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Virologin bei "Lanz": Kimmich sitzt einem "Irrglauben" auf

| Lesedauer: 5 Minuten
Jessica Lichetzki
Markus Lanz.

Markus Lanz.

Foto: Markus Hertrich

Fußballer Joshua Kimmich fühlt sich uninformiert über Langzeitfolgen. Bei "Lanz" sagt eine Virologin deutlich, was sie davon hält.

Berlin. Mit dem Beginn der Koalitionsverhandlungen von Grünen, FDP und SPD stehen die Parteien vor riesigen Themenfeldern. Dazu gehören neben der Corona-Pandemie auch der Umgang mit der fortschreitenden Klimakrise. Bei "Markus Lanz" diskutierten die Gäste über Möglichkeiten und Konzepte, aber auch über politische Entscheidungsträger.

"Markus Lanz" – Das waren die Gäste:

  • Dr. Jana Schroeder, Virologin
  • Albrecht von Lucke, Publizist
  • Wiebke Winter, Politikerin (CDU)
  • Carla Reemtsma, Umweltaktivistin

Virologin bei "Lanz": Langzeitfolgen nicht zu erwarten

Zunächst eröffnete Moderator Markus Lanz die Runde mit einer Debatte über den Impfstatus des Fußballspielers Joshua Kimmich. Der Fußballer wolle nämlich zunächst mit der Impfung warten, um Langzeitfolgen auszuschließen.

Als "wissenschaftlichen Irrglauben" bezeichnete die Virologin Jana Schroeder die Aussage Kimmichs. Die Virologin klärte auf, dass sogenannte Langzeitfolgen meist schon zwei Wochen nach der Impfung auftreten und nicht erst Jahre danach. "Langzeitfolgen dieser Impfung sind nicht zu erwarten", betonte Schroeder. Die CDU-Politikerin Wiebke Winter appellierte an alle Ungeimpften. "Impfen bedeutet Solidarität. Lasst euch impfen", so Winter.

Doch während bei vielen immer noch Skepsis herrscht, wird bereits von der sogenannten "Booster-Impfung", also einer dritten Impfung, gesprochen. Denn scheinbar kommt es auch nach zweifacher Impfung immer wieder zu Impfdurchbrüchen und damit trotzdem zu einer symptomatischen Erkrankung.

"Markus Lanz": Politologe warnt vor "Freedom Day"

Laut Jana Schroeder sei allerdings unklar, ob eine dritte Impfung ein "Booster" sei oder eine Komplettierung des Impfschemas. "Die Impfdurchbrüche, die infizieren auch weniger effizient, aber sie infizieren nicht nicht", sagte Schroeder.

Doch dann wollte es Markus Lanz genau wissen: "An welchem Punkt müssen wir irgendwann als Gesellschaft bereit sein mit dem Restrisiko zu leben? Wann kommt der?" Der Politologe Albrecht von Lucke mahnte zur Vorsicht. Gerade Begriffe wie der "Freedom Day" seien laut von Lucke wenig sinnvoll. "Es wäre ganz fatal den Eindruck zu erwecken, die Krise ist beseitigt", so der Politologe.

Carla Reemtsma findet Klimaforderungen nicht radikal

Und direkt von einer Krise steuerte der Moderator in die nächste. "Haben Sie noch Vertrauen in diese Regierung, in dieses Land?", fragte Moderator Markus Lanz die Umweltaktivistin Carla Reemtsma. "Wenn es kein Vertrauen geben würde in Politik, dann würden wir keine Proteste mehr organisieren", sagte Reemtsma. Lanz wollte wissen, ob Forderungen wie keine neuen Autobahnen oder Gaspipelines nicht zu radikal und "beängstigend" seien.

"Das ist die Übersetzung der klimawissenschaftlichen Erkenntnisse, das ist keineswegs radikal, sondern das ist das, was nötig ist", akzentuierte die Aktivistin. "Doch, das ist radikal", entgegnete Markus Lanz und versuchte die Aktivistin aus der Reserve zu locken.

Ohne sich aus der Ruhe bringen zu lassen, erklärte Reemtsma, dass vor allem der Öffentliche Personennahverkehr ausgebaut werden müsse, da nicht alle Autos mit E-Autos ersetzt werden könnten. Zudem liege der Fokus weiter auf erneuerbaren Energien. "Es ist nicht radikal zu sagen, wir machen konsequenten Klimaschutz", so die Umweltaktivistin.

Nicht nur Moderator Markus Lanz kritisierte die Härte der Forderungen der Klimaaktivistin, auch der Politologe Albrecht von Lucke attackierte die Schwachstellen von Fridays for Future. So werde vor allem die soziale Frage außer Acht gelassen, wenn es um Klimaforderungen geht. "Es ist nicht ganz plausibel", sagte von Lucke.

Klimaaktivistin bei "Lanz": Es braucht Protest

Die CDU-Politikerin Wiebke Winter verwies auf die bevorstehende Weltklimakonferenz. "Wir müssen jetzt Tempo machen", so Winter. Dabei müsse vor allem in erneuerbare Energien investiert werden und gleichzeitig darauf geachtet werden, die Menschen "mitzunehmen".

"Wenn wir die Mehrheit der Menschen auf diesem Weg verlieren, dann kommen wir auch nicht voran", so Winter weiter. "Trauen Sie sich nicht als Politik zu sagen: Leute, ihr werdet in Zukunft auf Dinge verzichten müssen?", hakte Lanz nach. Eine klare Antwort gab es von der Politikerin nicht. "Ich glaube, dass wir vieles ändern müssen", antwortete Winter.

Laut Carla Reemtsma werde es weiter Klimabewegungen wie Fridays for Future brauchen. "Der Schulstreik war ziviler Ungehorsam und es kann weiterer folgen", sagte Reemtsma. Das habe für die Klimaaktivistin allerdings nichts mit Radikalisierung zu tun, sondern mit der Ausweglosigkeit der Situation.

So haben sich zwar die Parteien der möglichen Ampel-Koalition zu dem 1,5 Grad Ziel bekannt, allerdings fehlen im Sondierungspapier konkrete Vorschläge. "Es braucht legitimen Protest", so die Klimaaktivistin.

"Markus Lanz" – So liefen die vergangenen Sendungen

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