern und Politikerinnen ihrer Meinung nach nicht wichtig sei. Die Maßnahmen gegen Corona halten 61 Prozent aber für richtig.

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Macher der Untersuchung fordern mehr Mitsprache

Die Macher der Untersuchung fordern deshalb mehr echte Mitsprache für Jugendliche. Der erste Schritt dazu sei es, „so schnell wie möglich eine repräsentative, umfassende und regelmäßige Bedarfserhebung“ für und mit Kindern und Jugendlichen durchzuführen – und sie als Betroffene zu fragen, was sie wollen und brauchen.

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„Eine solche Bedarfserhebung muss mit jungen Menschen entwickelt und durchgeführt werden und dabei besonders die Kinder und Jugendlichen in prekären Lebensverhältnissen erreichen“, sagt dazu Johanna Wilmes von der Goethe Universität Frankfurt. Damit die nächsten Jahre wieder bessere Jahre sind, um jung zu sein.

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