Handball-WM

Frankreich ist noch viel mehr als Nikola Karabatic

Der Superstar des Handballs: Frankreichs Nikola Karabatic.

Der Superstar des Handballs: Frankreichs Nikola Karabatic.

Deutschlands Gegner bei der Handball-WM am Dienstag hat viele neue Stars im Team. Die neue Generation will Erfolge feiern.

Berlin. Sie reden nicht viel bei dieser WM. Ein paar kurze Sätze, dann sind Frankreichs Handballer nach ihren Spielen auch schon wieder aus der Interviewzone verschwunden. Sie müssen eigentlich auch nicht viel sagen, denn die Erfolge bei Weltmeisterschaften sprechen ohnehin für sich: Viermal holten die Franzosen bei den vergangenen fünf WM-Turnieren den Titel, bei den Olympischen Spielen gab es seit 2008 zweimal Gold und einmal Silber. Und wenn die Spieler der Grande Nation dieser Tage doch sprechen, dann fällt meistens der Name Karabatic. Der von Nikola Karabatic (34), dem Denker und Lenker der französischen Erfolgsjahre, der nach einer Fußoperation eigentlich gar nicht da sein sollte, nun aber dank schneller Genesung doch nach Berlin gekommen ist. Karabatic ist das Top-Gesprächsthema.

Narcisse und Omeyer sind zurückgetreten

Karabatic fehlte am Montag noch beim Spiel gegen Korea. Wobei: Ohnehin ist der Titelverteidiger, am Dienstag (20.30 Uhr/ZDF) vierter Vorrundengegner des deutschen Teams, in der Lage, auch ohne den Superstar zu bestehen. Darauf haben Trainer Didier Dinart und sein Assistent Guillaume Gille, in der Bundesliga viele Jahre lang Spielmacher des HSV Hamburg, ihr Team ausgerichtet. “Wir steigern uns von Spiel zu Spiel, in eine WM muss man sich erst mal einfühlen”, sagt Gille. Das Duo hat in den vergangenen Jahren einen personellen Umbruch vollzogen, Altstars wie Daniel Narcisse und Torwart-Ikone Thierry Omeyer sind aus dem Nationalteam zurückgetreten, eine neue Generation will nun Erfolge feiern.

Ludovic Fabregas (FC Barcelona) zählt mit seinen gerade einmal 22 Jahren bereits zu den besten Kreisläufern der Welt, der 21-jährige Dika Mem (FC Barcelona) ist mit seiner Athletik und Wurfkraft einer der kommenden Rückraum-Stars. Hinzu kommen die erfahrenen Valentin Porte (28, Montpellier HB) und Kentin Mahé (KC Veszprém). Der 27-Jährige, geboren in Paris, aufgewachsen in Monaco und zum Handballprofi in Deutschland geworden (unter anderem HSV Hamburg und SG Flensburg-Handewitt), weiß um die besondere Situation: ”Wenn Nikola Karabatic voll einsatzbereit ist, ist das eine unglaubliche Geschichte. Aber bis dahin müssen wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen.”

Modernes Verbands- und Trainingszentrum

Dass es in Frankreich an Top-Nachwuchsspielern nicht mangelt, hat mit der Nachwuchsarbeit des Verbands und der Vereine zu tun. In Créteil ist kürzlich das Haus des Handballs entstanden, ein modernes Verbands- und Trainingszentrum. Neben den Männern sind auch die französischen Frauen erfolgreich, sie sind amtierender Welt- und Europameister. Die französische Liga war zuletzt mit drei Teams im Halbfinale der Champions League vertreten, deutsche Mannschaften sahen nur zu. Fakten, die derzeit für die Vorreiterrolle Frankreichs sprechen. “Unsere Erfolge der letzten Jahre haben den Nachwuchs natürlich auch inspiriert und gezeigt, was möglich ist”, sagt Mahé. Und sicher ist sich der Rückraumspieler auch: “Deutschland wird heute ein sehr starker Gegner sein, gegen die Abwehr müssen wir uns etwas einfallen lassen. Wir sind mehr als jede andere Nation die Gejagten.”