Nationalmannschaft

Mittelfeld-Chef Toni Kroos schießt gegen Leroy Sané

Toni Kroos sieht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Bringschuld.

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Toni Kroos sieht die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in der Bringschuld.

Sané wurde vor der WM aus dem DFB-Kader gestrichen. Kroos spricht über die Einstellung seines Kollegen – und wird deutlich.

München. Weltmeister Toni Kroos hat sich während einer DFB-Pressekonferenz am Mittwoch überraschend kritisch zu seinem Nationalmannschafts-Kollegen Leroy Sané geäußert.

Die Verwunderung war groß, als Bundestrainer Joachim Löw vor der Weltmeisterschaft in Russland Leroy Sané (22) aus dem Aufgebot der deutschen Nationalmannschaft strich. Der ehemalige Schalke-Stürmer hatte eine grandiose Saison in England für Manchester City gespielt. Mit zehn Toren und 15 Vorlagen in 32 Spielen hatte der Flügelspieler einen hohen Anteil am Meistertitel seiner Mannschaft. Er wurde zum besten Nachwuchsspieler der Premier League gewählt. Für eine WM-Teilnahme reichte es aber nicht.

Zweifel an Sanés Berufsauffassung

Toni Kroos wollte sich vor dem Länderspiel am Donnerstag gegen Weltmeister Frankreich nicht konkret zu der Ausbootung Sanés äußern. Angesprochen auf den deutschen Jungstar, der von Joachim Löw für die Spiele gegen Frankreich am Donnerstag in München und drei Tage später gegen Peru in Sinsheim wieder berufen wurde, fand der Star von Champions-League-Sieger Real Madrid deutliche Worte. Kroos bezweifelt, dass Sané seinen Beruf mit der richtigen Einstellung ausübe. "Von seiner Köpersprache her hat man manchmal den Eindruck – gewinnen oder verlieren, nicht so schlimm. Aber das ist die Köpersprache. Ob es so ist, weiß ich nicht", erklärte Kroos.

Schon nach dem 0:1 im WM-Test gegen Brasilien hatte sich der Mittelfeldspieler kritisch über Sanés Einstellung geäußert, ohne konkret dessen Namen zu nennen. Kroos betonte jedoch auch, dass er die sportlichen Qualitäten des City-Profis sehr schätze: "Klar ist, dass man ihn dazu bringen muss, die Topleistung zu bringen. Er ist eine Riesenbereicherung, weil er uns mehr geben würde für unser Spiel, wenn er es auf den Platz bringt. Grundsätzlich ist er ein Spieler, der alles mitbringt, um absolute Weltklasse zu werden. Man hat aber das Gefühl, dass er gesagt bekommen muss, was zu tun ist, um das zu werden", sagte er.

Auch Guardiola ist nicht zufrieden

Bestätigt fühlte sich Sané-Kritiker Kroos, nachdem der Ex-Schalker am vergangenen Wochenende bei Manchester City angeblich aus disziplinarischen Gründen nicht in den Kader für das Ligaspiel gegen Newcastle berufen worden war. Kroos betonte, dass City-Trainer Pep Guardiola Sané ähnlich einschätze wie er.

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