Fußball-EM

Deutschland - Portugal: Hopp oder top gegen Ronaldo und Co.

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Kai Schiller
Bundestrainer Joachim Löw schwört seine Mannschaft auf das EM-Spiel gegen Portugal ein.

Bundestrainer Joachim Löw schwört seine Mannschaft auf das EM-Spiel gegen Portugal ein.

Foto: Getty

Gegen keine Nation hat Deutschland bei Turnieren zuletzt so oft und so erfolgreich gespielt wie gegen Portugal. Marcell Jansen erinnert sich.

Herzogenaurach. An sein erstes Mal erinnert man sich ein Leben lang zurück. Auch Marcell Jansen. Intensiv war es, heiß, aufregend und irgendwie auch ganz schön anstrengend. „Es war der Wahnsinn“, sagt Jansen am Telefon.

15 Jahre liegt dieses erste Mal nun schon zurück. Jansens erstes Spiel bei einem großen Turnier. Bei der Heim-WM durfte der damals 21-Jährige im I-Tüpfelchenspiel um Platz drei gegen Portugal ran. „Für mich persönlich als junger Spieler war das ein Riesenerlebnis“, erinnert er sich kurz vor der Neuauflage an diesem Sonnabend (18 Uhr/ARD) an die damalige Partie zurück. „Ich war der jüngste Deutsche – und spielte direkt gegen Cristiano Ronaldo, der damals auch einer der jüngsten WM-Teilnehmer war.“

4:0 beim WM-Auftaktspiel 2014 gegen Portugal

3:1 gewann an jenem 8. Juli vor 15 Jahren die DFB-Auswahl gegen Portugal. Es war der erste Erfolg gegen die Seleção nach zehn sieglosen Jahren – und es sollte nicht der letzte gewesen sein. Tatsächlich hat Deutschland in diesem Jahrtausend gegen keine Nation so häufig und so erfolgreich bei großen Turnieren gespielt wie gegen Portugal. Zwei Jahre nach dem 3:1 von Stuttgart folgte ein 3:2-Sieg im Viertelfinale der EURO 2008. Bei der EURO 2012 gewann die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw in der Vorrunde durch ein Kopfballtor von Mario Gomez mit 1:0. Und das Sahnehäubchen folgte 2014 beim WM-Auftaktspiel in der Arena Fonte Nova in Salvador, als Deutschland wie ein Tropensturm mit 4:0 über Ronaldo und Co. hinwegfegte.

In einem Sport, in dem man gerne über Aberglauben, Lieblings- oder Angstgegner und Vorzeichen philosophiert, könnte es schlechtere Omen geben. Matthias Ginter, der einer von nur noch fünf WM-Teilnehmern ist, die beim 4:0 in Brasilien dabei waren, hat ambivalente Gefühle beim Blick in den Rückspiegel. Einerseits sei das alles mittlerweile schon ganz schon lange her, sagt der Abwehrallrounder, der damals von der Bank aus eines der besten WM-Spiele überhaupt gesehen hat. Andererseits erinnert er sich noch genauso gerne wie Jansen an diese Erfahrung zurück. „Ich war 20 Jahre jung, es war mein erstes Turnier – und es war ein Riesenerlebnis“, sagte er auf Nachfrage dieser Zeitung.

Wenn Defensivspezialist Ginter nun wissen will, wie man Superstar Cristiano Ronaldo kaltstellt, sollte der 27-Jährige vielleicht auch einmal Jansen anrufen, der ihm von seinem ganz persönlichen Sommermärchen berichten könnte. „Cristiano konnte sich 2006 kaum durchsetzen.“ Sein Erfolgsgeheimnis? „Ich habe auch versucht, mich ins Spiel nach vorne einzuschalten, was Cristiano ja gar nicht gerne mag.“

Das war auch im Hopp-oder-Top-Spiel zwei Jahre später im Viertelfinale der Europameisterschaft 2008 nicht anders. Deutschland spielte mutig nach vorne, konnte Ronaldo so größtenteils ausschalten und gewann am Ende verdient 3:2. „In den letzten Minuten war es noch mal richtig spannend“, erinnert sich Jansen, der kurz vor Schluss für Miroslav Klose eingewechselt wurde. „Bei einer Mannschaft wie Portugal kann man nicht alles wegverteidigen.“

Dass man das sehr wohl kann, zeigten die beiden Vorrundenpartien bei der EM 2012 (1:0) und bei der WM 2014 (4:0), wo Ronaldo und Co. jeweils an der deutschen Defensive verzweifelten. Auf eine ähnliche Kompaktheit hofft Jansen auch am Sonnabend in München. „Ich wünsche mir, dass Leon Goretzka in die Mannschaft zurückkommt und mit Joshua Kimmich auf der Doppelsechs spielt“, sagt der 35-Jährige, der das „Hammerspiel“ aus seinem Urlaubsdomizil von Mallorca aus verfolgen wird. „Das wird wieder ein Hopp-oder-Top-Spiel“, orakelt Jansen.

Löw und Deutschland droht das zweite Vorrundenaus in Folge

Die Partie gegen Portugal dürfte nicht nur über ein deutsches Weiterkommen entscheiden – am Sonnabend in München geht es auch um Joachim Löws Lebensleistung. Nach sechs Turnieren mit sechs Halbfinalteilnahmen würde im Fall einer Niederlage das zweite Vorrundenaus in Folge drohen. Franz Josef Wagner, der umstrittene Hauspoet der „Bild“-Zeitung drückte das Dilemma in einem seiner blumigen Briefe an Löw folgendermaßen aus: „Es ist furchtbar, auf 90 Minuten reduziert zu werden. Es ist furchtbar, Jogi Löw zu sein.“

Nun ja. Über Geschmack lässt sich bekanntermaßen streiten. Genauso wie über die richtige Aufstellung und den möglichen Ausgang eines Fußballspiels. Jansen ist jedenfalls zuversichtlich: „Mein Tipp für Sonnabend: Wir werden 2:1 gewinnen.“

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