Fußball-EM

Endspiel-Reporterin Julia Metzner: Das ist ein Meilenstein

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Die Hörfunkreporterin Julia Metzner kommentiert am Sonntag bei der Fußball-Europameisterschaft als erste Frau für die ARD das Endspiel eines großen Turniers im Radio.

Die Hörfunkreporterin Julia Metzner kommentiert am Sonntag bei der Fußball-Europameisterschaft als erste Frau für die ARD das Endspiel eines großen Turniers im Radio.

Foto: dpa

Den Anstoß gab die Aussage einer berühmten Kollegin. Die war von der Nominierung „überwältigt und sprachlos“.

Berlin. Für Julia Metzner ist es eine ungewohnte Rolle. Die 47 Jahre alte Journalistin muss auf einmal in Interviews Antworten geben, statt selber die Fragen zu stellen. Grund für diesen Rollenwechsel ist ihre Premiere: Am Sonntag wird Metzner bei der Fußball-Europameisterschaft als erste Frau für die ARD das Endspiel eines großen Turniers im Radio kommentieren. Eine Final-Kommentatorin bei WM oder EM gab es in Deutschland bisher nur im Privatradio.

Julia Metzner arbeitet für den Südwestrundfunk (SWR). Sie ist seit vielen Jahren eine der bekannten Stimmen der ARD-Bundesligakonferenz. Seit 2012 kommentiert sie regelmäßig Fußballspiele der 1. und 2. Liga. Seit 2017 gehört sie zum Stamm der Live-Reporterinnen und Reporter bei den Partien der deutschen Fußballnationalmannschaft.

Sabine Töpperwien als große Vorkämpferin

Ganz geheuer ist ihr das plötzliche Interesse an ihrer Person nicht. „Es wäre mir lieber, wenn weniger Aufmerksamkeit aufs Geschlecht gelenkt würde“, sagte die Hörfunk-Reporterin. „Ich hoffe, dass wir solche Diskussionen beim nächsten großen Turnier nicht mehr führen müssen.“

Dass Journalistinnen beim Männer-Fußball noch keine Selbstverständlichkeit sind, zeigte sich zuletzt beim Abschied von Sabine Töpperwien, der großen Vorkämpferin. Deren Abschied in den Ruhestand und ihre Aussagen über Benachteiligungen hat Metzner ihre Premiere beim EM-Finale in London vielleicht auch ein Stück weit zu verdanken. Auch wenn Metzner selber zu ihrem EM-Einsatz als eine von zwei Frauen im EM-Team des ARD-Hörfunks sagte: „Ich gehe davon aus, dass ich dabei bin, weil ich gute Leistung bringe, und nicht, weil ich eine Frau bin.“

Auch das WM-Finale 2022 soll eine Frau kommentieren

Bei der Endspiel-Frage spielte das Geschlecht allerdings eine entscheidende Rolle. Schließlich verkündete der öffentlich-rechtliche Sender im Januar nicht ohne Stolz: „Die Endspiele bei der EURO im Sommer 2021 und der Weltmeisterschaft 2022 werden im Radio der ARD erstmals von Reporterinnen kommentiert.“ Dies solle „den Wunsch der ARD unterstreichen, Frauen im Sportjournalismus weiterhin zu fördern“, hieß es in einer Mitteilung.

Auch Töpperwien war von dem plötzlichen Entschluss überrascht. „Ich bin überwältigt und sprachlos“, sagte sie. WDR-Programmdirektorin Valerie Weber gab zu: „Sie hat mit ihrem Zitat, dass sie es wohl nicht mehr erleben wird, dass eine WM im Finale von einer Frau kommentiert wird, den Ball bei uns Chefs ins Rollen gebracht.“

Julia Metzner: Ein Riesen-Meilenstein in jeder Karriere

Wer das Endspiel im kommenden Winter in Katar kommentieren wird, ist noch offen. Metzner dürfte als eine der Favoritinnen gelten. Metzner mache in der Bundesliga-Konferenz „einen tollen Job“, sagte ARD-Teamchef Steffen Simon: „Sie hat dieses Finale verdient.“

Und die Endspiel-Reporterin freut sich natürlich. „Ich glaube, dass es geschlechtsunabhängig ist, dass das ein Riesen-Meilenstein in jeder Karriere von Sportjournalisten und -journalistinnen ist, ein Endspiel bei so einem großen Sportevent kommentieren zu dürfen oder reportieren, wie es ja eigentlich richtig heißt im Radio.“

EM 2021: Die Kunst der TV-Moderatoren Bommes und BreyerDie Quoten-Regelung unterstützt sie, wenn auch mit Einschränkung. „Es ist noch immer nötig, das ist ja das Traurige“, sagte die Radio-Journalistin. „Ich habe mich lange gewehrt gegen Quoten, weil ich dachte, das ist ja nur Wasser auf die Mühlen derer, die sagen: Jetzt haben wir ja unsere Quotenfrauen.“ Ihr Wunsch für die Zeit nach der Endspiel-Premiere lautet daher: „Die Zukunft muss sein, dass wir darüber nicht mehr sprechen.“

( dpa )

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