1. Spieltag

Spieler, «der oft zu viel denkt»: Onisiwo hofft auf Lauf

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Von Thomas Eßer, dpa
Bochums Anthony Losilla (l) kämpft mit dem Mainzer Jae-Sung Lee um den Ball.

Bochums Anthony Losilla (l) kämpft mit dem Mainzer Jae-Sung Lee um den Ball.

Foto: Tim Rehbein/dpa

Mainz gewinnt auch sein erstes Bundesligaspiel. Ganz entscheidenden Anteil hat ein Stürmer aus Österreich. Der Mainzer Sportdirektor traut ihm zu, ein großes Ziel in dieser Spielzeit zu erreichen.

Bochum. Die Mainzer Fußballer wussten, bei wem sie sich zu bedanken hatten. Sie umarmten Karim Onisiwo, sie gratulierten per Handschlag, sie tätschelten seinen Kopf.

Mit zwei Toren war der Stürmer der Matchwinner des FSV Mainz 05 beim etwas glücklichen 2:1 (1:1) in Bochum. Onisiwos Treffer waren nicht nur als Start-Booster für sein Team am ersten Spieltag wichtig. Sie sollen auch für den Österreicher den Anfang einer Top-Saison markieren.

Doppelpacker Onisiwo: «Ich brauche einen Lauf»

«Ich habe letzte Saison viele Spiele gemacht und nicht so viel getroffen. Ich brauche einen Lauf», sagte der 30-Jährige. «Ein Stürmer braucht einfach einen Lauf und muss versuchen, das ein bisschen zu erzwingen. Und wenn man den Lauf dann hat, dann läuft's von alleine.»

Für Onisiwo scheint das Selbstbewusstsein eine besondere Rolle zu spielen. «Das ist für ihn schon sehr wichtig, weil er ein Spieler ist, der oft zu viel denkt», sagte Sportdirektor Martin Schmidt.

Der Angreifer, auf den es nach dem kurzfristigen Ausfall von Jonathan Burkardt nochmal mehr ankam als sonst, hätte beim VfL Bochum auch zu einer Art tragischem Held werden können. Nach seinem 1:0 in der 26. Minute ließ Onisiwo frei vor dem Bochumer Tor die große Chance zum schnellen zweiten Treffer ungenutzt. Kevin Stöger glich für den VfL aus (39.).

«Wenn das Spiel 1:1 bleibt, dann hadert er nach dem Spiel mit sich und fragt sich: Wieso machen ich diese Riesenchancen nicht? Da hätte ich dem Team den Sieg bringen können», sagte Schmidt. «Durch das zweite Tor jetzt ist das Selbstbewusstsein gestärkt.» In einer Phase, in der Bochum eigentlich besser war, gelang Onisiwo das zweite Kopfballtor des Nachmittags (77.). Mainz-Coach Bo Svensson sprach von einem «Lucky Punch».

Bochums Reis: «Gegentore passieren durch Fehler»

Was Onisiwo sichtlich freute und ihn in den Katakomben des Bochumer Stadions quasi durchgehend lächeln ließ, ärgerte den VfL-Coach. «Ich bin natürlich maßlos sauer, dass wir durch ein Standardtor, wo wir eine klare Zuteilung haben, wer wo im Raum steht, dann verlieren», sagte Thomas Reis mit Blick auf den zweiten Mainzer Treffer. «Gegentore passieren durch Fehler, aber mir war das zu billig.»

Bochum muss an der Abwehrleistung arbeiten. Doch auch Onisiwo, der laut Schmidt auch in der kommenden Woche ohne den verletzten Burkardt an seiner Seite auskommen muss, sieht trotz seines Doppelpacks bei sich noch Verbesserungsbedarf. «Da muss ich jetzt dranbleiben: Gut trainieren, weiter gut arbeiten, in den Eins-gegen-Eins-Situationen noch besser werden, eiskälter werden», sagte er. «Ich denke, dann gibt's noch ein paar Tore.»

Sein Sportdirektor glaubt das ebenfalls: «Ich bin davon überzeugt, dass - wenn er mal in Schwung kommt und das Selbstvertrauen dann da ist - er seinen Wunsch, mal zweistellig zu treffen in der Bundesliga, in dieser Saison erreichen kann», sagte Schmidt. Mehr als sieben Tore in einer Spielzeit im deutschen Fußball-Oberhaus sind Onisiwo bislang nicht gelungen.