Radsport

Tour de France: Sprinter klagen über Schinderei in den Alpen

Bei der Tour de France ausgestiegen: André Greipel.

Bei der Tour de France ausgestiegen: André Greipel.

Foto: Reuters

Das Feld der Top-Sprinter ist in den Bergen stark dezimiert worden. Gegenüber dem Tour-Veranstalter ASO wird Kritik laut.

Valence. Die Strapazen zu groß, das Profil zu schwierig, das Zeitlimit zu knapp: Nach dem "Sprintersterben" bei der 105. Tour de France wird Kritik am Veranstalter ASO laut. Die fordernde Streckenführung und das enge Zeitfenster für das Erreichen der Tagesziele in den Alpen wird speziell von den schnellsten Fahrern im Feld bemängelt, für die die Frankreich-Rundfahrt vorzeitig beendet ist.

"Ich weiß aus Erfahrung, dass man nach Paris-Roubaix drei, vier Tage Ruhe haben möchte. Der Körper hat überall Erschütterungen, egal, ob man gestürzt ist oder nicht. Und danach fährt man drei Alpenetappen mit 13.000 Höhenmetern. Für mich ist dieses Spektakel zu viel gewesen in diesem Jahr", sagte Greipel am Freitag im ZDF-Morgenmagazin.

Greipel war am Donnerstag im Verlauf der 12. Etappe nach L'Alpe d'Huez wie auch sein Lotto-Soudal-Teamkollege Marcel Sieberg ausgestiegen. Auch die zweimaligen Etappensieger Fernando Gaviria (Kolumbien) und Dylan Groenewegen (Niederlande) gaben auf. Es war die dritte Alpenetappe nacheinander, nachdem am Sonntag die 9. Etappe auch über das Kopfsteinpflaster von Paris-Roubaix geführt hatte. Bereits am Mittwoch hatte der deutsche Sprint-Star Marcel Kittel (Arnstadt) das Zeitlimit verpasst.

Greipel: "Es war noch nie so schwer"

"Für mich war es zu schwer, aber ich kann nur von mir reden", sagte Greipel: "Ich bin zuvor siebenmal die Tour de France gefahren, und es war bei weitem nicht so schwer wie in diesem Jahr. Spektakel möchte natürlich jeder haben, ich würde es auch auf keine Etappe schieben wollen", sagte Greipel.

Es sei keine schöne Erfahrung. "Das Zeitlimit war sehr knapp bemessen, es wurde während der Etappe geändert, aber da war es für uns schon zu spät. Irgendwo geht man mit einem Kopf in die Etappe, dass ein Wunder geschehen muss, um im Zeitlimit ins Ziel zu kommen. Aus eigener Kraft hätte ich es nicht geschafft", sagte Greipel.

Zabel: Etappe "sehr fragwürdig"

Auch Kittels Helfer bei Katusha-Alpecin, Rick Zabel, gab am Donnerstag auf. Der 24-Jährige bezeichnete die Etappe als "sehr fragwürdig". Sein Teamkollege Nils Politt kritisierte vor allem den Veranstalter: "Ich weiß nicht, was die ASO davon hat, wenn keine Sprinter mehr im Rennen sind."

Kittel hatte tags zuvor das Ziel in La Rosiere weit hinter dem Gruppetto erreicht, in dem sich abgehängte und angeschlagene Fahrer gemeinsam über die Berge quälen. "Was mir zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass ich mich nicht habe hängen lassen. Ich habe Vollgas gegeben", sagte Kittel: "Ich hätte nichts anderes machen können. Ich kann mir kein Bein abreißen und ein bisschen weniger wiegen."

Den verbleibenden Sprints der Tour 2018 fehlt nun viel fahrerische Klasse. Weltmeister Peter Sagan, der für den sechsten Gewinn des Grünen Trikots im Grunde nur noch sicher in Paris ankommen muss, konnte dem Ausfall seiner Rivalen wenig abgewinnen: "Es tut mir für die Fahrer leid. Jetzt kann es ein großes Chaos werden. Denn jetzt will jeder mitsprinten." (sid)