Verbrechen

Rentner lag tot in Kühltruhe – Mordprozess startet neu

Der Angeklagte im Kriminalgericht Moabit in Berlin. Der erste Anlauf zu dem Mordprozess vor zwei Wochen war gescheitert.

Der Angeklagte im Kriminalgericht Moabit in Berlin. Der erste Anlauf zu dem Mordprozess vor zwei Wochen war gescheitert.

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

In Berlin beginnt der Prozess um die zerstückelte Leiche eines Rentners in einer Kühltruhe. Es ist der zweite Anlauf in dem Verfahren.

Berlin.  Der Prozess um den Mord an einem Berliner Rentner beginnt an diesem Mittwoch neu. Vor dem Landgericht muss sich ein 56-Jähriger verantworten – er soll den damals 80 Jahre alten Witwer um den Jahreswechsel 2006/2007 erschossen, die zerstückelte Leiche in einer Tiefkühltruhe versteckt und jahrelang die Rente des Opfers von monatlich etwa 2000 Euro kassiert haben.

Zehn Jahre lag lang die Leiche in der Wohnung im Stadtteil Prenzlauer Berg – und niemand vermisste den Rentner. Das Verbrechen hatte bundesweit Entsetzen ausgelöst und auch die Frage aufgeworfen, ob Senioren gerade in Großstädten zunehmend vereinsamen.

Vorwurf: Mord aus Habgier und Heimtücke

Der erste Prozessanlauf war vor zwei Wochen gescheitert. Das Gericht gab am zweiten Verhandlungstag einer Besetzungsrüge der Verteidigung statt. Dem Angeklagten – ein Trödelhändler – wird Mord aus Habgier, Heimtücke und zur Ermöglichung einer anderen Straftat zur Last gelegt.

Er soll sich das Vertrauen des Witwers erschlichen und nach dem Verbrechen großen Aufwand betrieben haben, um dessen Tod zu verschleiern. Polizisten hatten Anfang Januar die Wohnung geöffnet und die Körperteile gefunden. Bislang hat der Angeklagte zu den Vorwürfe geschwiegen.

Staatsanwalt ermahnt Rentenversicherer zu mehr Aufmerksamkeit

Staatsanwalt Reinhard Albers ging beim ersten Prozessanlauf von einer geplanten Tat aus. Die Tiefkühltruhe sei kurz vor dem Mord in die Wohnung geliefert worden, sagte er auf dem Gerichtsflur. Der Rentner sei mit einem Kopfschuss durch die Stirn getötet worden. Die Leiche müsse gleich danach zerteilt worden sein. Die Waffe wurde nicht gefunden.

Der Staatsanwalt erhofft sich nun, dass Rentenversicherer aus dem Fall lernten, es „nicht so anonym laufen zu lassen“. (dpa)