Eintracht Frankfurt

Warum Kevin Trapp die Ausbootung in der DFB-Elf anstachelt

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Frank Hellmann
Einzige Konstante bei der Frankfurter Eintracht: Torhüter Kevin Trapp zählt bislang zu den stärksten Keepern der Bundesliga, hier klärt er gegen Bayerns Stürmer-As Robert Lewandowski.

Einzige Konstante bei der Frankfurter Eintracht: Torhüter Kevin Trapp zählt bislang zu den stärksten Keepern der Bundesliga, hier klärt er gegen Bayerns Stürmer-As Robert Lewandowski.

Foto: afp

Bei der taumelnden Frankfurter Eintracht ist Torhüter Kevin Trapp der einzige Halt. Das Kapitel Nationalmannschaft hakt er nicht ab.

Frankfurt. Es ist für einen Torhüter, der seit Wochen tadellose Leistungen bringt, sich es aber mit seinen Vorderleuten nicht verscherzen will, gar nicht so leicht, fruchtbare Verbesserungsvorschläge vorzubringen, ohne allzu lautstark loszupoltern. Kevin Trapp, seit 2018 nach seiner Rückkehr von Paris Saint-Germain zu Eintracht Frankfurt unumstrittener Stammtorwart, Topverdiener und Leistungsträger, schafft diesen Spagat mit fast schon weltmännischem Tonfall.

Trapp ist nicht zufrieden mit den Auftritten in der Bundesliga

Einerseits stellte der 31-Jährige auch vor dem Europa-League-Auswärtsspiel bei Olympiakos Piräus (Donnerstag 18.45 Uhr/TV Now) den „tollen Charakter“ seiner Mannschaft heraus, andererseits benennt er die offenkundigen Mängel: „Wir sind in einer schwierigen Situation. Die Eintracht kann viele Nerven kosten. Wir machen uns das Leben selbst schwer, verunsichern uns und bauen den Gegner auf.“

Es war eine treffende Zustandsbeschreibung zur zunehmend wieder launischen Diva vom Main, als der Schlussmann am Samstag zu später Stunde in seiner grasgrünen Torwartkluft zur Pressekonferenz in den Frankfurter Katakomben erschien – seine Ausführungen waren von Sachlichkeit, aber auch Deutlichkeit geprägt. Die schon von 2012 bis 2015 in der Mainmetropole angestellte Nummer eins spürt, wenn sein Klub vom Kurs abkommt. Das gilt zwar nicht für die Europa League, wo die Hessen zur Halbzeit mit sieben Punkten sogar Tabellenführer sind, wohl aber für die Bundesliga, wo mickrige neun Zähler bestimmt nicht den Ansprüchen entsprechen.

Mit 39 abgewehrten Schüssen auf Platz drei im Liga-Ranking

Kaum einen wurmt die fehlende Entwicklung unter dem neuen Trainer Oliver Glaser mehr als den 212-fachen Bundesligakeeper, dessen großer Ehrgeiz in Training und Spiel verbürgt ist. Und ihn stellen auch die wettbewerbsübergreifend 19 Gegentore in 14 Pflichtspielen nicht zufrieden. Doch wie viele wären es wohl ohne Trapp? Mit seinen 39 abgewehrten Torschüssen liegt er auf dem dritten Platz im Liga-Ranking. Und immer öfter hält der nicht uneitle Modellathlet auch die Unhaltbaren. Der formstarke Ballfänger bügelt Fehler der Feldspieler aus, wo er kann – teils in spektakulärer Form.

Irgendwie scheint es, als habe ihn die Ausbootung zu den Oktober-Länderspielen unter dem neuen Bundestrainer Hansi Flick, der damals neben Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen überraschenderweise auch den beim FC Arsenal auf die Bank verbannten Bernd Leno berief, zusätzlich angestachelt.

Kevin Trapp hat das Thema DFB-Auswahl nicht abgehakt

Direkt danach rettete Trapp – vor Flicks Augen – an einem Sonntag den Sensationssieg beim FC Bayern (2:1), war zuletzt auch gegen Leipzig (1:1) für das Fachmagazin „Kicker“ wieder der Spieler des Spiels. Souverän im Strafraum, spektakulär im Eins-gegen-Eins. Seine unbestraften Fehler zu Saisonbeginn gegen Dortmund, Augsburg oder Köln sind längst vergessen. „Ich fühle mich sehr gut“, sagte Trapp. Ansonsten hat er beschlossen, für eine Berufung zu den letzten WM-Qualifikationsspielen gegen Liechtenstein (11. November) und in Armenien (14. November) nur mit Taten und nicht mit Worten zu werben. „Ich habe gemerkt, dass sich am besten damit fahre, wenn ich mich nur auf mich selbst konzentriere und fokussiere, und alles andere ausblende. Damit bin ich auch am glücklichsten.“

Mitnichten hat der gebürtige Saarländer, der auch bei der WM 2018 als dritter Torhüter dabei war, das Kapitel DFB-Auswahl abgehakt. Im Gegenteil: Liebend gerne würde Trapp dabei sein, wenn Flick am Freitag sein Aufgebot benennt und dann natürlich gerne auch 2022 in Katar zur WM-Reisegruppe gehören. Und sei es nur als Ersatz für den Manuel-Neuer-Backup ter Stegen. „Jeder kennt meine Ambitionen und Ziele“, hat der 1,89-Meter-Mann noch angefügt – und damit alles gesagt.

Als Thomas Tuchel Torwart-Oldie Gianluigi Buffon vertraute

Seine Identifikation mit der Nationalmannschaft ist enorm, seine fünf Länderspieleinsätze stehen im persönlichen Stellenwert ganz weit oben. Deshalb war und ist es für Trapp auch so wichtig, dass Eintracht Frankfurt das dritte Mal in vier Jahren auf internationaler Bühne vertreten ist. Er weiß aus seiner Pariser Zeit, dass Europapokalspiele eine größere Bedeutung erlangen. An guten wie schlechten Tagen.

Denn dass PSG einst trotz eines Kevin Trapp noch den Torwart-Oldie Gianluigi Buffon verpflichtete und der damalige Trainer Thomas Tuchel bald dem Italiener statt dem Deutschen vertraute, hatte ursächlich damit zu tun, dass der heutige Eintracht-Rückhalt am 8. März 2017 bei einer historischen 1:6-Schlappe beim FC Barcelona zwischen den Pfosten stand.

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