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„Maybrit Illner“: Warum der Lockdown wohl länger geht

Lesedauer: 6 Minuten
Ulrike Borowczyk
Skandale und Gäste-Rankings: Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Skandale und Gäste-Rankings- Diese fünf Dinge muss man über Polit-Talkshows wissen

Ob "Anne Will", "Hart aber Fair", “Maybrit Illner“ oder “Maischberger“: Polit-Talkshows prägen unsere politischen Debatten. Fünf Dinge, die man über dieseTalkshows wissen muss.

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Illner diskutierte mit ihren Gästen über die Corona-Lage in Deutschland, Massentests und die anstehenden Impfungen.

Berlin. Nach Weihnachten sollen die Impfungen gegen Corona starten. 2021 soll dann das Jahr sein, in dem das Virus seinen Schrecken verliert. Doch mit dem Impfstoff lösen sich nicht alle Probleme in Luft auf. Es wird dauern, bis genügend Menschen geimpft sind. Doch was passiert bis dahin? Hangeln wir uns von Lockdown zu Lockdown? Im letzten Talk in diesem Jahr diskutierten die Gäste bei „Maybrit Illner“ die Frage: „Corona verzeiht keine Fehler – was kommt nach dem Shutdown?“

Maybrit Illner vergleicht Corona-Impfstoff mit Schokolade

Moderatorin Maybrit Illner verglich den Impfstoff ganz jahreszeitgemäß mit Schokolade im Adventskalender. Und Karl Lauterbach schwärmte auf seine typisch nüchterne Weise davon: „Wir können davon ausgehen, dass der Impfstoff sicher ist. Ich würde ihn sofort nehmen.“

Überrascht zeigt sich der SPD-Politiker, der bekanntlich selbst Epidemiologe und Gesundheitsökonom ist, von der eher verhaltenden Impfbereitschaft in der Bevölkerung: „Es ist bekannt, dass die Krankheit für jeden gefährlich ist. Es gibt Hinweise, dass die Impfung besser schützt als eine durchgemachte leichte Infektion.“ Lesen Sie hier:Wer zuerst geimpft wird – Das empfehlen RKI-Experten dem Bund

Medizinethikerin Christiane Woopen zeigte sich überzeugt, dass man nur die richtigen Personen finden müsste um die Bevölkerung zu erreichen. Als Beispiel nannte sie Hollywood-Star Angelina Jolie. Die hatte 2013 ihre Brustamputation wegen eines erhöhten Krebsrisikos publik gemacht. Plötzlich hätten viele ebenfalls hochgefährdete Frauen eine Mastektomie machen lassen. „Vorher haben sich die Ärzte jahrzehntelang den Mund fusselig geredet“, erinnerte sich Christiane Woopen.

„Maybrit Illner“ – Das waren die Gäste

  • Karl Lauterbach (SPD), Politiker und Gesundheitsexperte
  • Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident Saarland
  • Lisa Federle, Ärztin, Initiatorin der „Tübinger Corona-Teststrategie“
  • Christiane Woopen, Medizinethikerin, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates
  • Jonas Schmidt-Chanasit, Virologe

Corona: Ministerpräsident Tobias Hans möchte sich impfen lassen

Einig war man sich in der Runde darüber, dass Impfungen nur ein Teil der Strategie im Umgang mit Covid-19 sein können. Zumindest, bis eine Herdenimmunität erreicht wird. Dazu müsste es hierzulande aber erst einmal 46 Millionen Impfwillige geben. Für Tobias Hans (CDU) war zwar klar: „Für mich ist es ein Akt der Solidarität, mich impfen zu lassen.“

Aber der saarländische Ministerpräsident gab außerdem zu bedenken: „Es war noch nie so deutlich wie jetzt, dass wir auch nach fast einem Jahr noch nicht viel über das Virus wissen. Das macht es schwer, langfristig Pläne zu schmieden.“ Hans ging davon aus, dass der Lockdown über den 10. Januar andauern wird.

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Dabei hatte Gesundheitsminister Jens Spahn gerade angesichts des kommenden Impfstarts noch versprochen: „Ab dem Sommer kehren wir Zug um Zug in die Normalität zurück.“ Eine Zusage, die Virologe Jonas Schmidt-Chanasit in Teilen wieder einfing: „Auch Minister können nicht in Glaskugeln gucken. Wenn alles extrem gut läuft, ist das durchaus machbar. Aber man weiß es eben nicht, weil hier das Verhalten der Bevölkerung eine entscheidende Rolle spielt.“

Tübingen als Musterbeispiel für Corona-Teststrategie

Ein Blick nach Tübingen zeigte, wie man das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen kann. Dort hatte die Ärztin Lisa Federle schon während des ersten Lockdowns im März eine Corona-Teststrategie entwickelt. Risikogruppen werden vor allem mit Schnelltests konsequent geschützt, Menschen mit positivem Testergebnis werden umgehend in Quarantäne geschickt. Ein Konzept, das aufgeht, wie die aus Baden Baden zugeschaltete Lisa Federle berichtete: „Wir haben Stand heute acht Patienten mit Covid-19 auf der Intensivstation.“

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Auch die Zahl der Infizierten bei den über 65-Jährigen lag bei gerade mal knapp über hundert. „Viele Ehrenamtliche, darunter die Band von Dieter Thomas Kuhn, helfen uns beim Testen. So können Angehörige die alten Leute besuchen, auch zuhause, damit die nicht allein vorm Christbaum hocken“, sagte Lisa Federle.

Wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte man die härtere Maßnahmen gegen Corona schon im Sommer in Angriff nehmen müssen. Spätestens im Oktober. „Und keinen Lockdown light, der es allen recht macht. Letztlich haben wir es dem Virus damit leicht gemacht.“ Immerhin übernehmen nun 150 Gemeinden und Städte Lisa Federles Tübinger Corona-Teststrategie.

Lockdown: Medizinethikerin fordert Corona-Massentest

Christiane Woopen erklärte denn auch, sie fände es großartig, „wenn wir den Lockdown für einen Massentest nutzen würden.“ In Liverpool hätte man dadurch bis zu 75 Prozent niedrigere Infektionszahlen erreicht.

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Karl Lauterbach verwies jedoch darauf, dass man pro Person zwei Schnelltests für ein sicheres Ergebnis benötigte. Aktuell seien aber nur 30 Millionen vorhanden und die bräuchte man für die Pflegeeinrichtungen. Lauterbach sprach sich deshalb für einen konsequent durchgeführten Shutdown aus, der die Inzidenz unter 25 drückt.

Dann könnten alle Infektionen endlich wieder realistisch nachverfolgt werden. Und es käme Ruhe in die Situation. Während Karl Lauterbach bei Corona letztlich auf den Impfstoff setzte, sah er in einer anderen akuten Krise eher schwarz: „Ich bin pessimistisch beim Klimaschutz. Es wird keine Impfung gegen CO2 geben.“

„Maybrit Illner“ – Das passierte in den vergangenen Folgen

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