EM-Halbfinale

Finaltraum wird wahr! Kane erlöst England gegen Dänemark

| Lesedauer: 5 Minuten
Hendrik Buchheister
Harry Kane und Phil Foden jubeln über den englischen Finaleinzug.

Harry Kane und Phil Foden jubeln über den englischen Finaleinzug.

Foto: AFP

England steht erstmals in seiner Geschichte im EM-Finale. Dank eines Treffers von Harry Kane in der Verlängerung jubeln die Thee Lions.

London. Die Erlösung für England im EM-Halbfinale kam in der 104. Minute, und sie kam – wer hätte das gedacht? – per Elfmeter. Raheem Sterling war im Strafraum Dänemarks nach einem Zweikampf mit Joakim Mæhle recht leicht zu Boden gegangen, Kapitän Harry Kane trat an. Er scheiterte an Torwart Kasper Schmeichel, dem überragenden Mann der Partie, verwertete den Nachschuss allerdings zum verdienten 2:1-Siegtreffer. Damit stehen die Engländer im Finale am Sonntag gegen Italien und haben die Chance, die 55 Jahre der Schmerzen (“years of hurt”) seit dem WM-Erfolg 1966 zu beenden, ihrem ersten und bisher einzigen Titel.

Die Mannschaft von Trainer Gareth Southgate muss gegen Italien zwar damit leben, leicht in der Außenseiter-Rolle zu sein – doch sie ist beflügelt davon, endlich ihren Halbfinal-Fluch gebrochen zu haben nach Fehlversuchen bei der WM 1990 und der EM 1996 (jeweils gegen Deutschland) und bei der WM in Russland gegen Kroatien. Nach dem verdienten Erfolg gegen tapfere Dänen, deren bemerkenswerte EM im tosenden Wembley-Stadion endete, glaubt England daran, dass die Zeit für einen Titel endlich, endlich gekommen ist.

Mikkel Damsgaard ließ Wembley verstummen

Wembley war ein Ort der Glückseligkeit, schon vor dem Spiel. Die englischen Fans sangen sich die Seele aus dem Leib zu “Sweet Caroline” oder “Whole Again”, einem Song der Pop-Gruppe Atomic Kitten, den sie mit einen Text zu ihrem Trainer versehen haben: “Southgate you’re the one, you still turn me on.” Das Publikum war bereit für einen Abend englischer Fußball-Geschichte. Und die Mannschaft war es auch. Wie bei fast allen Spielen der EM begann sie furios und versuchte, den Gegner mit einem frühen Treffer zu schockieren. Das war zuletzt im Viertelfinale gegen die Ukraine (4:0) prächtig gelungen mit einem Blitz-Tor von Harry Kane. Doch die Dänen sind keine Ukrainer. Sie überstanden den englischen Anfangswirbel unbeschadet.

Nach einer Viertelstunde ließ der englische Druck nach. Dänemark kam ins Spiel – auch dank eines Konzentrationsfehlers von Englands Torwart Jordan Pickford. Er ermöglichte Kasper Dolberg die erste Chance der Dänen. Angetrieben durch die fleißigen Pierre-Emile Højbjerg und Thomas Delaney im Mittelfeld wurde Dänemark mutiger und ging nach einer halben Stunde in Führung, und das auf kunstvolle Weise. Freistoß aus 20 Metern, zentrale Position. Mikkel Damsgaard setzte den Ball in den englischen Torwinkel. Wembley verstummte.

Englands Schlussoffensive wird doch noch belohnt

Damsgaards Traumtor war der erste Gegentreffer überhaupt für England bei der EM und konfrontierte Southgates Team zum ersten Mal mit einer unbequemen Frage: Wie reagiert sie auf einen Rückstand? Die Antwort: gut! In der 38. Minute verpasste Raheem Sterling den Ausgleich noch knapp, als er nach einer Kane-Hereingabe von der rechten Seite aus kurzer Distanz am überragend parierenden Schmeichel scheiterte. Kurz danach hatte Dänemarks Torwart bei einem fast identischen Spielzug keine Chance. Bukayo Saka rechtfertigte seine Rückkehr in die Mannschaft anstelle von Jadon Sancho mit seinem Pass in die Mitte, wo Dänemarks Kapitän und EM-Held Simon Kjær den Ball unter Druck von Sterling ins eigene Tor grätschte.

Englands Angriffe kommen bei der EM oft in Schüben. Die zweite Hälfte war allerdings fast ein einziger englischer Schub. Die Mannschaft drückte auf den zweiten Treffer, allerdings bis zum Ende der regulären Spielzeit ohne Erfolg. Die beste Gelegenheit hatte Harry Maguire in der 55. Minute per Kopf. Er scheiterte an Schmeichel, der seine zweite sensationelle Rettungstat der Partie zeigte. Trainer Southgate goss Öl ins englische Offensiv-Feuer, als er in der 69. Minute Fan-Liebling Jack Grealish brachte – unter donnerndem Jubel von Wembley. Als Kane in der 74. Minute im Strafraum zu Boden ging, forderte das Publikum Elfmeter. Vergebens. Ein Schuss von Kalvin Phillips in der 80. Minute strich knapp am Tor vorbei. Es half alles nichts, es gab Verlängerung. Dort machten die Engländer einfach weiter – und fanden ihren Meister wieder in Schmeichel. Dieser parierte Kanes Versuch aus spitzem Winkel in der 94. Minute stark. Es passte, dass er auch den Elfmeter von Englands Kapitän hielt – gegen den Nachschuss war Schmeichel dann machtlos.

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