EM 2021

Für BVB-Star Sancho war in Englands Kader kein Platz

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Andreas Ernst
Nur dabei statt mittendrin: BVB-Star Jadon Sancho saß beim ersten Spiel Englands nur auf der Tribüne.

Nur dabei statt mittendrin: BVB-Star Jadon Sancho saß beim ersten Spiel Englands nur auf der Tribüne.

Foto: afp

Drei englische Spieler saßen beim 1:0-Erfolg über Kroatien zum EM-Auftakt nur auf der Tribüne - darunter war Jadon Sancho vom BVB.

London. Halb Europa jagt Jadon Sancho - doch im Kreis der pfeilschnellen und hochtalentierten Offensive der englischen Fußball-Nationalmannschaft war beim EM-Auftakt gegen Kroatien noch nicht einmal auf der Bank Platz für den Überflieger des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund. Während um ihn herum die erste große englische Fußball-Party tobte, blieb dem Superstar nur die Tribüne.

Teammanager Gareth Southgate war natürlich bewusst, welche Brisanz diese Entscheidung birgt. „Mir gefällt es selbst nicht, dass wir Spieler aus dem Kader streichen müssen“, sagte er: „Wir können leider nur 23 Spieler benennen, das ist einfach unglücklich.“

26 Spieler umfasst der Kader, drei müssen also am Spieltag weichen. Neben dem verletzten Abwehrchef Harry Maguire traf es beim 1:0 (0:0) gegen den Vizeweltmeister Ben Chilwell - und überraschend eben auch Sancho. „Wir mussten bestimmte Positionen abdecken“, sagte Southgate, doch was den Ausschlag gegeben hatte, verriet der Teammanager nicht. Für die offensive Außenbahn entschied er sich für Marcus Rashford, Jack Grealish und Bukayo Saka, die allesamt auf der Bank Platz nahmen. Torschütze Raheem Sterling (57.) wirbelte von Beginn an auf der linken Seite, Phil Foden begann rechts.

Die EM sollte Sanchos große Bühne sein

Und Sancho? Der mühte sich zumindest, seine Enttäuschung zu verbergen. Auf der Tribüne klatschte er und feuerte sein Team an - doch der Anspruch des pfeilschnellen Offensivkünstlers ist ein ganz anderer.

Die Euro sollte seine große Bühne sein, hier könnte er ganz Europa und natürlich auch den englischen Fans im Fußball-Tempel Wembley vorspielen. Die Gerüchte über einen Wechsel - mutmaßlich in die Premier League - sind nicht neu, gerade aber brodelnd sie wieder hoch.

Southgate selbst hatte Sancho bereits öffentlich den Schritt nach England nahegelegt. In der Premier League sei das Niveau durchschnittlich einfach höher als in der Bundesliga, der 21-Jährige könnte sich dort also noch weiterentwickeln. Eine Ablösesumme im hohen zweistelligen Millionenbereich wird gehandelt, Manchester United versucht Medienberichten zufolge alles, um den 21-Jährigen auf die Insel zu locken.

BVB lockt offenbar Donyell Malen aus Eindhoven

Auch Sanchos Jugendverein Manchester City, der FC Liverpool und die spanischen Spitzenklubs FC Barcelona und Real Madrid sollen großes Interesse haben. Laut Medienberichten soll der BVB bereits einen potenziellen Nachfolger gefunden haben. Für den Niederländer Donyell Malen von der PSV Eindhoven wären wohl 30 Millionen Euro fällig.

Bei den Three Lions weiß Sancho spätestens jetzt, welchen Platz er in der Rangordnung der Offensive einnimmt. Er muss sich durchbeißen und in den Kader kämpfen.

Aber: Das Gute an einem Turnier ist, dass sich schnell neue Chancen bieten. Bereist am Freitag (21 Uhr/ZDF und MagentaTV) geht es im britischen Duell gegen Schottland und damit gegen einen Gegner, der der englischen Offensivpower mutmaßlich eine massive Abwehr entgegenstellen wird.

Dort könnten Sanchos Qualitäten, einen oder auch zwei Gegenspieler im Dribbling stehen zu lassen, extrem wertvoll werden. Am 22. Juni (21.00 Uhr/ARD und MagentaTV) geht es zum Abschluss der Gruppenphase gegen Tschechien - der Weg Englands soll aber erst am 11. Juli beim großen Finale in Wembley enden. Und dann vielleicht mit Jadon Sancho in der Hauptrolle. (sid)

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