Nachruf

Dieter Laser – Der Mann fürs Diabolische

Dieter Laser im Juli 2019 während der Probe des Schauspiels „Der Prozess“ bei den 69. Bad Hersfelder Festspielen.

Dieter Laser im Juli 2019 während der Probe des Schauspiels „Der Prozess“ bei den 69. Bad Hersfelder Festspielen.

Foto: Swen Pförtner / dpa

Er drehte mit Größen wie John Malkovich und Burt Lancaster. Nun ist der Schauspieler Dieter Laser mit 78 Jahren gestorben.

Berlin. Seine wohl bekannteste Rolle spielte er 1975 in der Heinrich-Böll-Verfilmung „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta. Da verkörperte Dieter Laser den schmierigen Boulevardreporter Tötges, der den Fall einer unbescholtenen Frau, die unter Terrorismus-Verdacht gerät, zu einer menschenverachtenden Berichterstattung aufbauscht. Und der Betroffenen auch noch zynisch erklärt: „In deiner Story ist noch viel drin. Nur müssen wir gleich noch etwas nachschießen. Nachschießen, Mädchen, immer nachschießen.“ Bis sie dann wirklich schießt. Auf ihn.

Dieter Laser war erschreckend überzeugend in dieser diabolischen Rolle. Allein mit seiner schneidenden Stimme, den markanten Wangenknochen, den riesigen Augen und seinem stechenden Blick, der sich einbrannte. Böse, „teuflische“ Rollen hat er deshalb immer wieder gespielt, etwa in der Fernsehverfilmung von E.T.A. Hoffmanns „Elixiere des Teufels“. Und hatte Laser nicht selbst einst, mit 14, einen Pakt mit dem Teufel geschlossen: „Bezahlt wird später – in der Hölle“? Laser, der Mann fürs Finstere.

Dieter Laser wuchs unter dem Einfluss einer Sekte auf

Die Wahrheit sieht freilich anders aus. Laser, 1942 in Kiel geboren und mit drei fast in einem Luftschutzkeller ums Leben gekommen, wuchs unter dem Einfluss einer fundamentalistischen Sekte auf, die nur die Lutherbibel als Lektüre guthieß und Theater für Teufelswerk hielt. Dorthin drängte es Laser aber früh.

Deshalb der „Teufelspakt“: Um auf die Bühne zu kommen, schwor er dem Glauben seiner Familie ab. Mit 16 fragte er beim Pförtner am Hamburger Schauspielhaus, wie man Schauspieler wird. Da gerade ein Statist für eine Kindervorstellung ausfiel, durfte er gleich auf die Bühne. So begann eine Statistenkarriere.

Laser brach seine Schauspielausbildung ab

Eine Schauspielausbildung schloss sich an, die Laser aber, trotz bestandener Zwischenprüfung, abbrach. Entdeckt hat ihn dann Gustaf Gründgens. Der wollte Laser 1960 eigentlich rausschmeißen, weil der weiter heimlich Proben im Schauspielhaus besuchte. Stattdessen gab er ihm erste Rollen: „So kam ich zur Schauspielerei“, so Laser später, „weil der Gott des Theaters gnädig mit mir war.“

1967 begann seine Zusammenarbeit mit Peter Stein, dem er drei Jahre später nach Berlin an die Schaubühne am Halleschen Ufer folgte, dem Vorzeigetheater der 70er, bei dem er zeitweise auch dem Direktorium angehörte. Aber auch hiervon sagte er sich los, als er 1974 beschloss, freischaffend zu arbeiten.

„John Glückstadt“ brachte ihm den Deutschen Filmpreis ein

Einem breiten Publikum wurde er durch den Film bekannt. Gleich sein erster, die Storm-Verfilmung „John Glückstadt“, brachte ihm 1975 den Deutschen Filmpreis als bester Schauspieler ein, Erfolge wie „Katharina Blum“ und Hans W. Geißendörfers Oscar-nominiertes Drama „Die gläserne Zelle“ schlossen sich an. Laser drehte mit Größen wie Burt Lancaster, Glenn Close und John Malkovich, blieb aber auch dem Theater weiter treu.

Prägnante Auftritte hatte er etwa als Rassenforscher in Schlöndorffs Film „Der Unhold“ oder als Hunnenkönig Etzel bei den Wormser Filmfestspielen unter Dieter Wedel. Späten Kultstatus gewann er 2009 mit dem niederländischen Horrorfilm „Human Centipede“ als verrückter Wissenschaftler, den er als Parodie auf Josef Mengele anlegte.

Noch vergangenes Jahr war Laser bei den Bad Hersfelder Theaterfestspielen zu erleben. Nun ist der Berliner Schauspieler im Alter von 78 Jahren gestorben. Ein Tod ganz im Stillen. Er starb bereits am 29. Februar, wie seine Frau Inge erst an Karfreitag bekannt gab.

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