Fußball-EM

EM: Es regiert der Regenbogen - Lage in München "ruhig"

| Lesedauer: 3 Minuten
Regenbogen-Flaggen wurden vor dem Stadion in München verteilt.

Regenbogen-Flaggen wurden vor dem Stadion in München verteilt.

Foto: afp

Während des EM-Spiels Deutschland - Ungarn darf das Stadion in München nicht in Regenbogen-Farben leuchten. Die Lage ist ist ruhig.

München. 
  • Die Münchner EM-Arena darf beim Spiel der deutschen Nationalelf gegen Ungarn nicht in Regenbogenfarben leuchten, um ein Zeichen für Toleranz und Gleichstellung zu setzen. Die Entscheidung der Uefa löst reichlich Kritik aus.
  • Die Stadt München will nun andere Wege finden: Man werde nicht nur das Rathaus mit Regenbogenfahnen beflaggen, sondern auch das Windrad an der Arena und den Olympiaturm bunt leuchten lassen.
  • An anderen Bundesliga-Standorten sollen während des Spiels am Mittwochabend Zeichen gesetzt werden. So sollen die Fußball-Arenen in Frankfurt am Main, Augsburg, Köln und Wolfsburg sowie das Berliner Olympiastadion und das Stadion An der Alten Försterei in Berlin während der Partie des DFB-Teams gegen Ungarn bunt erstrahlen.
  • Auch im Ruhrgebiet sollen wichtige Zeichen gesetzt werden. So haben auch Borussia Dortmund und Schalke 04 angekündigt, ein Zeichen gegen Homophobie setzen zu wollen.

Eine Stadt in bunten Farben und nur kleinere Probleme: Der Fußball-Abend im Zeichen des Regenbogens hat in München laut Einschätzung der Polizei „relativ ruhig“ begonnen. Ein Sprecher berichtete dem SID eine Stunde vor dem EM-Spiel zwischen Deutschland und Ungarn (21 Uhr/ZDF und MagentaTV) allerdings von „vereinzelten Festnahmen und Delikten sowie Einsatz von Pyrotechnik“. Am Wiener Platz sei zudem - anscheinend von ungarischer Seite - ein Hitlergruß gezeigt worden.

Auch in der Münchner Arena, in der die deutsche Nationalmannschaft zu ihrem letzten EM-Vorrundenspiel antritt, habe es „nur kurz eine kleinere Auseinandersetzung gegeben, aber nichts Dramatisches“. Insgesamt sei die Lage „weiter vergleichsweise ruhig“.

Am Rathaus, am Turm der Kirche St. Maximilian, im Hauptbahnhof und rund um die Arena in Fröttmaning regierte der Regenbogen als Zeichen der Toleranz, Menschlichkeit und Freiheit der sexuellen Orientierung. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) hatte nach seinem gescheiterten Versuch, das Stadion erstrahlen zu lassen, die bunte, sechsteilige Riesenbeflaggung an seinem Amtssitz angeordnet. Manuel Neuer trägt im deutschen Tor erneut seine Regenbogen-Kapitänsbinde.

EM-Spiel gegen Ungarn: Viele Fans kamen mit bunten Fahnen

Aggressivität war zunächst trotz erhitzter Diskussionen im Vorfeld kaum zu bemerken. „Es gab vereinzelte Pyrotechnik-Vorfälle, es wurden Rauchtöpfe gezündet“, sagte der Polizeisprecher. Größere Probleme mit den ungarischen Problemfans, die gegen 19.15 Uhr das Stadion erreicht hatten, seien ihm trotz Provokationen bislang keine bekannt. 1500 Kräfte sind rund um das Spiel im Einsatz, die ungarischen Fans wurden direkt von der Bahn zum Auswärtsblock in der Nordkurve geführt.

Mehrere kleinere Kundgebungen für Toleranz und gegen Homophobie waren angemeldet worden: am Rindermarkt, an der Sendlinger Straße und am Wittelsbacher Platz in der Innenstadt von München sowie an der Esplanade am Stadion. Mehrere Hundert Teilnehmer wurden dazu erwartet. Vor der Arena verteilten Aktionsbündnisse Tausende Regenbogen-Fähnchen, die auch reißenden Absatz fanden.

Viele Fans kamen gleich in bunte Fahnen gewickelt, mit Regenbogen-Perücken, -Halsketten, -Stirnbändern oder -Umhängetaschen. Im weiteren Verlauf des Abends sollten viele Stadien in Deutschland bunt angeleuchtet werden, unter anderem in Berlin, Frankfurt, Düsseldorf, Wolfsburg oder Köln. Auch ein Windrad in München in Arenanähe soll strahlen. Ordner trugen bunte Schweißbändchen am Arm. Viele Ungarn hingegen erschienen als furchteinflößender „schwarzer Block“.

Die Stadt hatte bei der Europäischen Fußball-Union (Uefa) beantragt, die Arena als Protest gegen die Politik der rechtsnationalen Regierung Ungarns als Regenbogen erstrahlen zu lassen. Die Uefa lehnte dies ab: Präsident Aleksander Ceferin sprach von einer „populistischen Aktion“, für die sich der Verband nicht missbrauchen lasse. (sid)

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport