Spiel gegen Spanien

Deutsche Handballer nach Niederlage vor frühem WM-Aus

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Philipp Weber (M) wird vom Spanier Viran Morros (l) bedrängt.

Philipp Weber (M) wird vom Spanier Viran Morros (l) bedrängt.

Foto: dpa

Die Handballer brauchen ein sportliches Wunder, um das Viertelfinale noch zu erreichen. Der Glaube daran ist gering.

Kairo. Bundestrainer Alfred Gislason saß einsam und mit leerem Blick auf seinem Stuhl, als Kapitän Uwe Gensheimer die tief enttäuschten deutschen Handballer auf dem Parkett um sich scharte. Nach der zweiten Turnier-Pleite beim 28:32 (13:16) gegen Europameister Spanien zum Auftakt der Hauptrunde in Kairo hat die DHB-Auswahl nur noch minimale Chancen auf den Einzug ins Viertelfinale und das Weiterkommen nicht mehr in den eigenen Händen.

Mit 2:4 Punkten belegt die deutsche Mannschaft, für die Timo Kastening mit sieben Toren bester Werfer war, in der Gruppe I nur den vierten Platz und muss nun auf ein sportliches Wunder hoffen.

Handballer vor WM-Aus: "Das tut brutal weh"

"Wir haben nach 15 überragenden Minuten in der zweiten Halbzeit mit zu viel Risiko gespielt und uns selbst kaputt gemacht", kritisierte Gislason. "Wir hatten genügend Chancen, das Spiel zuzumachen. Das ist bitter. Mit mehr Routine hätten wir gewinnen können." Und Gensheimer sagte: "Das tut brutal weh. Es ist schwierig, diese Niederlage zu verdauen, weil viel mehr drin war."

Der DHB-Auswahl droht nun die vorzeitige Heimreise. Im Kampf um ein Ticket für die K.o.-Runde muss der EM-Fünfte des Vorjahres seine abschließenden Duelle gegen Brasilien am 23. Januar und Polen am 25. Januar unbedingt gewinnen und gleichzeitig auf Patzer des noch ungeschlagenen Spitzenduos Ungarn (6:0) und Spanien (5:1) hoffen.

Nach dem bitteren 28:29 gegen Ungarn zum Vorrundenabschluss forderte Gislason vor allem in der Defensive eine deutliche Steigerung seiner Schützlinge. "Wir müssen eine deutlich bessere Abwehr hinkriegen, dann bekommen wir auch eine bessere Torhüterleistung", sagte der 61 Jahre alte Isländer kurz vor dem Anpfiff.

WM-Neuling Sebastian Firnhaber musste auf die Bank

Das gelang in der Anfangsphase recht ordentlich. Andreas Wolff, der gegen die Ungarn kaum einen Ball zu fassen bekommen hatte, wehrte gleich die ersten zwei Würfe ab. Doch schnell wurde deutlich, dass der deutsche Innenblock erneut nicht sicher stand. WM-Neuling Sebastian Firnhaber wandelte nach zwei schnellen Zeitstrafen schon früh am Rande einer Disqualifikation und musste auf die Bank.

Die routinierten Spanier kamen immer wieder frei zum Abschluss und gingen beim 9:6 (15.) erstmals mit drei Toren in Führung – auch weil das DHB-Team im Angriff zu viele Chancen ungenutzt ließ. Die fehlende Effizienz war in der ersten Halbzeit das große Manko der deutschen Spieler, die immer wieder am überragenden Rodrigo Corrales im Tor des Europameisters scheiterten.

An diese Leistung kam Wolff nicht heran, der von seinen Vorderleuten aber auch oft allein gelassen wurde. Da half auch ein lautstarker Wutausbruch des 29-Jährigen nichts, der kurz vor der Pause völlig frustriert seinen Platz für Johannes Bitter räumen musste.

Oldie Bitter war glänzend aufgelegt

Mit Wiederbeginn startete die DHB-Auswahl mit viel mehr Überzeugung – sowohl im Angriff wie in der Abwehr. Nach 38 Minuten ging das Gislason-Team beim 20:19 erstmals wieder in Führung. Diese hatte dank eines variableren Angriffsspiels, zu dem nun auch Youngster Juri Knorr beitrug, und einer wesentlich besseren Chancenverwertung vorerst Bestand.

Zudem war Oldie Bitter im deutschen Kasten glänzend aufgelegt. Der 38-Jährige vereitelte nicht nur mehrere Großchancen inklusive eines Siebenmeters, sondern motivierte auch immer wieder lautstark seine Vorderleute. Lohn war ein Drei-Tore-Polster (25:22/43.). Doch dann leistete sich die deutsche Mannschaft eine minutenlange Schwächephase, die von den Spaniern mit einem 6:0-Lauf gnadenlos bestraft wurde. Von diesem Rückschlag erholte sich das DHB-Team nicht mehr.