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UEFA-Boss stellt klar: Keine Geisterspiele bei der EM

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UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat ambitionierte Pläne.

UEFA-Präsident Aleksander Ceferin hat ambitionierte Pläne.

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Drei Monate vor Beginn des Turniers erhöht der europäische Verband den Druck auf die gastgebenden Länder.

Frankfurt. Heftige Kritik an den bevorstehenden Länderspiel-Reisen, stetig steigende Corona-Fallzahlen und ein Rückschlag bei der Impfkampagne: Das sind nicht die Schlagzeilen, die sich die Europäische Fußball-Union (UEFA) am Jahrestag ihrer EM-Verschiebung (17. März) gewünscht hat. Knapp drei Monate vor dem Endrunden-Beginn am 11. Juni werden die Fragezeichen hinter dem Turnier, das nach wie vor unter dem Titel EURO 2020 läuft, größer statt kleiner.

EM 2021: UEFA spielt weiter auf Zeit

Und konkrete Antworten hat die UEFA noch nicht parat. Ob die Entscheidung über das Format tatsächlich schon Anfang April fällt, erscheint aufgrund der dynamischen Entwicklungen rund um die Pandemie fraglich. Es ist durchaus möglich, dass der Verband erst beim Kongress am 20. April oder sogar noch später einen Entschluss fasst. Die zwölf Spielstätten inklusive München, die bei der ersten paneuropäische EM dabei sein sollen, müssen sich also weiter in Geduld üben.

Dass die UEFA nach wie vor auf Zeit spielt, ist ihr angesichts der unübersichtlichen Lage nicht einmal zu verdenken. Schließlich will sich der Verband so lange wie möglich die Option offen halten, kurzfristig auf aktuelle Entwicklungen wie das derzeitige Aussetzten der Impfungen mit dem AstraZeneca-Wirkstoff zu reagieren. Daraus machte UEFA-Präsident Aleksander Ceferin nie einen Hehl: „Es ist notwendig, flexibel über die Modalitäten des Turniers zu entscheiden.“

So bleibt es vorerst bei der offiziellen Sprachregelung, wonach die EM in zwölf Städten (München, Amsterdam, Baku, Bilbao, Budapest, Bukarest, Dublin, Glasgow, Kopenhagen, Rom, St. Petersburg und London) ausgetragen werden soll. „Wir sind im ständigen Austausch mit der UEFA“, sagte DFB-Direktor Oliver Bierhoff zuletzt: „Die UEFA plant weiter mit zwölf Standorten. Andere Infos habe ich nicht.“

Der Verband hat am Dienstag in Person von Ceferin betont, dass eine EM mit Geisterspielen keine Option seien. "Die Option, dass irgendein Spiel der EM ohne Fans ausgetragen wird, ist vom Tisch", sagte Ceferin dem englischen Sender Sky Sports. Zudem erhöht er den Druck auf die gastgebenden Länder: "Jede gastgebende Stadt muss garantieren, dass Fans zu den Spielen dürfen."

Fast täglich gibt es neue Berichte über angebliche UEFA-Pläne. So wird immer wieder darüber spekuliert, welche Städte gestrichen werden könnten. Am häufigsten finden dabei Baku, Dublin, Bilbao und Glasgow Erwähnung. Zudem halten sich die Gerüchte, wonach ein Großteil der Partien in Großbritannien stattfinden soll. Diese Vermutung ist naheliegend, weil auf der Insel die Impfungen schon weit fortgeschritten sind - was Zuschauer in den Stadien ermöglichen könnte.

Auch DFB-Vize Kock hofft auf Fans bei der EM

Exekutivmitglied Rainer Koch hofft jedenfalls darauf, dass die UEFA Fans zulassen kann. „Wir werden alles daransetzen, auch bei der UEFA, die Menschen wieder in die Stadien zu bringen“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB): „So weit es verantwortet werden kann. Natürlich geht die Gesundheit vor.“

Die Gesundheitsfragen sind es allerdings, die gegen eine paneuropäische Endrunde sprechen. Schließlich wird das Reisen von allen Experten als Treiber der Pandemie gesehen. Vor allem deshalb fürchten die Klubverantwortlichen die kommende Länderspielpause und planen das Abstellen von Nationalspielern teilweise zu verweigern.

Nahezu undenkbar erscheint eine Endrunde auf dem gesamten Kontinent, falls Zuschauer dabei sein sollen. Das Reisen von Fans machen die Restriktionen in vielen Ländern nach derzeitigem Stand ohnehin unmöglich.

England könnte mehr Zuschauer garantieren

Diese Tatsache spricht wiederum für die Briten, die immerhin geimpfte Einheimische in die Arenen lassen könnten. Damit würde die UEFA auch Ticket-Einnahmen generieren - was dem Verband sicher nicht unrecht wäre.

Obwohl die UEFA ihr Turnier unter allen Umständen über die Bühne bringen möchte und den Ablauf des Europacups als Beispiel für eine sichere Austragung sieht, ist auch eine Absage weiterhin nicht auszuschließen. Schließlich hat die derzeitige Pandemie-Entwicklung fast in ganz Europa das Potenzial, erneut für Saison-Unterbrechungen und ein EM-Aus zu sorgen. (fs mit sid)