Kommentar

Uli Hoeneß beweist: Der FC Bayern wankt

Uli Hoeneß, Bayern-Präsident, sorgt mit seiner Medienschelte für Aufsehen.

Uli Hoeneß, Bayern-Präsident, sorgt mit seiner Medienschelte für Aufsehen.

Foto: dpa

Bayern-Präsident Uli Hoeneß beklagt Respektlosigkeit. Doch er ist derjenige, der die Abteilung Attacke erfunden hat. Ein Kommentar.

München. Es ist nur ein paar Tage her, dass Uli Hoeneß die Spielweise von Mesut Özil „einen Dreck“ und ein Foulspiel von Karim Bellarabi „geisteskrank“ genannt hat. Derselbe Uli Hoeneß beklagt nun eine angebliche Respektlosigkeit gegenüber seinen Bayern-Profis. Zum Beispiel Olaf Thons Schelte.

Bayern-PK von Hoeneß, Rummenigge und Salihamidžić

Die Schalker Fußball-Legende, 1990 selbst Weltmeister geworden, hatte es gewagt, den beiden deutschen Bayern-Verteidigern Mats Hummels und Jerome Boateng „Altherrenfußball“ in der Nationalmannschaft zu unterstellen. Die Kritik daran ist an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.

Uli Hoeneß zeigt auf Experten und Reporter

Man muss nur die Begriffe „Dreck“ und „geisteskrank“ auf der einen und „Altherrenfußball“ auf der anderen Seite gegenüberstellen, um sofort erkennen zu können, dass Uli Hoeneß, der Bayern-Präsident, jedes Maß an Selbsteinschätzung verloren hat. Die Verhältnismäßigkeit stimmt nicht.

Er ist derjenige, der die Abteilung Attacke in der Fußball-Bundesliga erfunden und Einschüchterung als taktisches Element etabliert hat. Er ist derjenige, der respektlos gegenüber der Gesellschaft und seinem Heimatland war, als er Steuern in Millionenhöhe hinterzog.

Wenn er jetzt in die Offensive geht und mit dem Finger auf diejenigen Experten und Reporter zeigt, die Gründe für vier sieglose Spiele in Folge und den Absturz auf Bundesliga-Platz sechs suchen, offenbart er nur seine eigene Nervosität und Unsicherheit.

Wer sich seiner eigenen Stärke bewusst ist, braucht nämlich kein Medientheater aus dem Nichts. Indem Hoeneß offensichtlich von eigenen Problemen im Verein ablenken und seinen neuen Trainer Niko Kovac aus dem Rampenlicht ziehen möchte, wird umso deutlicher: Bayern wankt.

Niemand macht den Bayern-Bossen die Erfolge streitig, niemand die Qualität ihrer Arbeit. Die Größe des Klubs setzt Maßstäbe, an denen sich alle anderen Profiklubs, jeder einzelne in seinen Möglichkeiten, orientieren. Am Freitag haben sich die Bayern ganz klein gemacht.

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