Wolfsbestände

40 tote Schafe nach Wolfsattacke – Abschuss gefordert

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Auf einer Weide im Schwarzwald sterben mehr als 40 Schafe – wohl durch einen Wolf. Klöckner fordert ein „effektives Wolfsmanagement“.

Bad Wildbad.  Nach einer vermuteten Wolfsattacke in Bad Wildbad (Baden-Württemberg) sind mehr als 40 Schafe gestorben. Ein Großteil soll der Wolf gerissen haben, einige mussten wegen schwerer Verletzungen getötet werden. Unklar ist, wie viele Tiere ertranken, weil sie in Panik in einen nahen Bach sprangen.

Der Vorfall löste unterschiedliche Reaktionen aus. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) rief dazu auf, die Ausbreitung von Wölfen in Deutschland entschlossener zu begrenzen. „Wir müssen die Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland genauer beobachten“, sagte die CDU-Politikerin unserer Redaktion.

„Dazu brauchen wir ein effektives Wolfsmanagement, das zeigt, wie sich die Wolfsbestände in den Regionen entwickeln.“ Klöckner machte deutlich, dass Wölfe auch abgeschossen werden sollen, wenn Bestände zu groß werden: „Wo der gewünschte Erhaltungszustand des Wolfes erreicht ist, kann entsprechend reagiert werden“, sagte die Ministerin.

Wolf stellt Schäfer vor neue Herausforderungen

Die aktuellen Ereignisse machten deutlich, so Klöckner: „Schäfer und auch andere Tierhalter mit Herden in Freilandhaltung stehen durch die Ausbreitung des Wolfes vor neuen Herausforderungen und Verlusten.“ Mit einer finanziellen Entschädigung für die gerissenen Tiere allein sei es nicht getan.

Dem baden-württembergischen Umweltministerium zufolge wurden bei der vermuteten Wolfsattacke 32 Tiere gerissen. „Nach den ersten Untersuchungen der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA) vor Ort ist dafür mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Wolf verantwortlich“, hieß es. Zuvor hatten Experten von Landratsamt, Landwirtschaftlicher Versuchsanstalt und dem Landesschafzuchtverband den Vorfall untersucht.

Gewissheit solle die genetische Eilanalyse von Proben der toten Tiere bringen. Diese habe das Umweltministerium beantragt und dauere sieben Tage, sagte ein Sprecher am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Falls die Risse tatsächlich auf einen Wolf zurückgehen, könne der betroffene Schäfer mit einer raschen Entschädigung rechnen.

Wolf offenbar über Fluss auf Schafsweide eingedrungen

Nach Angaben der Geschäftsführerin des Landesschafzuchtverbandes, Anette Wohlfarth, befand sich die Herde mit mehr als 150 Tieren auf einem umzäunten Areal. Sie sei erst vor wenigen Tagen vom Stall auf die Weide gekommen. Der Wolf sei eventuell über den nahen Fluss eingedrungen.

Wolfsjagd in den Wäldern Serbiens

„Es war ein Bild des Grauens“, schilderte Wohlfarth am Montag der Deutschen Presse-Agentur ihre Eindrücke vom Besuch der Weide. Der Vorfall ist für sie ein trauriger Beleg für die lange gehegte Vermutung: „Weidetierhaltung und Wolf zusammen funktioniert nicht flächendeckend in Baden-Württemberg.“

Auch Wolfsfreunde zeigten sich betroffen. „Jetzt gilt es, dem Schäfer so schnell wie möglich zu helfen“, meinte Nabu-Landeschef Johannes Enssle. Und es gelte, Baden-Württemberg schnell auf die Rückkehr der Wölfe vorzubereiten. Mit effektivem Herdenschutz ließen sich solche Vorfälle in der Regel verhindern.

Wolf war offenbar im „Blutrausch“

FDP-Landtagsfraktionschef Hans-Ulrich Rülke forderte die Grünen indessen auf, ihre „romantische Wolfspatenschaft“ zu beenden. Der Wolf müsse unter die Kontrolle des Jagdrechts gestellt werden. „Das hat sich auch bei den geschützten Tierarten wie dem Luchs bewährt. Als dicht bevölkertes Flächenland müssen wir durch bessere Kontrolle verhindern, dass Wölfe zum Problem werden.“

Der Arbeitskreis für Umwelt und Naturschutz der CDU-Landtagsfraktion spricht sich bereits für einen Abschuss aus. Das politische Ziel sei zwar, dass der Wolf auch in Baden-Württemberg einen Lebensraum haben könne. „In diesem Einzelfall jedoch halten wir es für notwendig, den Problem-Wolf, der sich offensichtlich im Blutrausch befunden hat, zu entnehmen“, sagte der Vorsitzende Paul Nemeth am Dienstag.

Wölfe galten in Deutschland 150 Jahre lang als ausgestorben

Mit „Blutrausch“ ist der sogenannte Beuteschlag-Reflex gemeint. Für einen Wolf sei das Überangebot auf einer Weide eine unnatürliche Situation, heißt es auf einer Internetseite des Nabu. Die Weidetiere können nicht flüchten, weshalb der Jagdtrieb des Raubtieres immer wieder ausgelöst wird. Deshalb könne es vorkommen, dass der Wolf mehr Tiere tötet als er sofort fressen könne.

Seit der Jahrtausendwende vermehren sich die Wölfe wieder in Deutschland, nachdem sie rund 150 Jahre hierzulande als ausgestorben galten. Laut dem Naturschutzexperten der Grünen-Landtagsfraktion, Markus Rösler, sind seit 2015 mindestens sechs Wölfe in Baden-Württemberg gesichtet worden.

Bundesweit gibt es etwa 800 Wölfe, vor allem Niedersachsen und in Ostdeutschland. Im Jahr 2016 wurden über 1000 Nutztiere durch Wölfe getötet oder verletzt. Vor allem Schafe und Ziegen werden gerissen, aber auch Rinder. (dpa)