Hockey

Hockey-Routinier Rabente vor seiner Hallen-EM-Premiere

Hockey-Spieler Jan Philipp Rabente im Duell mit Malte Hellwig von HTC Mülheim. dem ehemaligen Verein des Uhlenhorster Spielers.

Hockey-Spieler Jan Philipp Rabente im Duell mit Malte Hellwig von HTC Mülheim. dem ehemaligen Verein des Uhlenhorster Spielers.

Foto: FFS/Möller

Bundestrainer Altenburg nominiert 32 Jahre alten Jan-Philipp Rabente für die Hallenhockey-EM, die am Freitag in Berlin beginnt.

Berlin. Im Alter von 32 Jahren in einem jungen Studentensport wie Hockey noch eine Premiere zu feiern, das ist selten. Jan-Philipp Rabente hat sich deshalb umso mehr gefreut, dass Bundestrainer Valentin Altenburg ihn für die Hallen-EM nominiert hat, die von diesem Freitag bis Sonntag im Berliner Horst-Korber-Zentrum ausgetragen wird. „Irgendwie hat es bislang nie gepasst mit mir und der Hallen-EM. Umso cooler ist es, jetzt doch noch einmal die Chance zu erhalten, diesen Titel zu holen. Ich freue mich riesig auf das Turnier und die Atmosphäre in der Halle“, sagt Rabente.

Jan-Philipp Rabente soll bei Hallen-EM junger Mannschaft helfen

Seine Aufgabe ist klar umrissen. Der Abwehrchef und Kapitän des Uhlenhorster HC soll die vorrangig aus U-21-Auswahlspielern bestehende Mannschaft, die in der Vorrunde auf Belgien (Fr., 13.45 Uhr), Tschechien (Fr., 19.45 Uhr) und die Niederlande (Sa., 12.45 Uhr) trifft, mit seiner Erfahrung anführen. Außerdem soll er dem Team, das in seiner Zusammensetzung nur einen Kurzlehrgang in Hamburg Anfang Januar und zwei Testspiele in Berlin in dieser Woche Zeit zum Zusammenwachsen hatte, die notwendige Struktur geben. „Dank meiner Erfahrung weiß ich, worauf es ankommt, damit ein Team schnell funktioniert“, sagt der bei Uhlenhorst Mülheim ausgebildete Wahl-Hamburger.

Österreich ist Favorit bei der Hallenhockey-EM

Die Erwartungshaltung, dass Deutschland im Hallenhockey jeden Titel holen muss, hat sich in den vergangenen Jahren relativiert. Favorit ist der amtierende Welt- und Europameister Österreich, der in Gruppe A auf Russland, Polen und die Ukraine trifft. „Aber wir treten mit dem Anspruch an, das Turnier zu gewinnen und den Nimbus der Unbesiegbarkeit wieder neu zu beleben. Mir macht es großen Spaß, mit jungen Spielern zu arbeiten und zu versuchen, ihnen eine Hilfe zu sein.“

In die Führungsrolle hat es Rabente nie gedrängt, er ist nicht der Typ Spieler, der durch verbale Präsenz vorangeht. Aber weil er einer ist, den Zuverlässigkeit auszeichnet und der seine Leistung konstant abruft, hat er sich seinen Status über die Jahre erarbeitet. Sich selbst ins Licht der öffentlichen Wahrnehmung zu stellen, das käme ihm dennoch nie in den Sinn. Über die Sternstunde seiner Karriere, als er Deutschland im Olympiafinale 2012 mit zwei Toren beim 2:1 gegen die Niederlande zur Goldmedaille schoss, spricht er nicht gern.

Urlaubsreise statt Olympia-Turnier

Die letzte Chance, auf den Zug in Richtung Olympia 2020 in Tokio aufzuspringen, musste er im November verstreichen lassen. Nachdem er unter Bundestrainer Stefan Kermas im Feld-A-Kader keine Berücksichtigung gefunden hatte, war er von Kermas’ Nachfolger Kais al Saadi, der ihn als langjähriger UHC-Chefcoach kannte, zum Zentrallehrgang eingeladen worden. Doch weil er im selben Zeitraum eine Südafrika-Reise mit seiner Verlobten geplant hatte, sagte er – verlässlich, wie er ist – ab. „Ich habe mit dem A-Kader abgeschlossen und bin damit im Reinen“, sagt er. Die Hallen-EM nun als persönliches Abschiedsturnier vom internationalen Hockey zu deklarieren, das empfände er als Anmaßung. „Ich werde das mit mir selbst ausmachen“, sagt er.

Wie lange es noch weitergeht mit dem Bundesligahockey, wie lang der Leistungssport noch Platz neben dem beruflichen Werdegang findet, das wird Jan-Philipp Rabente im Sommer entscheiden. Schließlich hat er noch ein weiteres zeitintensives Hobby. Mit dem 70 Mann starken Chor „Hamburger Goldkehlchen“, dem er seit der Gründung im Herbst 2016 angehört, füllt er mittlerweile große Hallen. Die deutsche Nationalhymne bei der EM als Solist vorzutragen, das traut er sich allerdings nicht zu. „Das möchte ich keinem zumuten“, sagt er. Es gibt eben auch Premieren, auf die man besser verzichtet.