EM 2021

EM 2021: DFB-Gegner Portugal ist mehr als nur Ronaldo

| Lesedauer: 4 Minuten
Marian Laske
Wo führt sein Weg bei der EM 2021 hin? Cristiano Ronaldo schaut in den Himmel.

Wo führt sein Weg bei der EM 2021 hin? Cristiano Ronaldo schaut in den Himmel.

Bei Titelverteidiger Portugal dreht sich vor der EM 2021 mal wieder alles um Ronaldo. Doch der Kader hat mehr Qualität als beim Triumph vor fünf Jahren.

Essen. Dass die Zeit auch für ihn voranschreitet, kann Cristiano Ronaldo in den sozialen Medien verbergen. Hier präsentiert er sich weiterhin als schillerndster Star der Fußball-Branche. Mal im Privatjet, mal auf dem Golfplatz, mal mit seiner eigenen Parfümmarke. Dazwischen aber auch im Trikot von Juventus Turin, seinem aktuellen Arbeitgeber.

Dabei zeigt sich auf dem Rasen mittlerweile, dass sich das Alter des 36-Jährigen langsam bemerkbar macht. Zwar hat er für die Turiner in der abgelaufenen Saison 29 Tore geschossen, wurde so Torschützenkönig in der italienischen Serie A. Doch die Kraft, eine ganze Mannschaft zu einem Titel mitzureißen, schwindet allmählich. Die Messlatte liegt bei ihm nun mal höher als bei anderen. Vielleicht wird diese Europameisterschaft für den Portugiesen daher die letzte Chance, noch einmal ein großes Turnier zu prägen. Immerhin tritt Portugal bei der EM 2021 an, um den Titel zu verteidigen. Allerdings droht den Portugiesen eine Quarantäne.

Ronaldo liefert immer eine Show - auch bei der EM 2021?

Vor fünf Jahren schwebte Ronaldo auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft. Erst küsste er im Trikot von Real Madrid die Champions-League-Trophäe, dann schaffte er es, mit Portugal bei der EM in Frankreich tatsächlich seinen ersehnten Pokal mit der Nationalmannschaft zu gewinnen. Beim 1:0-Erfolg im Finale über den Gastgeber weinte Ronaldo, als er schon früh verletzt vom Platz musste. Später gestikulierte der Kapitän seine Mitspieler an der Seitenlinie zum Sieg. Selbst ohne zu spielen gehörte ihm damals die Show.

Damals verfügte Portugal sicherlich nicht über den stärksten Kader, die Mannschaft wurschtelte sich eher durch das Turnier. In diesem Sommer tummeln sich noch sieben Spieler im Kreis von Nationaltrainer Fernando Santos, die 2016 im Endspiel ackerten. Darunter neben Ronaldo weitere erfahrene Profis wie Pepe (38), José Fonte (37) oder Joao Moutinho (34). In Raphael Guerreiro (Borussia Dortmund) und André Silva (Eintracht Frankfurt) sollen zudem zwei Bundesliga-Profis dem Titelverteidiger helfen.

Ruben Dias hält die Portugal-Defensive bei der EM 2021 zusammen

Die Kameras werden in den Gruppenspielen gegen Ungarn (15.6., 18 Uhr), Deutschland (19.6., 18 Uhr) und Frankreich (23.6., 21 Uhr) weiterhin vor allem auf Ronaldo gerichtet sein. Die portugiesische Nationalmannschaft verfügt jedoch über noch ganz andere europäische Topspieler, die möglicherweise viel wichtiger sein werden als der große Star.

Etwa Joao Felix von Atlético Madrid. Oder Bernardo Silva von Manchester City. Sein Mannschaftskollege Ruben Dias verteidigte sich in der Premier League sogar zum Spieler der Saison. Damit ist er erst der dritte Fußballer, der diesen Preis in seiner ersten Spielzeit in England überreicht bekommt. Seine Vorgänger lauten Jürgen Klinsmann (1995, Tottenham Hotspur) und Gianfranco Zola (1997, Chelsea). Einiges deutet jedenfalls daraufhin, dass der Kader des EM-Siegers bei diesem Turnier über mehr Qualität verfügt.

Spannend wird sein, wie sich Ronaldo in dieses neue Gefüge einordnet. Nationaltrainer Fernando Santos versucht immer, die Interessen der Mannschaft über einzelne Befindlichkeiten zu stellen. Das gelingt ihm auch bei Ronaldo.

Vor der EM 2016 sorgte Santos zunächst noch für Schmunzler, als er selbstbewusst den Sieg ankündigte. „Ich plane nicht, vor dem 11. Juli nach Hause zu kommen. Und ich habe das Gefühl, dass dort eine Party auf mich wartet“, meinte er – und sollte rechtbehalten. Diese Ansage möchte er diesmal nicht wiederholen, erklärte der 66-Jährige im Interview mit der Zeitung A Bola. Denn: „Ich werde nichts kopieren, eine Kopie ist nie das Original. Was ich sagen kann, ist, dass wir schon lange nicht mehr angetreten sind, um mitzumachen, sondern um zu gewinnen.“

Worte, die Ronaldo gerne vernommen haben wird. Denn am Selbstbewusstsein mangelte es dem fünfmaligen Weltfußballer in der gesamten Zeit seiner Karriere noch nie.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Sport