Villarreal. Der FC Bayern unterliegt beim FC Villarreal im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League 0:1 und bangt um den Einzug ins Halbfinale.

Thomas Müller raufte sich die Haare, er blickte entgeistert in den spanischen Abendhimmel und fuhr sich wieder mit den Händen über den Kopf. Es war nur eine kleine Szene im Viertelfinal-Hinspiel beim FC Villarreal, doch sie erinnerte an jene Gemütslage, als der FC Bayern letztmals in der Champions League in einem Auswärtsspiel unterlag.

Am 27. September 2017 war das gewesen, die Bayern gastierten bei Paris Saint-Germain und wurden dort derart vorgeführt, dass die damaligen Vereinsbosse Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß nach der 0:3-Niederlage noch in der Nacht beschlossen, Trainer Carlo Ancelotti zu beurlauben. Seither hatten die Münchner in 22 Auswärtsspielen in Europa nicht verloren, ein Rekord. Doch die Erinnerung an ihre letzte Niederlage war nun auch deshalb sehr präsent im Spiel beim FC Villareal, weil dieser von Unai Emery gecoacht wird. Von jenem 50 Jahre alten Trainer, der vor viereinhalb Jahren mit PSG über die Bayern triumphiert und zudem 2021 mit dem FC Villarreal aus dem 50.000-Einwohner-Städtchen die Europa League gewonnen hatte.

Verdiente Niederlage in Spanien

Beim Wiedersehen mit Emery erwischte es die Bayern mit ihrem jetzigen Trainer Julian Nagelsmann erstmals seit der Niederlage in Paris. 0:1 (0:1) unterlagen sie am Mittwochabend verdientermaßen beim Außenseiter FC Villarreal nach einer ideenlosen und in der Defensive erneut anfälligen Vorstellung. Arnaut Danjuma hatte Villareal bereits in der Anfangsphase in Führung gebracht (8.), später vergaben die Gastgeber bei einigen Großchancen sogar einen höheren Sieg.

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Damit müssen die Bayern vor dem Rückspiel am Dienstag in München um den fest eingeplanten Einzug ins Halbfinale bangen. Sollten sie weiterkommen, käme es in der Runde der letzten Vier aller Voraussicht nach zu zwei Vergleichen mit dem FC Liverpool und dessen deutschem Trainer Jürgen Klopp. Die Reds hatten ihr Viertelfinal-Hinspiel bei Benfica Lissabon am Dienstagabend 3:1 gewonnen und können deshalb schon weitgehend fürs Halbfinale planen.

Alphonso Davies gibt überraschend sein Comeback

Begonnen hatte der stimmungsvolle Abend in Villareal mit einer kleinen Überraschung in der Aufstellung des FC Bayern. Alphonso Davies gab etwas früher als von Nagelsmann angekündigt sein Comeback nach seiner Herzmuskelentzündung. Letztmals war der 21 Jahre alte Kanadier eine Woche vor Weihnachten für die Bayern aufgelaufen. Nun nahm er wieder seine angestammte Rolle als offensivstarker Linksverteidiger ein, nachdem die 23500 Zuschauer im ausverkauften Estadio de la Cerámica lautstark „die Hoffnung eines ganzen Dorfes“ in der Klub-Hymne besungen hatten. Danach sahen sie, wie die Bayern mit Jamal Musiala statt Leon Goretzka in der Startelf sofort versuchten, die Kontrolle zu übernehmen. Doch sie sahen auch, wie sich die Münchner mit einer schnellen Kombination aushebeln ließen, an deren Ende Danjuma ein Zuspiel von Daniel Parejo direkt verwertete.

Wenig Ideen in der Offensive

„Natürlich sind das jetzt die Wochen, auf die sich alle unsere Spieler freuen. Darauf arbeiten wir das ganze Jahr hin“, hatte Bayerns Vorstandschef Oliver Kahn kurz vorm Anpfiff bei DAZN gesagt und zugleich gewarnt, es werde „alles andere als eine einfache Aufgabe“. Das bestätigte sich rasch, zumal den Münchnern nach dem Rückstand in der Offensive deutlich zu wenig einfiel. Und sie hatten Glück, dass das vermeintliche 2:0 nach Francis Coquelins verunglückter und ins Tor gefallener Flanke wegen einer Abseitsposition nicht zählte.

Auch in der zweiten Halbzeit agierte Villarreal taktisch geschickt und suchte immer wieder den Weg nach vorne. Wie bei Gerard Morenos Pfostenschuss (53.) oder als Davies kurz danach mit einer Grätsche gegen Moreno retten musste. Moreno versuchte es nach einem Fehlpass von Manuel Neuer zudem aus rund 60 Metern, verfehlte aber das Tor. Die Bayern dagegen mühten sich weiterhin um eine klare Linie und vor allem um Ideen. Erst in der 66. Minute verzeichneten sie durch einen Distanzschuss von Davies ihren ersten nennenswerten Abschluss. Doch viel mehr fiel ihnen auch danach nicht mehr ein.