Polizeieinsatz

Keine Spur nach Geldtransporter-Überfall am Flughafen Köln

Brandermittler der Polizei untersuchen das ausgebrannte Fluchtfahrzeug.

Brandermittler der Polizei untersuchen das ausgebrannte Fluchtfahrzeug.

Foto: Marius Becker / dpa

Ein Wachmann ist angeschossen und dabei schwer verletzt worden. Der Flugbetrieb soll nicht gefährdet sein.

Köln. Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter am Flughafen Köln/Bonn sucht die Polizei weiter nach den beiden flüchtigen Tätern. „Die Maßnahmen laufen, wir ermitteln“, sagte ein Polizeisprecher am Donnerstagmorgen. Weitere Angaben zu den Ermittlungen machte der Sprecher nicht.

Bei dem Überfall wurde am Mittwoch ein Wachmann lebensgefährlich verletzt. Nach einer Notoperation befand sich der Mann am Mittwochnachmittag nicht mehr in Lebensgefahr.

Zuvor hatten sich Szenen wie in einem Krimi abgespielt, wie ein Polizeisprecher schildert: Maskierte Bewaffnete waren demnach am Flughafen Köln/Bonn auf einen Geldtransporter zugestürmt. Jemand rief: „Auf den Boden, auf den Boden!“ Dann fielen Schüsse. Einer der Wachmänner wurde in den Oberschenkel getroffen und lebensgefährlich verletzt.

„Zwei Mitarbeiter dieser Firma waren wohl außerhalb des Fahrzeugs. Es sind auch Schüsse gefallen. Ein Mitarbeiter der Firma ist durch mindestens einen Schuss im Oberschenkel schwer verletzt worden. Er liegt jetzt in einer Klinik und wird operiert“, so der Sprecher. Es werde jetzt mit einem Großaufgebot nach den Tätern gefahndet. Außerdem würden Zeugen befragt.

Die Polizei sei schnell vor Ort gewesen, ein Beamter habe Erste Hilfe geleistet und das Bein des verletzten Wachmanns abgebunden.

Geldtransporter-Überfall – das Wichtigste in Kürze:

• Drei Maskierte haben am Flughafen Köln/Bonn einen Geldtransporter überfallen

• Bei dem Überfall fielen auch Schüsse

• Ein Wachmann wurde schwer verletzt, er schwebt in Lebensgefahr

• Die Täter flüchteten im schwarzen Audi, ihr Fahrzeug steckten sie in Brand

Zeugen des Überfalls berichten von ihren Erlebnissen

„Wir haben auf einmal einen lauten Knall gehört“, erzählt der Mitarbeiter eines Busunternehmens, das im Terminal einen Stand hat. „Der Knall war ungefähr so, als ob hier in der Halle ein Rollkoffer umfällt – nur viel lauter.“ Dann habe er ein dunkles Auto bemerkt, das mit offenem Kofferraumdeckel zügig weggefahren sei, schildert der Mann, der seinen Namen nicht nennen will.

Anschließend seien Polizei, Feuerwehr und Krankenwagen gekommen. „Was tatsächlich passiert ist, habe ich dann im Internet gelesen.“ Dort findet sich auf der Seite der „Rheinischen Post“ auch ein Video von der Flucht der maskierten Täter: Man sieht, wie sie einen Koffer in ihr Auto packen und wegfahren.

Ob sie etwas erbeuteten und wenn ja, wieviel – darüber schweigt sich die Polizei aus.

Die Angestellte eines nahe gelegenen Schreibwarenladens hat von dem Geschehen gar nichts bemerkt. „Ich frage mich jetzt die ganze Zeit, wie das sein kann, dass ich nichts mitbekommen habe“, meint sie kopfschüttelnd.

Polizei Köln bittet dringend um Zeugenhinweise

Ihr Fluchtfahrzeug, einen schwarzen Audi, ließen die Angreifer laut Polizei im Stadtteil Porz stehen und setzten ihn in Brand. Es wurde an der Autobahn 59 gefunden und von der Feuerwehr gelöscht. In dem Autowrack entdeckten Ermittler später ein Kalaschnikow-Sturmgewehr.

Trotz der Dramatik der Ereignisse scheint klar: Die Tat wurde genau geplant. Die Spurensicherung untersuchte nach dem Überfall den Geldtransporter. Er befindet sich im unteren Teil des Terminals, wo Fernbusse abfahren und Taxen halten. Der Busterminal bleibt während der Spurensicherung gesperrt.

Zeugen werden dringend um Hinweise an das Kriminalkommissariat 14 gebeten: telefonisch unter 0221/229-0 oder per E-Mail an poststelle.koeln@polizei.nrw.de.

Der Flugbetrieb sei durch den Vorfall nicht beeinträchtigt, sagte eine Flughafensprecherin. Auch die Terminals seien ganz normal erreichbar. Nur ein Teil des Fernbusbahnhofs sei abgesperrt.

Überfall erinnert an Tat aus dem vergangenen Jahr

Der Fall weckt Erinnerungen an einen anderen Überfall vor fast genau einem Jahr. Dabei hatten Unbekannte im Alter zwischen 30 und 40 Jahren einen Geldtransporter auf dem Parkplatz eines Ikea-Kaufhauses in Köln-Godorf ausgeraubt.

Damals schlugen sie zu, nachdem der 60 Jahre alte Geldbote aus dem Transporter gestiegen war. Einer der Täter bedrohte ihn mit der Waffe, während der andere mit laufendem Motor im Fluchtauto wartete - ähnlich wie bei der Tat am Mittwoch. Mit der Beute verschwanden die Kriminellen vor einem Jahr unerkannt. Wenig später wurde ihr Wagen brennend auf einem Feld in der Nähe entdeckt.

Parallelen zu Überfällen von Ex-RAF-Terroristen geprüft

Nach Zeugenaussagen flüchteten die Täter zu Fuß. Zur Höhe des erbeuteten Geldes machte die Polizei damals keine Angaben. Die Ermittler prüften danach Parallelen zu Raubüberfällen, die drei untergetauchten Ex-RAF-Terroristen zur Last gelegt wurden. Es ergaben sich dann aber keine Hinweise auf eine Verbindung.

Der Fall lief im November auch bei „Aktenzeichen XY“ – aber offenbar ohne Ergebnis. Ein Polizeisprecher sagt: „Das war ein ähnlicher Modus Operandi, aber ob die beiden Taten in Zusammenhang stehen, das müssen die Ermittlungen ergeben.“

(dpa/cho)