Terror

Nigeria: Boko Haram bekennt sich zu Angriff auf Schulkinder

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Nach einem Angriff bewaffneter Männer auf diese Schule im Norden Nigerias werden 333 offenbar verschleppte Schulkinder vermisst.

Nach einem Angriff bewaffneter Männer auf diese Schule im Norden Nigerias werden 333 offenbar verschleppte Schulkinder vermisst.

Foto: Abdullatif Yusuf / dpa

Die Terrorgruppe Boko Haram hat sich zu einem Angriff auf eine Schule in Nigeria bekannt. Mehr als 300 Schulkinder wurden entführt.

Lagos. Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat sich zu einem Angriff auf eine Schule in Nigeria bekannt. Im Zuge des Angriffs sind hunderte Kinder verschleppt worden. Die Online-Zeitung „Daily Nigerian“ erhielt nach eigenen Angaben am Dienstag eine Audio-Botschaft des Boko-Haram-Anführers Abuibakar Shekau. Er begründet die Tat mit einer angeblich islamfeindlichen westlichen Erziehung der Kinder.

Die Anzahl der verschleppten Kinder und Jugendlichen ist noch unklar. Während die nigerianische Regierung von 333 Kindern spricht, meldet die „Daily Nigerian“ 668 Entführungsopfer. Polizei und Militär haben eine Suchaktion gestartet.

Kinder fliehen im Schusswechsel zwischen Polizei und Boko Haram

Der Angriff auf die staatliche Oberschule in Kankara in der nördlich gelegenen Region Katsina fand am vergangenen Freitag statt. Mehrere bewaffnete Männer schossen dabei mit Maschinenpistolen um sich und lieferten sich Gefechte mit der Polizei. Rund 200 Kinder und Jugendliche konnten während der Auseinandersetzung in die umliegenden Wald- und Buschgebiete fliehen.

In der Nachricht der Terrorgruppe heißt es „Daily Nigerian“ zufolge: „Was in Katsina passiert ist, wurde getan, um den Islam zu fördern und un-islamische Praktiken wie westliche Erziehung zu entmutigen.“ Die Zeitung erhielt früher schon Selbstbezichtigungsnachrichten von Boko Haram.

Nigerias Präsident Muhammadu Buhari verurteilte den Angriff und ordnete eine erhöhte Sicherheitsstufe an allen Schulen an. Im Bundesstaat Katsina blieben die Schulen vorerst geschlossen. Auch UN-Generalsekretär Antonio Gutuerres verurteilte den Angriff und forderte die umgehende Freilassung der Kinder.

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Der Angriff war zunächst bewaffneten Banden zugeschrieben worden, die die Bevölkerung in der instabilen Region terrorisieren und deren Entführungen zum Alltag geworden sind. Zudem operiert Boko Haram in der Regel hunderte Kilometer von Katsina entfernt im Nordosten Nigerias. Die Gegend rund um den Tschadsee gilt als ihr Stammgebiet.

Von dort startet die Terrororganisation auch Attacken auf Ziele in den angrenzenden Staaten. Erst am Montag sollen Kämpfer von Boko Haram ein Dorf im Südosten des Niger angegriffen haben. Behördenangaben zufolge starben dabei mindestens 27 Menschen.

Boko Haram bedeutet auf Deutsch übersetzt ungefähr „westliche Bildung ist Sünde“. Die Terrororganisation gilt gleichzeitig als fundamental islamistische Sekte. Immer wieder entführen sie Kinder aus Schulen oder zerstören diese. Die entführten Kinder werden in der Folge auch als Selbstmordattentäter missbraucht.

Der bekannteste Entführungsfall Boko Harams stammt aus dem Jahr 2014. Damals entführte Boko Haram 276 Schulmädchen in Chibok im Bundesstaat Borno, von denen viele bis heute verschwunden sind. (dpa/afp/jas)