Formel-1-Überraschung

Verstappen trickst Mercedes aus – Vettel ohne Punkte

Max Verstappen

Max Verstappen

Foto: Bryn Lennon / Getty Images

Max Verstappen hat das Jubiläumsrennen der Formel 1 gewonnen. Nico Hülkenberg fuhr in die Punkte – Sebastian Vettel mal wieder nicht.

Silverstone. Es hat nichts genutzt, dass die Frage an Nico Hülkenberg nach der Chance auf den ersten Podiumsplatz seiner Karriere vor dem Jubiläums-Grand-Prix der Formel 1 verboten war. Vom dritten Startplatz aus blieb nach 52 Rennrunden ein siebter Rang im umstrittenen Racing-Point-Mercedes. Trotzdem ein Sensations-Comeback für den Emmericher.

Allerdings getoppt durch Max Verstappen, der mit einer ausgebufften Reifenstrategie im Red-Bull-Honda den überlegenen Mercedes-Fahrern die erste Niederlage beigebracht hat: Der Niederländer triumphierte mit über zehn Sekunden Vorsprung auf Lewis Hamilton, Valtteri Bottas wird Dritter. Mercedes hatte es versemmelt – und Sebastian Vettel belegt im Ferrari nur den zwölften Platz.

Nach seinem insgesamt neunten Formel-1-Sieg ist der 22-Jährige jetzt auch Zweiter in der WM-Wertung, mit 30 Zählern hinter Hamilton. Vor allem hat er bewiesen, dass Top-Favorit Mercedes doch zu schlagen ist. Unbändig ehrgeizig, verdammt ausgebufft und ziemlich ignorant, was alle Warnungen angeht: „Ich hatte gar keine Reifenprobleme. Es lief alles glatt und sauber. Ich bin unglaublich happy.“ Valtteri Bottas gab zu: „Irgendwie haben wir auch geschlafen.“ Die Not-Saison kann doch noch interessanter werden als gedacht. Bereits kommendes Wochenende geht es in Barcelona weiter.

Nico Hülkenberg verliert einen Platz am Start

Am Start machte sich die fehlende Routine des Aushilfs-Chauffeurs Nico Hülkenberg bemerkbar, . Nach dem herausragenden dritten Startrang kam er nicht richtig gut weg auf der Kupplung, sein niederländischer Kumpel Verstappen dafür umso besser. Der Anfang vom Resultat, dass Hülkenberg auch im 178. Rennen ohne Podiumsplatz und bei diesem traurigen Rekord bleibt.

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Damit schien zunächst nur die Frage nach dem nächstbesten hinter den davongeeilten Silberpfeilen von Valtteri Bottas und Lewis Hamilton beantwortet. Verstappen, als einziger auf der harten Reifenmischung, spielte einmal mehr den Guerilla im Feld.

Als die Mercedes-Piloten früh über Blasenbildung an den Pneus geklagt hatten, fuhr der Red-Bull-Pilot wie ein Uhrwerk. Aber eins, das vorgeht. Nach der ersten Boxenstopp-Runde schnappte er sich die Führung. Und funkte der besorgten Box: „Die Dinger fühlen sich gut an. Ich will doch nicht wie eine Oma hinterherfahren…“ Kann Talent tatsächlich die komplizierte Chemie der Gummi-Mischungen überflügeln?

Mercedes holte beide Fahrer an die Box

Mit einem Zwischensprint auf den ganz weichen Pneus mischte er weiterhin die Mercedes-Gegner auf, brachte dort auch die Taktiker durcheinander. Er machte mehr und mehr Druck.

Lokalmatador Hamilton, zwischenzeitlich in Führung, sah hingegen immer wieder Ringe und Blasen auf seinen Walzen und fragte angesichts der Vorwochen-Dramen: „Können die explodieren?“ Nein, antwortete der Kommandostand – und holte beide Fahrer aber trotzdem noch einmal rein, um die erste Niederlage der Saison zu vermeiden. Zehn Runden vor Schluss fehlten Bottas viereinhalb Sekunden auf Spitzenreiter Verstappen, Hamilton zehn.

Die Reifen besiegelten auch das Schicksal von Sebastian Vettel. Der hatte ohnehin kein gutes Gefühl nach seinem Motorschaden vom Freitag und Qualifikationsplatz zwölf. Nach der ersten Runde war der Heppenheimer sogar Letzter, er ratterte über die Randsteine und dreht sich ohne Fremdeinwirkung. Damit ist klar: mit diesem Chassis wird er nie mehr glücklich. Mit der Taktik von Ferrari offenbar auch nicht.

Als er nach einem Reifenwechsel mitten im dichten Verkehr stecken geblieben ist, funkte er erbost an Teamchef Mattia Binotto: „Ihr habt es versaut. Jetzt ist genau das passiert, was wir heute morgen im Briefing ausdrücklich verhindern wollten.“ Der vierfache Weltmeister ist chancenlos – und mehr und mehr auch ratlos. Später sagte er hinter einer verspiegelten Sonnenbrille: „Mit Sicherheit kein guter Nachmittag. Die Strategie war für den Eimer, wir hatten keinen Mut. Von da an war alles ein bisschen Quark. Wir hätten viel mehr Boden gutmachen können.“