WM-Aus

DFB: Was nach der historischen WM-Blamage zu tun ist

Enttäuschte Nationalspieler: Rüdiger (von links), Reus und Goretzka.

Enttäuschte Nationalspieler: Rüdiger (von links), Reus und Goretzka.

Foto: firo

Deutschland ist bei der Fußball-WM rausgeflogen. Und jetzt? Vier Redakteure dieser Redaktion nennen Lösungsvorschläge.

Essen. In ganz Deutschland wird diskutiert: Welche Lehren muss der DFB aus der WM-Blamage in Kasan ziehen? Eines steht fest: Die eine Lösung gibt es nicht. Ein „Weiter so!“ aber auch nicht. Unsere Reporter haben ein paar Spielernamen aufgeführt, die in der Nationalelf der Zukunft eine Rolle spielen werden. Die Frage ist dann: Reicht das schon an Veränderungen?

Vier Redakteure dieser Redaktion machen zum Teil radikale Vorschläge, was dem deutschen Fußball einen neuen Impuls geben könnte. Nicht alle Vorschläge sind umsetzbar – aber sie betreffen ein beobachtetes Problem und laden zum Diskutieren ein.

Als Weltmeister immer aufhören

Nationalspieler sollten, sobald sie Weltmeister sind, einfach zurücktreten. Denn das zeigt die WM-Geschichte: Vier Jahre später scheiterte die Titelverteidigung am Sättigungsgrad der Altmeister. Die Kombination mit jüngeren Spielern gelang nie. Wenn es aber nichts zu verlieren gibt, kann man radikaler denken: Warum dann nicht sofort auf die setzen, denen die Zukunft gehört? Man gibt ihnen den Raum zur Entwicklung und lässt nicht zu, dass Platzhirsche sie limitieren. Goretzka ohne Kroos spielte 2017 stärker als Goretzka mit Kroos am Mittwoch gegen Südkorea. Ohne Weltmeister im Kader hätte Sané gespielt. Und das nicht schlechter. (Pit Gottschalk)

Vereine müssen auch umdenken

Das WM-Fiasko lässt sich auch mithilfe von drei Namen derer erklären, die daran unbeteiligt waren: Schweinsteiger, Lahm, Klose. Sie zeigten 2014 Leidenschaft auf dem Platz, die nun kaum von den Spielern in Russland zu sehen war. Und da kommen die Klubs ins Spiel: Sie müssen klar davon abkehren, den früh von Beratern verhätschelten Talenten auch noch alle Wünsche von den Lippen abzulesen. Die aktuelle Generation Fußballer erweckt den Eindruck, dass sie sich nie richtig gegen Widerstände behaupten musste. Erfolg in einem Mannschaftssport basiert auf Kondition und Technik – und vor allem auf Charakter. (Andreas Berten)

Zurück zum Straßenfußball

Dank seiner Jugendakademien hat der deutsche Fußball das Rumpelfüßlertum überwunden und mit einer Generation technisch und taktisch bestens ausgebildeter Internatsschüler den WM-Titel geholt. Inzwischen aber ist die Akademisierung zu weit gegangen. Die Spieler wissen keine Reaktion, wenn sich ein Gegner frecherweise nicht an ihren Matchplan hält. Der Instinkt ist verloren gegangen. Jetzt müssen die Talente stärker gefördert werden, die instinktiv das Richtige tun, selbst wenn es nicht läuft. Die auch mal unorthodox handeln und die Zwänge der Taktik aufbrechen – Typ Straßenfußballer eben. (Sebastian Weßling)

Auch beim DFB weniger Kommerz

Wissen Sie, wofür „#zsmmn“ steht? Die Wortschöpfung ist eine Erfindung des DFB und steht in den Sozialen Medien für: zusammen, die Nähe zu den Fans. Doch nach der WM wird sich daran niemand mehr erinnern – genauso wenig wie an die Mercedes-Kampagne „Best Never Rest“ (kein Kind wird diesen Satz jemals auf einem Bolzplatz sagen) oder an die Werbespots, in denen auch noch nicht nominierte Spieler (Götze, Sané) auftauchten. „Die Mannschaft“ wurde zur Werbesäule stilisiert, ist mehr Kommerzprodukt als Ausdruck der Fußballkultur. Der DFB muss die Spieler wieder zu den Fans bringen. Nicht umgekehrt. (Dominik Loth)