Historisches Schwergewicht

Kaiserpfalz: Mittelalterliche Kuriositäten in Bad Wimpfen

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Historisches Schwergewicht: Bad Wimpfen hat eine sehenswerte Altstadt.

Historisches Schwergewicht: Bad Wimpfen hat eine sehenswerte Altstadt.

Foto: dpa

Ganz ehrlich, wer kennt schon Bad Wimpfen? Dabei ist die kleine Stadt nahe Heilbronn ein historisches Schwergewicht. Bei einem Rundgang durch die Gassen gibt es viel zu entdecken.

Bad Wimpfen. Die meisten Besucher kommen aus Süden nach Bad Wimpfen. Das ist der kürzeste Weg von der Autobahn. Doch es lohnt sich, einen kleinen Umweg zu fahren und aus Richtung Offenau im Norden anzureisen.

Erst aus diesem Blickwinkel, am Fuße des Berges, auf dem Bad Wimpfen über dem Neckar thront, wird klar, wie beeindruckend die kleine Stadt im Mittelalter den Reisenden erschienen sein muss, wenn sie nach langer, beschwerlicher Reise endlich die Kaiserpfalz vor Augen hatten.

Genau dort, im Burgviertel, sollte man auch mit dem Spaziergang beginnen. Zum Beispiel mit einem Stadtführer wie Christoph Waidler, der Geschichten kennt, wie man sie in keinem Reiseführer findet.

Einem Großbrand zu Beginn des 14. Jahrhunderts ist es geschuldet, dass heute von der um das Jahr 1200 datierten Kaiserpfalz nur noch Teile erhalten sind: Der grob gehauene Rote Turm, in den sich der Kaiser bei Angriffen zurückziehen konnte, die imposante Stadtmauer und die Arkadenfenster der Palastruinen zeugen von der einstigen Grandeur - und natürlich der 58 Meter hohe Blaue Turm, das Wahrzeichen der Stadt.

Kaiserlicher Service auf Abruf

Die Anlage samt Blauem Turm ist die größte Kaiserpfalz nördlich der Alpen. Bewohnt war die Pfalz jedoch nicht immer: Die staufischen Kaiser, darunter auch Barbarossa, regierten nicht von einer Hauptstadt aus, sondern zogen ständig durch das Reich, um auch entlegene Landstriche zu kontrollieren und Recht zu sprechen.

Kam der Herrscher samt Hofstaat in Wimpfen vorbei, hieß es blitzschnell einen kaiserlichen Service auf die Beine zu stellen, alle Gefolgsleute und all die Adligen, die dann zum Hofe strömten, zu verköstigen.

Auch nach dem Ende der Stauferzeit blieb Wimpfen - damals noch ohne den Zusatz "Bad" - ein wichtiger und vor allem wohlhabender Ort. Ab etwa 1300 waren die Bürger der Reichsstadt nur noch dem Kaiser Rechenschaft schuldig und regierten sich mit zwei gewählten Bürgermeistern und einem städtischen Gericht selbst.

Kurioses in der Kirche

Auf den ersten Blick eine ganz normale alte Kirche, lockt die Stadtkirche mit allerhand Kuriositäten. Zum einen geben die Apostelbilder aus dem frühen 16. Jahrhundert Rätsel auf: "Apostel Philippus trägt das Gesicht Luthers und Apostel Matthäus verfügt erstaunlicherweise über sechs Zehen", zeigt Waidler im Halbdunkel der Kirche.

Spektakulär ist auch das hölzerne Kruzifix aus dem Jahr 1481 in der nördlichen Seitenkapelle. Der besondere Clou an der eher unscheinbaren Jesusfigur ist, "dass man die Holznägel herausziehen kann, sodass die Arme dank der Scharniere nach unten fallen", so Waidler.

Historisch nicht minder interessant ist das Alte Spital aus dem Jahr 1230, einige Hundert Meter bergab gelegen. Im heutigen Reichsstädtischen Museum war im Mittelalter ein frühes Seniorenheim untergebracht. Wie in einer modernen Senioren-Residenz standen hier Zimmer inklusive Pflegeleistung zur Verfügung.

Vom Krieg hinweggefegt

1622 tobte vor den Toren der Stadt eine der blutigsten Schlachten des Dreißigjährigen Krieges. Und nicht nur das: "Rund 80-mal wurde die Stadt besetzt und belagert", weiß Waidler. "1648 war Bad Wimpfen restlos ausgeplündert, gerade mal 37 Familien hatten überlebt."

Erst fast 200 Jahre später wandten sich die Geschicke der Stadt wieder zum Besseren: 1817 gelang es, die seit langem bekannten Salzvorkommen als Sole zu fördern. Ab 1930 darf sich Wimpfen sogar mit einem "Bad" vor dem Namen schmücken.

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