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Teure Auslandsüberweisung: So sparen Sie bares Geld

Auslandsüberweisungen können teuer werden. Doch es gibt Möglichkeiten, zu sparen.

Auslandsüberweisungen können teuer werden. Doch es gibt Möglichkeiten, zu sparen.

Foto: CentralITAlliance / iStock

Überweisungen ins Ausland in Fremdwährung können teuer werden. Doch es gibt Möglichkeiten, zu sparen. Verbraucherschützer geben Tipps.

Berlin. Wer Geld ins Ausland überweist, erschrickt oft über den hohen Preis, den das Geldinstitut dafür verlangt. Aber es gibt Sparmöglichkeiten – bei Banken und neuen Fintech-Anbietern. Die wichtigsten Tipps.

Das eigene Kind studiert in den USA und braucht regelmäßig Dollar auf seinem Konto? Oder der Vermieter eines Ferienhauses in Dänemark will eine Anzahlung in Dänischer Krone (DKK) haben? Dann ist es mit der vertrauten Sepa-Überweisung nicht getan. Das geht nur per klassischer Auslandsüberweisung – die aber meist teuer ist.

Sepa-Geldtransfer setzt einen Euro-Betrag voraus

Zum Unterschied: Sepa (Single Euro Payments Area) ist das einheitliche europäische Zahlungssystem, dem die EU-Staaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und die Schweiz angehören. „Sepa-Überweisungen dürfen nicht mehr kosten als eine Überweisung im Inland“, erläutert Josephine Holzhäuser, Finanzreferentin der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.

Das bedeutet: Je nach Kontomodell zahlt der Kunde entweder gar nichts extra, weil alle Überweisungen pauschal im Monatspreis für das Konto enthalten sind, oder nur die übliche Inlandsgebühr auch für die Auslandsüberweisung.

Aber Vorsicht: Ein Sepa-Geldtransfer setzt einen auf Euro lautenden Zahlbetrag voraus. Möchte der dänische Ferienhausvermieter das Geld also unbedingt in Kronen, seiner Landeswährung, überwiesen haben, ist der Sepa-Kostenvorteil futsch.

Kosten für Überweisungen unterscheiden sich deutlich

Um die klassische Auslandsüberweisung kommt auch nicht herum, wer Geld in Nicht-Sepa-Staaten irgendwo auf der Welt transferiert. Neben den Gebühren, die Absender- und/oder Empfängerbank verlangen, fallen oft zusätzliche Währungskosten an.

Nach Beobachtung des Marktwächter-Teams Finanzen der Verbraucherzentrale Sachsen unterscheiden sich die Überweisungspreise zwischen den Banken beträchtlich. Für den Transfer einer Summe von bis zu 5000 Euro müssten Kunden „teils 20 bis 50 Euro“ bezahlen, so Referent Kay Görner. Sogar „teils dreistellige“ Preise seien fällig bei der Überweisung eines Betrags bis 12.500 Euro.

Laut einer Studie der Marktforscher von Consumer Intelligence verlangen fünf große deutsche Geldhäuser für den Transfer von 1000 Euro in verschiedene Staaten 27,54 Euro im Schnitt (Stand: Juli 2019). „Die hohen Preise begründen die Banken damit, dass Auslandsüberweisungen nicht zu ihrem Tagesgeschäft gehörten, was ich mir in der heutigen Zeit aber nicht vorstellen kann“, sagt Görner.

Bei der Bank nach individuellem Rabatt fragen

Sein Kollege Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg vermutet: „Die Banken machen einen großen Reibach, weil sie eine Art Quasimonopol für Auslandsüberweisungen durch die Bankverbindung des Kunden haben.“

Als Sparmöglichkeit empfiehlt Verbraucherschützerin Holzhäuser, bei der Bank nach einem individuellen Rabatt zu fragen. „Davor sollten sich vor allem Kunden nicht scheuen, die regelmäßig einen fixen Betrag auf ein bestimmtes Auslandskonto – etwa des studierenden Kindes – überweisen. Es zeichnet eine Hausbank meines Erachtens aus, mal eine Vergünstigung einzuräumen, gerade wenn vielleicht auch das Kind schon ein Jugendkonto bei der Bank hatte.“

Auf Überweisungen spezialisierte Fintechs

Die Ausgaben drücken kann auch, wer einen Teil der Kosten dem Zahlungsempfänger aufbrummt. Es gibt drei Möglichkeiten, die Überweisung auszuführen. Ein Kreuz im Feld „Our“ bedeutet, dass der Überweiser den vollen Preis trägt.

„Share“ steht für eine Kostenteilung zwischen Zahler und Empfänger. Am günstigsten aus Sicht des Überweisenden ist die Angabe „Ben“: Dann muss der Empfänger den kompletten Transferpreis übernehmen – womit der aber nicht unbedingt einverstanden ist.

Lässt sich mit solchen Maßnahmen nicht sparen, bleibt die Beauftragung eines auf Überweisungen spezialisierten Fintechs wie Azimo, Currency Fair, Transfer Wise oder World Remit. „Die Anbieter erbringen die Leistung zu meist weit günstigeren Preisen als etwa die Hausbank“, sagt Marktwächter Görner. Expertin Holzhäuser empfiehlt: „Zumindest wer häufiger Geld ins Ausland überweist, sollte sich dort nach den Möglichkeiten und Preisen erkundigen.“

Zwischen zwölf und 30 Euro für eine 1000-Dollar-Transaktion

Ein Preisbeispiel: Laut dem Internetrechner von World Remit verlangte der Anbieter für die Überweisung von 1000 Euro in die USA zuletzt 3,99 Euro Gebühr (Stand: 24. Januar 2020). Konkurrent Transfer Wise bot die Leistung am selben Tag laut dessen Rechner für 5,14 Euro an. Durch unterschiedliche Wechselkurse, die beide Anbieter zugrunde legten, kamen beim Geldempfänger in den USA entweder 1092,31 Dollar (World Remit) oder 1099,82 Dollar (Transfer Wise) an.

Zum Vergleich: Laut der Studie von Consumer Intelligence kassierten herkömmliche Geldinstitute zwischen rund zwölf und 30 Euro Gebühr für die 1000-Dollar-Transaktion.

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Bislang keine Beschwerden bei Verbraucherzentralen

Beschwerden von Fintech-Kunden über Probleme bei der Abwicklung von Überweisungen liegen den befragten Verbraucherzentralen bislang nicht vor. „Wenn etwas grundlegend faul wäre, hätten wir es sicherlich mitbekommen“, ist sich Verbraucherschützer Nauhauser sicher. Achten sollten interessierte Kunden darauf, welcher staatlichen Aufsicht – „möglichst der deutschen“– der jeweilige Anbieter unterliegt, lautet sein Rat.

Kommt es indessen doch einmal zu Schwierigkeiten, zum Beispiel wegen eines IT-Ausfalls, kann der betroffene Geldüberweiser nicht einfach zum Bankfilialen-Berater um die Ecke gehen, um sich über das weitere Vorgehen zu informieren.

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