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DFL über Corona-Tests: "Unterversorgung ist Unterstellung"

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DFL-Chef Christian Seifert ist sich der Vorbildfunktion des Fußballs bewusst. Er will laut eigener Aussage keine Ausnahme für seine Branche.

DFL-Chef Christian Seifert ist sich der Vorbildfunktion des Fußballs bewusst. Er will laut eigener Aussage keine Ausnahme für seine Branche.

Foto: dpa

Verursachen engmaschige Corona-Tests von Fußballprofis eine Unterversorgung der Bevölkerung? Das weist die DFL zurück.

Frankfurt. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) weist zurück, dass eine mögliche engmaschige Testung von Bundesligaprofis eine Unterversorgung der Bevölkerung zur Folge hätte. Das teilte das DFL-Präsidium nach einer Videokonferenz mit. Am Donnerstag entscheiden die 36 Profiklubs über eine Fortsetzung der Saison mit Geisterspielen. Geplant ist, dass der Ball ab dem 9. Mai wieder rollt.

DFL spricht von 0,5 Prozent der Testkapazität

Dass die Testung eine Unterversorgung verursache, gehe "an den Fakten vorbei", heißt es in einer Mitteilung der DFL. Weiter steht dort: "Die Test-Kapazitäten sind in den vergangenen Wochen massiv gesteigert worden. Diese Entwicklung wird unter anderem durch die „Akkreditierten Labore in der Medizin“ (ALM) bestätigt. Das derzeit diskutierte Konzept der DFL erfordert weniger als 0,5 Prozent der aktuellen Testkapazität. Hinzu kommt: Die bestehenden Kapazitäten werden laut ALM nicht ausgeschöpft." Und doch betonte die DFL, der Versorgung der Bevölkerung nicht im Weg zu stehen, falls es eine zweite Corona-Infektionswelle geben sollte.

Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts, steht den geplanten Coronavirus-Tests in der Bundesliga sehr skeptisch gegenüber. „Ich sehe nicht, warum bestimmte Bevölkerungsgruppen, ob die nun Sportler sind - man kann sich ja auch alles andere ausdenken, was möglicherweise ein gewisses gesellschaftliches Interesse hat, - warum die routinemäßig gescreent werden sollen“, sagte der Vertreter von Lothar Wieler auf der RKI-Pressekonferenz in Berlin.

Die DFL kündigte jedenfalls an, am Donnerstag ein verbindliches Konzept mit strengen Vorgaben für die Fortführung der Saison mit Geisterspielen vorzustellen: "Gleichzeitig wird es übergeordnete Vorgaben für die Spiel-Organisation mit einem Minimum an Erwerbstätigen in den Stadien geben." Die finale Festlegung eines Termins und die Entscheidung über eine Fortsetzung bleibe aber bei den zuständigen politischen Gremien.

DFL-Bitte: Noch kein Mannschaftstraining

Die 36 Teams dürften aber aktuell noch nicht ins offizielle Mannschaftstraining mit Zweikämpfen und engem Kontakt zurückkehren. Noch gilt für alle: Training in Kleingruppen, der Mindestabstand muss eingehalten werden. "Um individuelle Wettbewerbsvorteile mit Blick auf eine möglicherweise baldige Fortsetzung des Spielbetriebs zu erzielen, darf nicht die übergeordnete Perspektive ignoriert werden", schreibt die DFL.

Ihrer gesellschaftlichen Verantwortung seien sie sich bewusst, betonen die DFL-Bosse. "Es steht außer Frage, dass künftig Nachhaltigkeit, Stabilität und Bodenständigkeit zu den entscheidenden Werten gehören müssen. Diese Werte gilt es nach Überwindung der akuten Krise in konkrete Maßnahmen umzusetzen."

Kritische Wort am DFL-Kurs gibt es genug. Laut DOSB-Chef Alfons Hörmann gehe es nicht darum, dass unbedingt eine Sondersituation für die Fußballligen alleine geschaffen werden solle, „sondern wenn die Möglichkeit von Geisterspielen besteht, warum sollte dann beispielsweise der Basketball oder der Handball davon nicht auch profitieren“.

Die „Fanszenen Deutschland“ mit ihren Ultras hatten sich bereits vergangene Woche eindringlich gegen Spiele ohne Zuschauer ausgesprochen und ebenfalls einen Kulturwandel gefordert. „Der Profifußball ist längst krank genug und gehört weiterhin in Quarantäne“, heißt es in einer Erklärung. Die Interessensgemeinschaft "Unser Kurve" schrieb: "„Unsere Kurve“ erklärte in ihrer ausführlichen Stellungnahme, der „Profifußball als gesamtes System“ stehe „so deutlich wie noch nie auf dem Prüfstand“.

( aer/dpa/sid )

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