Formel 1

Nur die Hitze macht der Mercedes-Konkurrenz Hoffnung

Neuer Look: Der Silberpfeil in weiß für das Heimrennen auf dem Hockenheim-Ring.

Neuer Look: Der Silberpfeil in weiß für das Heimrennen auf dem Hockenheim-Ring.

Foto: Getty Images

Die Dominanz der Silberpfeile wird wohl weiter anhalten. Allenfalls die Temperaturen beim Hockenheim-Rennen lassen die Konkurrenz hoffen.

Hockenheim. Jetzt kann nur noch die Hitze helfen. Die erste und bislang einzige Niederlage dieser Formel-1-Saison hat Mercedes bei bestem Sommerwetter in Österreich erlitten. Wenn es warm ist, kommt der Silberpfeil stärker ins Schwitzen als andere und die Reifen verkleben die Überlegenheit. Schlimmstenfalls 39 Grad sind für den vorerst letzten Großen Preis von Deutschland am Sonntag (15.10 Uhr/RTL/Sky) in Hockenheim prognostiziert.

Doch selbst wenn es ein schwieriges Rennen für den Führenden Lewis Hamilton im Silberpfeil mit weißer Sonderlackierung werden sollte: Mercedes setzt selbst in der von jahrelangen Dominanzen geprägten Königsklasse neue Maßstäbe. Deshalb ergibt sich die Frage: Siegt Mercedes die Formel 1 zu Tode?

Lewis Hamilton, auf dem besten Weg zum sechsten Titel, nur noch zwölf Siege vom Rekord Michael Schumachers entfernt, hat bei 58 seiner 110 Rennen in Silber triumphiert. In der laufenden Konstrukteurs-WM hat Mercedes 164 Punkte Vorsprung auf Verfolger Ferrari, 216 auf Red Bull Racing. Das sind, aus Sicht der Gegner betrachtet, vernichtende Zahlen. Es müsste jegliches Interesse bei all jenen dämpfen, die die Welt nicht durch einen Mercedes-Stern sehen. Das ist allerdings nicht unbedingt so. Die Rennen der ersten Saisonhälfte waren bis auf ein, zwei Ausnahmen spannend, die letzten beiden sogar grandios. Und wenn Hamilton und Valtteri Bottas (an einem guten Tag) im Duett davonfliegen kann man sich damit trösten, live Renn-Geschichte mitzuerleben.

Schumachers zweite Karriere geopfert

Natürlich drängt die Konkurrenz auf Regeländerungen, die Mercedes benachteiligen, obwohl gerade Ferrari und Red Bull nicht wesentlich weniger Geld ausgeben, vermutlich eher mehr. Aber das System Mercedes, das jetzt ins zehnte Jahr geht, ist durchdacht. Niemand hat sich auf die Ära der Hybrid-Motoren vorausschauend so vorbereitet, man hat sogar die zweite Karriere von Michael Schumacher zu Gunsten der heutigen Überlegenheit geopfert. Alles in den Dienst der Gemeinschaft zu stellen, dieser beinahe sozialistische Anspruch ist das größte Kapital der Mannschaft von Motorsportchef Toto Wolff – und sogar der Egomane Hamilton fügt sich erfolgreich ins Kollektiv. Die Truppe ist so stabil wie das Reglement der Serie, und Kontinuität ist einer der Gründe für den Erfolg.

Selbst Ferrari-Teamchef Mattia Binotto erkennt an: „Man kann nicht sagen, dass Mercedes die Formel 1 zu Tode siegt, sie machen einfach nur einen guten Job und verdienen den Erfolg. Wir sollten zu ihnen aufschauen.“ Der Italiener meint wohl eher: etwas davon abgucken.