Schauspieler

Jan Josef Liefers glaubt nicht an Erziehung im engeren Sinn

Jan Josef Liefers lebt nicht nur in seinem neuen Film „So viel Zeit“ seine zweite Leidenschaften aus: Musik machen.

Jan Josef Liefers lebt nicht nur in seinem neuen Film „So viel Zeit“ seine zweite Leidenschaften aus: Musik machen.

Foto: Reto Klar

Jan Josef Liefers spielt erneut einen Todkranken, der sich noch einen Wunsch erfüllen möchte. Er selbst hat das schon erledigt.

Berlin.  Er kann nicht nur Schauspiel. Jan Josef Liefers macht auch Musik. Und das sehr erfolgreich mit seiner Band Radio Doria. Selten aber bringt er beide Leidenschaften zusammen.

In seinem neuen Film „So viel Zeit“ (aktuell im Kino) spielt der Münsteraner „Tatort“-Star nun einen Mann, dem nicht mehr viel Zeit beschieden ist und der deshalb noch mal einen Jugendtraum wahr werden lassen will: mit seiner alten Band, die er aus einer Laune heraus einst um ihren größten Auftritt gebracht hat, noch einmal auftreten. Vor den Scorpions. Wir haben den 54-jährigen gebürtigen Dresdener im Berliner Hotel Sofitel getroffen.

Nach „Knockin’ On Heaven’s Door“ spielen Sie zum zweiten Mal einen Todkranken. Wieso kommt man eigentlich bei solchen Rollen immer auf Sie?

Jan Josef Liefers: Das wüsste ich auch gern. Ich bin schon recht häufig in Filmen gestorben. Sehe ich aus, als würde es mit mir bald zu Ende gehen? Vielleicht haben die Produzenten gedacht, dass es höchste Eisenbahn wird?

Ihre Filmfigur will noch mal etwas tun, was sie 30 Jahre lang nicht getan hat. Gibt es in Ihrem Leben etwas Ähnliches, was Sie sich versagt haben, wo es aber eine große Sehnsucht gibt, das noch zu machen?

Liefers: Das gab es. Bis zu dem Tag, als ich angefangen habe, selber Musik zu machen. Musik zu machen war das, was mir gefehlt hat. Ich wollte lange Zeit gar nicht Schauspieler, sondern Musiker werden, wollte eine Band haben. Das ging aufgrund der Umstände nicht, damals in der DDR gab es keinen Weg hinein, der für mich gut gewesen wäre.

Den Traum habe ich in den Schrank gehängt, wo schon ein paar andere Träume eingemottet waren. Es muss ja auch nicht jeder Traum wahr werden. Musik habe ich dann immer nur mal für mich alleine gemacht. Bis ich irgendwann Anfang der 2000er-Jahre den Traum entmotten konnte und meine Band gründete.

Heute sehe ich mich in der glücklichen Situation, genau das machen zu können, was ich mir gewünscht habe, und damit dann auch noch meine Brötchen zu verdienen. Wenn es zwei Träume gab, die ich hatte, dann lebe ich die. Ich weiß, das ist leider nicht sehr vielen Leuten vergönnt.

In einer hübschen Szene ist Ihr Filmsohn bei Ihren Musikproben dabei und erst mal nicht sehr begeistert, was der Papa da tut. Wie ist es für Ihre zwei Töchter, dass der Vater auch Musik macht? Und die Mutter dann auch noch?

Liefers: Eltern haben es ja im Allgemeinen schwer, bei ihren Kindern zu punkten. Eine Zeit lang hat unsere Kleine am Aufregendsten an unserem Beruf gefunden, dass wir schon mal in einer Talkshow zusammen mit den Lochis saßen. Auf der Ebene läuft das.

Schwer zu sagen, was meine Kinder denken. Sie werden halt damit groß und akzeptieren das. Man muss seine Kinder aber auch nicht zwingen, einem zu huldigen. Sie sollen ihr eigenes Leben leben. Ich glaube sowieso nicht an Erziehung in dem Sinne.

Ich glaube, dass man Kindern ein paar Grenzen setzen, aber vor allem dafür sorgen muss, dass sie das Leben als etwas Wertvolles betrachten und nicht als Last. Wenn man das einigermaßen hinkriegt und das eigene Beispiel nicht so weit davon weg ist, hat man schon was richtig gemacht.

Versuchen Sie, das vorzuleben?

Liefers: Das versuche ich hinzukriegen, ja. Ich scheitere aber auch immer wieder daran. Als Vater hat man aber, glaube ich, sowieso ein eingebautes schlechtes Gewissen, weil man meint, man müsste alles viel besser machen.

Wie war es, mit den Scorpions zu spielen?

Liefers: Wie außergewöhnlich es ist, dass Film- und Musikwelt sich mal so stark berühren, merkt man daran, wie alle Beteiligten darauf reagiert haben. Dass auch noch die Scorpions mitgemacht haben, fand ich irre. Die haben ja auch anderes zu tun, sind aber extra von überall her angereist und waren sich nicht zu schade.

Das zeigt, dass alle gerochen haben, was in dieser Geschichte steckt. Dass ist das Tolle an diesen beiden Welten, in denen ich mich bewege, dass es da nicht immer nur um Kohle geht.

Sie haben schon oft mit Ihrer Frau, Anna Loos, zusammen gespielt, aber musizieren nicht miteinander.

Liefers: Haben wir doch gemacht, in einer der letzten „Wetten, dass ..?“-Sendungen. Es ist aber eher die Ausnahme. Das hat nichts damit zu tun, dass wir blöd fänden, was der andere musikalisch macht. Aber nicht alles auf der Welt gehorcht Marketinggesetzen.

Die Experten sagen natürlich: Du musst unbedingt mal was zusammen machen a) mit deiner Frau und b) mit Axel Prahl. Das würde sich sicher prima verkaufen. Aber das ist nicht der erste Grund, aus dem wir Musik machen.