Australian Open

Struff ärgert Djokovic – Görges und Kohlschreiber weiter

Handshake zum Abschluss: Novak Djokovic (l.) und Jan-Lennard Struff

Handshake zum Abschluss: Novak Djokovic (l.) und Jan-Lennard Struff

Foto: afp

Der Warsteiner sorgt für beste Unterhaltung des Publikums und erhält später Lob von zwei ganz Großen des Tennis.

Melbourne.  Als Jan-Lennard Struff eine halbe Stunde vor Mitternacht die Rod Laver Arena verließ, brandete ihm tosender Applaus entgegen - obwohl er verloren hatte. Mit dem wohlverdienten Beifall honorierte das bestens unterhaltene Publikum den großen Kampf, den der mutige Warsteiner dem Titelverteidiger und Rekordgewinner Novak Djokovic geliefert hatte. Als erster Spieler bei den Australian Open seit Daniil Medwedew aus Russland im Achtelfinale 2019 nahm Struff dem „König von Melbourne“ beim 6:7 (5:7), 2:6, 6:2, 1:6 einen Satz ab.

„Gratulation für ein großartiges Match“, sagte ein unerwartet abgekämpfter Djokovic nach dem 2:16 Stunden dauernden Match. Struff, nach guten Leistungen beim ATP Cup wohl der größte Pechvogel der Auslosung, brach erst im letzten Satz ein wenig ein, bis dahin hatte er sich mit dem Weltranglistenzweiten immer wieder spektakuläre Ballwechsel geliefert. Wiederholt schlurfte der siebenmalige Turniersieger Djokovic entnervt und mit hängenden Schultern über den Platz. „Struffi ist ein echter Sportler, er kämpft bis zum Schluss“, lobte Boris Becker bei Eurosport.

Überzeugend waren am verregneten ersten Turniertag in Melbourne auch die Auftritte von Julia Görges (Bad Oldesloe) und Philipp Kohlschreiber (Augsburg), die beide souverän in die zweite Runde einzogen. Görges gewann in nur 56 Minuten 6:1, 6:2 gegen die Slowakin Viktoria Kuzmova, Kohlschreiber benötigte 1:56 Stunden für sein 7:5, 6:1, 6:2 gegen Marcos Giron (USA). Die restlichen acht Deutschen um Angelique Kerber (Kiel) und Alexander Zverev (Hamburg) sollen ihre Erstrundenmatches am Dienstag bestreiten.

Schwerer Gegner für Kohlschreiber

Für Kohlschreiber sind seine 15. Australian Open in der zweiten Runde mutmaßlich schon wieder beendet - er trifft dort auf den an Nummer sechs gesetzten ATP-Champion Stefanos Tsitsipas. Kohlschreiber hat beide bisherigen Duelle mit dem Griechen verloren. „Es wird sehr schwer gegen ihn, aber ich habe nichts zu verlieren“, sagte der 36 Jahre alte Augsburger. Görges spielt gegen die an Nummer 14 gesetzte Kroatin Petra Martic. „Ich möchte auch am Mittwoch gerne das Zepter in die Hand nehmen“, sagte sie.

Nach dem souveränen Erstrundensieg war nicht zu übersehen, dass Görges sehr zufrieden war mit sich. „Das war eine sehr konzentrierte, solide Leistung, ich habe sehr aggressiv gespielt und mein Ding durchgezogen“, sagte sie. Görges hat sich nach dem durchwachsenen Vorjahr einem Neustart verschrieben. Mit ihrem neuen Coach Jens Gerlach, zuvor Kapitän des deutschen Fed-Cup-Teams, hat sie vereinbart, mehr „Spielideen“ umsetzen. In der knappen Stunde gegen die Weltranglisten-60. Kuzmova sah das überzeugend aus.

Kerber und Zverev am Dienstag im Einsatz

Angelique Kerber und Alexander Zverev bestreiten in der Night Session am Dienstag ihre Auftaktmatches in Melbourne, Kerbers Gegnerin ist die Qualifikantin Elisabetta Cocciaretto aus Italien. Ehe am Montag erst mal der Regen über die Anlage im Melbourne Park hinwegzog und die Spiele auf den nicht mit einem Schiebedach versehenen Plätzen ausgesetzt werden mussten, trainierte die Australian-Open-Siegerin von 2016 auf einem Nebenplatz. Immer wieder erhielt sie dabei Applaus von ihrem neuen Trainer.

Auch für Kerber ist der erste Grand Slam des Jahres ein Neubeginn: Dieter Kindlmann soll die seit Samstag 32 Jahre alte Kielerin von Rang 18 der Weltrangliste wieder nach oben führen. (sid)