Bundesliga

Warum es bei RB Leipzig endlich klick gemacht hat

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Sebastian Weßling
Überragender Spieler auf dem Platz: Der Leipziger Stürmer Christopher Nkunku entschied das Topspiel gegen Borussia Dortmund.

Überragender Spieler auf dem Platz: Der Leipziger Stürmer Christopher Nkunku entschied das Topspiel gegen Borussia Dortmund.

RB Leipzig besiegt Borussia Dortmund 2:1. Im Mittelpunkt stand Stürmer Christopher Nkunku – der von der neuen Spielweise profitiert.

Leipzig. Jesse Marsch war begeistert, der Trainer von RB Leipzig kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Sein Nachbar, so berichtete es Marsch, sei ein wirklich guter Typ. Und dessen Freundin Amelie sei „sehr sympathisch, sie hilft meiner Frau bei vielen Dingen“. Das war auf den ersten Blick eine seltsame Themenwahl nach einem Bundesligaspiel, erst recht nach einem fulminanten und hochverdienten 2:1 (1:0)-Sieg gegen den Tabellenzweiten Borussia Dortmund. Sie erklärte sich aber daraus, dass dieser Nachbar im Leipziger Stadtteil Gohlis Christopher Nkunku heißt, sein Geld als Stürmer bei RB Leipzig verdient und als solcher einen erheblichen Anteil an diesem so wichtigen Sieg hatte.

Das 1:0 hatte Nkunku selbst erzielt, nachdem er wieder einmal der gesamten Dortmunder Abwehr davongelaufen war und auch noch Torhüter Gregor Kobel umkurvt hatte (29.). Und nach dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Marco Reus (52.) bereitete er den 2:1-Siegtreffer durch Yussuf Poulsen mit einer butterweichen Flanke auf den zweiten Pfosten vor (68.). Der 23-Jährige war ein ständiger Unruheherd, den die BVB-Abwehr nie in den Griff bekam. Er hätte gut und gerne noch einige Treffer mehr erzielen können, aber mal scheiterte er an Kobel, mal am Pfosten – nachdem er die gesamte gegnerische Hintermannschaft mit zwei Pirouetten auf engstem Raum genarrt hatte. Nkunku vereinte physische Wucht und spielerische Finesse, und das freute den Trainer Marsch natürlich noch deutlich mehr als den Nachbarn Marsch.

Trainer Jesse Marsch will mehr Tempo, weniger Ballbesitzspiel

Der US-Amerikaner war nach durchwachsenem Saisonauftakt in die Kritik geraten. In der Champions League sind die Leipziger schon nach vier Spieltagen mit nur einem Pünktchen ohne Chance aufs Achtelfinale, in der Liga lag der Vizemeister vor der Partie mit 15 Zählern aus zehn Spielen nur auf Rang acht. Neben den Ergebnissen aber wurden auch die Inhalte bemängelt: Julian Nagelsmann hatte die reine RB-Lehre, die auf Pressing, langen Bällen Kontern und kontrolliertem Chaos auf dem Platz fußt, mit ansehnlichen Ballbesitzelementen durchmischt. Marsch, als Trainer in den Klub-Dependancen New York und Salzburg geprägt, vollzog die Rolle zurück zum Markenkern: mehr Wucht, mehr Tempo, weniger Ballbesitzspiel. Das konnte nicht jeder nachvollziehen, und das funktionierte nicht auf Anhieb.

Gegen Dortmund aber doch, weshalb Marsch sich und seine Ideen bestätigt sah und das gerade auch am überragenden Nkunku festmachte: „Er kann am meisten profitieren von unserem Spielstilwechsel auf mehr Intensität und Vertikalität“, meinte der 47-Jährige. „Das war heute die beste Leistung gegen Borussia Dortmund in der Klubgeschichte und ein großer Schritt nach vorne.“

Christopher Nkunku mit fünf Saisontoren und Vorlagen

Mannschaft und Trainer scheinen sich zunehmend zu verstehen. In der Champions League gegen Paris Saint-Germain hatte schon die Leistung gestimmt, nun passte auch das Ergebnis. Mit Leipzig ist wieder zu rechnen, auch mit dem neuen alten Ansatz: das war die Botschaft, die von diesem Samstagabend gegen personell allerdings arg gebeutelte Dortmunder ausging. Wer einen derart breiten Kader hat, dass er die EM-Teilnehmer Emil Forsberg und Dani Olmo sowie den 23-Millionen-Einkauf Andre Silva von der Bank bringen kann, sollte ein gewichtiges Wort im Duell um die vorderen Plätze mitreden – und wenn vorne ein Nkunku wirbelt, der schon in der Liga bereits auf fünf Saisontore und ebenso viele Assists kommt, wird es jeder Gegner schwerhaben.

Das weckt natürlich Begehrlichkeiten und so wächst in Leipzig die Sorge, den Franzosen im Sommer trotz eines Vertrags bis 2024 ziehen lassen zu müssen. Nur Trainer Marsch bleibt entspannt, er hat nämlich Insider-Informationen: „Der Vertrag für seine Wohnung läuft über drei oder vier Jahre, das ist vielleicht wichtiger als der Vertrag mit dem Klub“, sagte der US-Amerikaner lachend. „Natürlich ist das Interesse an Christopher groß, er spielt auf Topniveau – aber ich hoffe, dass wir viele noch mehr Spaß zusammen haben können.

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