TV-Kritik

„Illner“: Habeck und Merz in vielem überraschend einig

| Lesedauer: 5 Minuten
Paul Ritter
Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner im Portrait

Maybrit Illner ist nur seit über 20 Jahren das Gesicht der gleichnamigen Sendung "maybrit illner" im ZDF. Beruflich erfolgreich, hat Illner auch privat ihr Glück gefunden.

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Bei „Maybrit Illner“ traf Robert Habeck (Grüne) auf Friedrich Merz (CDU). Sprachen da mögliche Partner oder doch erbitterte Gegner?

Berlin. 
  • Am Donnerstag waren bei "Maybrit Illner" unter anderem Robert Habeck (Grüne) und Friedrich Merz (CDU) zu Gast
  • In vielen Punkten waren sich die beiden Politiker erstaunlich einig
  • Bei einem Thema kam es dann doch zu einer lebhaften Diskussion

Was passiert, wenn Grünen-Chef Robert Habeck auf den CDU-Politiker Friedrich Merz trifft? Das ließ sich am Donnerstagabend bei „Maybrit Illner“ beobachten. Es war eine spannende Besetzung, wenn man bedenkt, dass nach der Bundestagswahl ein Dreier-Bündnis unter Beteiligung von Union und Grünen möglich sein dürfte.

Trafen sich hier also mögliche Partner? Oder doch vor allem Gegner? Das war auch deswegen vorher nicht ganz klar, weil der wirtschaftsliberale Merz nun ausgerechnet für jenen Teil der CDU steht, mit dem viele Grüne absolut nicht paktieren wollen.

"Maybrit Illner" – Das waren ihre Gäste

  • Robert Habeck, Parteivorsitzender Bündnis 90/Die Grünen
  • Friedrich Merz, CDU-Direktkandidat
  • Dagmar Rosenfeld, "Die Welt"-Chefredakteurin
  • Achim Truger, Wirtschaftsweiser der Bundesregierung

"Illner": Fast liegen sich Habeck und Merz in den Armen

Doch es ging zunächst harmonisch los. Bei dem wichtigsten Thema dieser Tage, Afghanistan, lagen sich Habeck und Merz beinahe in den Armen. Das Ende der Mission ein Desaster, auch Deutschland in der Verantwortung: In ihrer Analyse stimmten der Grünen-Chef und der CDU-Politiker weitgehend überein. „Am Ende war alles falsch, da ist kein Erfolg mehr da“, sagte Habeck. Und Merz befand: „Es blamiert sich die westliche Staatengemeinschaft.“

Ja, man gab sich teilweise sogar offen Recht, wie etwa, als Merz die Feststellung Habecks bekräftigte, dass die Außenpolitik nun neu justiert werden müsse. Eine kleine Krönung war, als sich der CDU-Politiker hinter die Forderung der Grünen stellte, jetzt keine Daten zum Afghanistan-Einsatz zu löschen, um hinterher eine saubere Aufbereitung gewährleisten zu können. Lesen Sie hier: Auch Markus Lanz diskutierte mit seinen Gästen über die Lage in Afghanistan. CDU-Politiker Tilman Kuban sorgte dabei für Kopfschütteln.

Und noch eine Überraschung: Die Harmonie galt sogar für den pikantesten Teil, die Flüchtlingsfrage. Sowohl Merz als auch Habeck sehen keine neue Krise – Stichwort: 2015 – aufziehen. Und sogar Merz befand: Derzeit gehe es vor allem darum, Menschen aus Afghanistan zu holen – und nicht, Einreisen zu verhindern.

Bundestagswahl: Bei Wirtschaftsfragen kracht es

Friede, Freude, Eierkuchen also? Die Grünen können auch mit dem wirtschaftsliberalen Flügel der Union – und umgekehrt? Nein, natürlich nicht, denn bei ebendiesen Wirtschaftsfragen krachte es zwischen Merz und Habeck kräftig. Das klang dann zum Beispiel so:

Merz: „Wir drehen uns hier im Kreis.“ Habeck: „Sie drehen sich im Kreis, weil sie keine Antwort haben!“

Und:

Habeck: „Nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.“ Merz: „Netter Spruch!“

Der Konflikt war an dieser Stelle programmiert, denn hier prallten sehr unterschiedliche Haltungen zur Rolle des Staates aufeinander. Im Kern steht dabei die Frage, wie die Umstellung auf Klimaneutralität gelingen kann.

Investieren oder Steuern senken?

Auf der einen Seite Habeck, der die Unternehmen mit staatlichen Investitionen unterstützen will. Diese sollen nach Vorstellung der Grünen von der Schuldenbremse ausgenommen werden. „Was nutzt ein volles Sparkonto, wenn einem das Dach einstürzt?“, erklärte der Grünen-Chef das in einem alltäglichen Bild.

„Wo ist denn das volle Sparbuch des Staates? Wir haben Schulden!“, erwiderte darauf Merz. Sein Ansatz: Deutschland entbürokratisieren und flexibler machen – und Steuern senken, um die Unternehmen zu Investitionen zu bewegen.

Beachtlich war, wie viel schlüssiger das Konzept des Grünen gegen die diffusen Pläne von Merz wirkte. Kann man, wenn es um eine schnelle und zugleich sehr teure Umstellung der Wirtschaft geht, wirklich auf Impulse aus Steuersenkungen hoffen? Gut, dass der Wirtschaftsweise Achim Truger mit in der Runde saß: „Das ist eine sehr frohe Hoffnung, die sich in der Vergangenheit nicht erfüllt hat“, stellte er klar. Der Förderbedarf sei riesig, ohne den Staat werde es nicht gehen. Punktsieg Habeck.

Das Fazit

Diese Ausgabe von „Maybrit Illner“ gelang, weil ausführlich über Inhalte diskutiert wurde. Und weil so eines deutlich wurde: Eine Regierung unter Beteiligung von Union und Grünen würde in vielen Fragen wohl gut funktionieren. In der so wichtigen Klima- und Wirtschaftspolitik würde es aber sehr kompliziert werden.

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