WM 2018

WM-Aus: Warum in Brasilien kein Umbruch zu erwarten ist

Ausgeschieden mit Brasilien: Neymar.

Ausgeschieden mit Brasilien: Neymar.

Foto: dpa

Brasilien und vor allem Trainer Tite präsentieren sich nach dem WM-Aus als würdige Verlierer. Mit einem großen Umbruch rechnet niemand.

Kasan. Am Ende eines sehr langen Abends, musste Adenor Leonardo Bachi, kurz Tite, ein Geständnis machen. Ein Liebesgeständnis. „Es war ein wundervolles Spiel, das alles geboten hat, was den Fußball so großartig macht“, schwärmte Tite nach dem denkwürdigen Viertelfinale zwischen Brasilien und Belgien im vollbesetzten Presseraum der Kasan-Arena. „Wer Fußball liebt, der muss dieses Spiel gesehen haben.“

Trainer Tite unterlag mit Brasilien gegen Belgien

Ein Spiel, das Tite und Brasilien kurz zuvor denkbar unglücklich mit 1:2 verloren hatten. Und so saß der Coach, den in seiner Heimat alle nur Professor nennen, auf dem gleichen Platz wie neun Tage zuvor Deutschlands Nationaltrainer Joachim Löw und musste das Unerklärliche erklären. „Es tut weh. Es tut sehr weh. Es tut so unglaublich weh“, sagte also Tite, der aber wie bei allen Auftritten während dieser WM auch in der Stunde der schmerzhaften Niederlage die richtigen Worte fand: „Belgien hatte kein Glück. Sie haben herausragend gespielt. Und dann gehört auch so ein Erlebnis zum Fußball dazu.“

So konnte man also die Parallele ziehen, dass auch Deutschland in Kasan ausgeschieden war. Doch das war bei dieser WM in Russland auch der einzige Vergleich, den man zwischen dem vier- und dem fünffachen Weltmeister aufstellen konnte. Denn anders als die DFB-Auswahl, die auf und abseits des Platzes in allen Belangen enttäuscht hatte, konnte und wollte niemand, Tite und der Seleção einen Vorwurf machen. „Brasilien war die stärkste Mannschaft dieses Turniers“, erkannte selbst Belgiens Siegertrainer Roberto Martínez ungefragt an.

Und trotzdem müssen Trainer und Verband sich nach dem Ausscheiden natürlich die kritische Frage stellen, warum diese „beste Mannschaft des Turniers“ bereits nach dem Viertelfinale nach Hause fliegen musste. „Wenn der Rauch in ein bis zwei Wochen verzogen ist, sind wir vielleicht schon ein wenig schlauer“, sagte Tite, ehe er am Samstag um 15 Uhr in die Chartermaschine stieg, die ihn und sein Team via Madrid nach Hause brachte.

Nur zwei ältere Spieler dürften Platz für Talente machen

Vorausgesetzt, dass der Professor seinen Lehrstuhl bei der Nationalmannschaft nicht abgibt, ist kaum mit einem Umbruch nach der Russland-WM zu rechnen. Lediglich die alternden Mittelfeldmänner Fernandinho, 33, und Renato Augusto, 30, die aber keine tragende Rolle gespielt hatten, dürften eher früher als später jungen Talenten Platz machen. Tites größte Herausforderung dürfte es aber sein, einen herausragenden Stürmer für diese Mannschaft zu finden, nachdem Manchester Citys Gabriel Jesus enttäuschte und kein einziges WM-Tor erzielen konnte. Bedenkt man allerdings, dass Jesus gerade einmal 21 Jahre alt ist, könnte Jesus‘ Nachfolger am Ende möglicherweise doch wieder Jesus heißen.

Und dann ist da ja auch noch Neymar, der derzeit wahrscheinlich umstrittenste Fußballer dieses Planeten. „Neymar ist ein herausragender Künstler“, sagte Tite, stand nach 30 Minuten Rede und Antwort auf – und verabschiedete sich: „Auf Wiedersehen.“