ARD-Krimi

„Tatort“ München: So realistisch sind die Schmuggel-Senioren

“Tatort“ zu Drogenschmuggel aus Afrika: Martin Endler (Siemen Rühaak) hat in Numa Imani (Cynthia Micas) die große Liebe gefunden.

“Tatort“ zu Drogenschmuggel aus Afrika: Martin Endler (Siemen Rühaak) hat in Numa Imani (Cynthia Micas) die große Liebe gefunden.

Foto: Marco Nagel / BR/Roxy Film

Der „Tatort“ wirft Fragen auf: Schmuggeln Senioren wirklich Drogen nach Afrika? Gibt es das genutzte Gift? Alle Antworten.

Berlin. Am Ende war es ein „One Way Ticket“, allerdings nicht nach Afrika, sondern in den Tod: Ein deutscher Entwicklungsexperte wird im Münchener „Tatort“ von den Hauptkommissaren Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) im Auto entdeckt. Bei seinem letzten Anruf bei der Polizei hatte das Opfer seine Ermordung angekündigt. Was ist da los?

Schnell führen die Ermittlungen zu Drogenhändlern, allesamt älteren Semesters, die fleißig im Namen einer Wohltätigkeitsorganisation zwischen Kenia und Deutschland hin- und herjetten. Dahinter stecken ehemalige Stasi-Mitarbeiter – die durchaus auch über das Gift Bescheid wussten, mit dem der Entwicklungsexperte hingerichtet wurde.

Senioren jetten zum Schmuggeln nach Afrika? Stimmt das? Wir beantworten alle Fragen.

„Tatort“ aus München – Senioren als Drogenkuriere, ist das nicht absurd?

Nein, so gar nicht. Denn der Film basiert auf einer wahren Begebenheit – tatsächlich erschien im Spiegel 2011 eine Geschichte mit fast dem gleichen Titel: „One-Way-Ticket nach Mombasa“. In dem Artikel heißt es, mehr als ein Dutzend Deutsche seien innerhalb von zwei Jahren festgenommen worden.

„Sie alle fielen auf ein Drogenkartell herein, das unauffällige Kuriere suchte. Reisende Rentner schienen den Händlern besonders geeignet. Vor allem solche, die in finanziellen Kalamitäten steckten, die ein bisschen ahnungslos waren und auch ein bisschen naiv – und scharf aufs schnelle Geld“, schrieb der „Spiegel“. Eine offensichtliche Inspiration für den „Tatort“.

Sind Nairobi, Mumbasa, Kepasa wirklich Drehkreuze für den Drogenhandel?

Kenia ist als Drehkreuz für den Drogenhandel bekannt – auch als Absatzmarkt. Besonders viel Heroin kommt über in das afrikanische Land. Zuvor wird es auf traditionellen Holzschiffen, den Dhaus, von Afghanistan über den indischen Ozean nach Afrika gebracht.

Was nicht vor Ort gebraucht wird, geht nach Südafrika und weiter nach Europa. Die Global Initiative Against Transnational Organized Crime beschreibt den Osten Afrikas in einem Bericht von 2018 als „Die Heroinküste“.

Aber auch Westafrika spielt eine wichtige Rolle im Drogenhandel. Die Vereinten Nationen schätzen, Kokain im Wert von mindestens einer Milliarde US-Dollar gelange jährlich von Südamerika durch Westafrika auf den europäischen Kontinent.

Gibt es Wolfsmilchgewächse und sind sie giftig?

Wolfsmilchgewächse existieren, es gibt tausende Arten. Und einige sind auch in Deutschland heimisch. Und giftig sind viele auch. Gezeigt wird im „Tatort“ die „Euphorbia venena“, die in der Steppe Angolas laut Tatort besonders häufig sei.

Euphorbia ist der lateinsche Name der Wolfsmilch, „venena“ heißt einfach nur Gift. Damit haben es sich die Macher des Tatorts einfach gemacht und quasi eine universelle Bezeichnung gewählt, die allerdings keine Rückschlüsse zulässt, was da genau in Angola wächst.

Bekannt ist die Pflanze Namibisches Giftwolfsmilch (Euphorbia virosa), die vom Orange River in Südafrika bis nach Süd-Angola, Lesotho und Swasiland zu finden ist.

Tatsächlich gilt diese als eine der giftigsten Pflanzen der Welt. Die San, Ureinwohner Afrikas, nutzten das Gift an Pfeilspitzen zur Jagd. Oryxantilopen und Nashörner können das Gift verkraften, sonst kaum ein Lebewesen.

Ein recht bekannter Vertreter der Wolfsmilchgewächse ist der Wunderbaum, beziehungsweise Rizinus, aus dem das bekannte Gift Rizin gewonnen werden kann.

War die Stasi in Afrika aktiv?

Tatsächlich war die DDR bemüht, ihren Geheimdienst international aufzustellen. Eine Potsdamer Doktorandin hat die Einflüsse auf die Staaten Nicaragua, Tansania und Mosambik untersucht. Anna Warda fand heraus, dass die Stasi in mindestens 30 Entwicklungs- und Schwellenländern „Aufbauarbeit“ leisten wollte.

„In allen drei Ländern, in denen ich war, ist das Erbe der Stasi noch zu spüren“; sagte sie den „Potsdamer Neusten Nachrichten“ zu ihren Recherchen. „Die aufgebauten Dienste oder deren Nachfolger sind teilweise immer noch als repressive Apparate aktiv.“ Manche Menschen, auch heute noch in Führungspositionen vertreten, hätten sich dem Gespräch verweigert. In Sansibar habe es sogar Drohungen gegeben.

Ob die Stasi dort aktiv für Elend gesorgt habe, sei nicht sicher. „Doch es ist nachzuweisen, dass das Ministerium für Staatssicherheit nicht deeskalierend, sondern besonders in Bürgerkriegssituationen eskalierend Einfluss genommen hat.“