Anschlagsversuche

Paketbomben: Clinton gibt Trump indirekt Mitschuld

Foto: Ashlee Rezin / dpa

Nach dem Versand von zwölf verdächtigen Paketen ist ein Verdächtiger identifiziert. Am Freitag waren weitere Pakete aufgetaucht.

Eine Serie von Briefbomben erschüttert die USA. Nachdem am Freitag ein Verdächtiger von den Sicherheitsbehörden festgenommen werden konnte, hat sich Hillary Clinton geäußert.

Bei einer Veranstaltung in New York gab die frühere Präsidentschaftskandidatin der Demokraten Donald Trump indirekt eine Mitschuld an den Briefbomben. „Wir leben in einer Zeit, in der die Atmosphäre unberechenbar und hasserfüllt ist - und wir haben einen Präsidenten, der die ganze Zeit rücksichtlose Rhetorik praktiziert, die alle möglichen Leute erniedrigen und dämonisieren soll“, sagte Clinton.

„Er peitscht die Zuschauer auf, die zu ihm kommen, und es ist fast wie eine Sucht: Er treibt sie an und sie geben ihm das zurück, was er anscheinend braucht, um sich stark und wichtig zu fühlen“, sagte Clinton weiter. „Das ist tragisch, aber auch sehr gefährlich.“

Donald Trump weist Kritik zurück

Donald Trump erklärte unterdessen vor Journalisten, er selbst trage keine Mitschuld. Auf die Frage, ob er etwas an seiner Rhetorik ändern wolle, sagte er, er habe seinen Ton bereits abgemildert. Bei einer Wahlkampfveranstaltung wenig später attackierte Trump die Medien und die oppositionellen Demokraten erneut scharf.

Die Briefbomben halten die USA seit Mittwoch in Atem . Der Fall platzte mitten hinein in den ohnehin hitzigen Wahlkampf. Auf Twitter hatte Trump geklagt, dass „dieses ,Bomben’-Zeugs“ den Republikanern so kurz vor den Kongresswahlen schade. Es sei bedauerlich, was da passiere.

Insgesamt stellten die Ermittler bislang 14 Päckchen sicher. Sie waren unter anderem an den früheren Präsidenten Barack Obama, Ex-Außenministerin Hillary Clinton sowie weitere Demokraten adressiert, so auch an Ex-Vizepräsident Joe Biden und den ehemaligen CIA-Direktor James Brennan. Aber auch der Trump-Kritiker Robert de Niro und der Sender CNN hatten Pakete mit Bomben erhalten.

Paketbomben waren keine Attrappen

Die Päckchen konnten allesamt abgefangen werden, verletzt wurde niemand. Nach Darstellung der Bundespolizei FBI handelte es sich bei den Sprengsätzen nicht um Attrappen.

Am Freitagvormittag hatten die Sicherheitsbehörden in Florida den 56 Jahre alten Cesar Sayoc als Verdächtigen in dem Fall festgenommen. Er wurde angeklagt und muss sich unter anderem wegen des illegalen Versands von Sprengstoff sowie Drohungen gegen frühere Präsidenten verantworten. Sollte er für schuldig befunden werden, könnten ihm 58 Jahre im Gefängnis drohen. Der Verdächtige ist vorbestraft. Die Sicherheitsbehörden hatten ihn durch einen Fingerabdruck identifiziert, den sie auf einem der Päckchen gefunden hatten.

Einträge in Twitter- und Facebookkonten, die mit dem Verdächtigen in Verbindung gebracht werden und inzwischen gesperrt wurden, legen nahe, dass er ein Anhänger Trumps ist und offenbar sogar Wahlkampfveranstaltungen besucht hatte. Laut dem Sender CNN ist er ein eingetragener Republikaner.

Fernsehbilder vom Ort der Festnahme zeigten, wie FBI-Beamte einen weißen Lieferwagen mit einer Plane abdeckten und dann abtransportierten. Bei dem Fahrzeug soll es sich um das Auto des Verdächtigen handeln. Nahaufnahmen zeigten eine Reihe von Bildern an dem Wagen, auf denen unter anderem Trump und sein Vize Mike Pence, die Aufschrift „CNN sucks“ (etwa: CNN ist ätzend) sowie ein Konterfei von Hillary Clinton mit einem Fadenkreuz im Gesicht zu sehen waren.

Adressaten waren Barack Obama, Hillary Clinton und andere

Die gefundenen Päckchen waren an Personen adressiert, die als Hassfiguren der politischen Rechten gelten. Als Absender war die frühere Parteichefin der Demokraten, Debbie Wasserman Schultz, angegeben. Laut der Anklageschrift enthielten die Adressen zahlreiche Rechtschreibfehler. So war unter anderem Hillary Clinton falsch geschrieben. Die Päckchen waren mit jeweils sechs Briefmarken frankiert, die eine wehende US-Flagge zeigen.

FBI-Chef Christopher Wray erklärte am Freitag, der Inhalt habe jeweils aus einem etwa 15 Zentimeter langen PVC-Rohr, einer kleinen Uhr, einer Batterie, einer Verkabelung bestanden und sogenanntem energetischem Material, das potenziell explosiv gewesen sei. Er warnte davor, dass noch weitere Päckchen im Umlauf sein könnten. (dpa/jb)