European Championships

Schwimm-EM: Deutsche Mixed-Staffel überrascht mit Gold

Jacob Heidtmann jubelt über den Sieg der 4x200 Meter Freistil Mixed-Staffel.

Jacob Heidtmann jubelt über den Sieg der 4x200 Meter Freistil Mixed-Staffel.

Foto: dpa

Der Triumph tröstet über zuvor enttäuschende Leistungen hinweg. "Es macht mich sprachlos", sagte die Schlussschwimmerin.

Glasgow. Die große Medaillenhoffnung Sarah Köhler enttäuschte, dafür sprang die Mixed-Staffel in die Bresche: Mit dem sensationellen Triumph über 4x200 m Freistil bescherte das gemischte Quartett den deutschen Schwimmern nach einigen Enttäuschungen am zweiten EM-Tag ein völlig unerwartetes Happy End. "Erster Platz, Alter - perfekt", jubelte Henning Mühlleitner nach der ersten deutschen Goldmedaille bei den European Championships in Glasgow in der ARD.

Der 21-Jährige, der schon am Freitag mit Bronze über 400 m für einen glänzenden Start gesorgt hatte, ließ zusammen mit Jacob Heidtmann, Reva Foos und Annika Bruhn die stärker eingeschätzte Konkurrenz aus Russland und Großbritannien bei der internationalen Premiere des Wettbewerbs in deutscher Rekordzeit von 7:28,43 Minuten hinter sich. "Es macht mich sprachlos", sagte Schlussschwimmerin Bruhn: "Ich hatte gedacht, dass wir vielleicht den dritten Platz holen, mit dem ersten habe ich nicht gerechnet."

Köhler sorgt für Ernüchterung

Beim goldenen Finale konnte auch Bundestrainer Henning Lambertz wieder lachen. Zuvor hatte vor allem Köhler für Ernüchterung gesorgt. "Das ist bitter, das ist ärgerlich, das ist scheiße", sagte die Freistilschwimmerin nach ihrer verpassten ersten Medaillenchance bei der EM: "Platz vier war das Schlechteste, was ich mir vorgestellt hatte."

Als Europas Nummer eins war die 24-Jährige nach Glasgow angereist, doch im Tollcross International Swimming Center fehlten ihr über 800 m Freistil als Vierte (8:25,81 Minuten) 1,2 Sekunden auf den Bronzerang. Die Enttäuschung darüber saß tief.

"Bis 200 Metern lief noch alles nach Plan, aber dann wurde es hart", sagte die Kurzbahn-Europameisterin, "und als auch noch die kleine Ungarin weggezogen ist, wurde es bitter." Die erst 16-Jährige Ajna Kesely holte am Ende Silber hinter der überragenden Italienerin Simona Quadarella. Dritte wurde die Russin Anna Egorowa.

Auch die anderen Ergebnisse waren nicht nach Wunsch: Aliena Schmidtke wurde Achte über 100 m Schmetterling. Im Halbfinale scheiterten Ramon Klenz (11./200 m Schmetterling) und Damian Wierling (11./100 m Freistil).

Adam Peaty verzaubert das Publikum mit Weltrekord

Die Highlights setzten zunächst andere - allen voran Adam Peaty. Der Olympiasieger verzauberte das heimische Publikum mit seinem Sieg über 100 m Brust in Weltrekordzeit von 57,00 Sekunden. Der 23-Jährige unterbot seine eigene Bestmarke vom Olympiasieg in Rio um 13 Hundertstelsekunden. Es war sein insgesamt achter EM-Titel und der vierte Weltrekord in Folge über seine Paradestrecke.

"Ich habe überhaupt nicht erwartet, hier einen Weltrekord zu schwimmen", sagte der fünfmalige Weltmeister: "Als ich angeschlagen habe, habe ich die Zeit nicht richtig gesehen. Ich brauchte einige Momente, um es zu realisieren." Der Russe Kliment Kolesnikow ließ eine Stunde später in 24,00 Sekunden über 50 m Rücken den zweiten Weltrekord folgen.

Köhler hat im Becken über 1500 und 400 m Freistil sowie im Freiwasser mit der Staffel noch gute Medaillenchancen. "Ich muss das jetzt abschütteln, ich habe ja keine andere Wahl", sagte die Frankfurterin mit einem gequälten Lächeln.

Trost dürfte ihr Freund Florian Wellbrock spenden. Beim Magdeburger lief es am Samstagvormittag besser, er qualifizierte sich über 1500 m Freistil als Vorlauf-Dritter für das Finale am Sonntagabend. (sid)