EM 2021

Doppelpass: Hoeneß rechnet mit Kroos, Löw und Gosens ab

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Ließ im Doppelpass kein gutes Haar an Kroos, Löw und Gosens: Uli Hoeneß.

Ließ im Doppelpass kein gutes Haar an Kroos, Löw und Gosens: Uli Hoeneß.

Foto: Firo

Uli Hoeneß knöpft sich im Doppelpass bei Sport 1 die Nationalspieler Kroos und Gosens vor. Auch Bundestrainer Löw wird kritisiert.

Essen. Die Abteilung Attacke des deutschen Fußballs ist im Doppelpass von Sport 1 zurückgekehrt: Wer damit gerechnet hätte, dass Uli Hoeneß etwas von seiner Schärfe und Angriffslust verliert, seitdem er beim FC Bayern nicht mehr in der ersten Reihe stehe und „nur“ noch Ehrenpräsident ist, der sieht sich getäuscht. Beim beliebten Fußball-Talk, der am Final-Sonntag auch noch mal ganz im Zeichen der Europameisterschaft stand, nahm sich der 69-Jährige auch die deutschen Nationalspieler vor – vor allem mit Toni Kroos rechnete Hoeneß ab.

Dass der 31-Jährige nach dem EM-Aus im Achtelfinale gegen England seinen Rücktritt aus der DFB-Auswahl bekannt gab, bereut Hoeneß nicht: „Toni Kroos passt mit seinem Querpass-Fußball nicht mehr hinein. Dieser Angsthasenfußball gegen England: Wir liegen in der letzten Viertelstunde mit 0:1 hinten, und Kroos ging nicht mehr über die Mittellinie.“

Beim Thema Kroos nimmt Hoeneß auch Löw mit in die Verantwortung

Kroos, Weltmeister von 2014 mit der deutschen Nationalmannschaft, machte nach 106 Länderspielen Schluss. Hoeneß: „Seine Art zu spielen, ist absolut vorbei. Er hat quergespielt, noch mal quergespielt, dann hatte sich die gegnerische Abwehr wieder sortiert.“

Letzter Doppelpass: Hoeneß stiehlt Helmer Show - zum Glück

Hoeneß nimmt auch Bundestrainer Joachim Löw mit in die Verantwortung, was die Personalie Kroos angeht. Ausgangspunkt für den langjährigen Bayern-Boss: die 2018 mit dem Vorrunden-Aus komplett vergeigte WM in Russland. „Löw wollte Kroos integrieren. Der Toni Kroos hat in diesem Fußball aber nichts mehr verloren.“

Hoeneß hätte auf Kroos verzichtet und einen Bayern-Block spielen lassen

Hoeneß betonte, Löw zu schätzen, er nannte diese Form des Abschieds nach 15 Jahren als Bundestrainer unverdient und „absolut scheiße“. Aber mit einer anderen Aufstellung hätte man seiner Meinung nach jedoch erfolgreicher die EM spielen können: „Wenn wir mit einem Mittelfeld Joshua Kimmich, Leon Goretzka und Thomas Müller, mit den Außen Serge Gnabry und Leroy Sané und vorne Kai Havertz gespielt hätte, würde wir heute ganz anders dastehen. Da bin ich hundertprozentig sicher.“ Hoeneß berichtete von grundsätzlichen Differenzen: „Ich habe unsere Spieler als selbstbewusste Jungs kennengelernt. Da habe ich allerdings nie was gehört. Sie waren total unzufrieden mit der Taktik, verstehe es nicht, warum sie nicht auf den Trainer zugegangen sind. Unsere Spieler reden normalerweise mit dem Trainer.“

Bericht: DFB in Verhandlungen mit Qatar AirwaysKroos ist allerdings nicht der einzige Spieler, der bei Hoeneß nicht gut wegkommt. Auch Robin Gosens, von der Öffentlichkeit als positive Überraschung im deutschen Team bei dieser EM wahrgenommen, bekommt sein Fett weg von Hoeneß: „Der Gosens hat einmal überragend gespielt, weil der portugiesische Trainer anscheinend den Namen noch nicht kannte. In allen anderen spielen war von ihm nichts zu sehen. Weil er technisch einfach zu schwach ist, wenn es eng wird.“

Kroos und Gosens sind eine Sache - was Hoeneß über das EM-Finale denkt

Und was denkt Hoeneß abseits von Kroos und Gosens über das EM-Finale zwischen England und Italien am Abend (21 Uhr/ZDF)? Da hat er eine klare Meinung: „Wenn ich heute vorher Zeit gehabt hätte, hätte ich noch eine Kerze für Italien aufgestellt. Die Engländer verhalten sich in jeder Hinsicht unmöglich. Wenn ich ein deutsches Mädchen sehe, das weint, und dann das ganze Stadion grölt. Wenn die dänische Nationalhymne gespielt wird, pfeifen sie. Dazu einen Premierminister, den ich überhaupt nicht mag. Wenn ich daran denke, dass er sich dort heute im Three-Lions-Trikot feiert... Und 60.000 Leute provozieren Infektionen. Die Gesundheit der Mitbürger steht über allem. Jeder Tote ist einer zu viel. Das hat mir die Engländer nun sehr unsympathisch gemacht. Und dazu sind sie durch den Brexit eigentlich draußen.“ (ab)

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