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Deutsche Bahn: So sparen Sie richtig bei den Tickets

Wie unpünktlich ist die Deutsche Bahn wirklich?

Die Deutsche Bahn gilt als chronisch unpünktlich. Wir zeigen vier Fakten rund um die Pünktlichkeit auf den deutschen Schienen.

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Günstiger Zugfahren? Das geht relativ einfach. Wer sich informiert und etwas plant, kann bei der Bahn viel Geld sparen. Eine Anleitung.

Berlin. Sparpreis, Super-Sparpreis, Flexpreis, Probe-Bahncard – und wenn ja welche? Bei der Vielzahl der Spar-Angebote der Deutschen Bahn kann einem schnell der Kopf schwirren. Die Angebote sind so übersichtlich wie ein Bahnhof zum Ferienstart.

Dabei lohnt es, die Preise genau anzusehen – und so im besten Falle kräftig Geld zu sparen. In unserer Anleitung zeigen wir Schritt für Schritt, wie nahezu jeder Bahn-Reisende deutlich weniger bezahlen kann. Sieben Tipps fürs Sparen beim Fahren.

Deutsche Bahn – So spart man bei Tickets:

  1. Früh buchen
  2. Sparpreis-Finder anwenden
  3. Bahncard benutzen
  4. 1.-Klasse-Preise prüfen
  5. Reservierungen wirklich nötig?
  6. Bonuspunkte einsetzen
  7. Reisetage mit Bedacht auswählen

1. Früh buchen – Tickets sind 180 Tage vor Reiseantritt verfügbar

Das Wichtigste zuerst: Wer im Voraus plant, kann das meiste Geld herausholen. Richtig sparen lässt sich bei innerdeutschen Fernverkehrsfahrten (egal wie lang) mit dem Super-Sparpreis von 29,90 Euro (1. Klasse) bzw. 19,90 Euro (2. Klasse) für ICE und IC – noch günstiger wird der Super-Sparpreis in Kombination mit einer Bahncard, aber dazu unten mehr. Ein normales Sparpreis-Ticket für die einfache Fahrt gibt es je nach Verfügbarkeit ab 23,90 Euro (2. Klasse) und 35,90 Euro (1. Klasse).

Sie sind oft nur einige Wochen vor Reiseantritt verfügbar. Das liegt daran, dass die Bahn bei jeder Verbindung nur eine begrenzte Anzahl dieser Günstig-Tickets anbietet.

„Eine Buchung ist in der Regel 180 Tage im Voraus möglich“, sagt eine Bahn-Sprecherin dieser Redaktion. „Der Super-Sparpreis und der Sparpreis sind kontingentierte Angebote. Sie sind für uns wichtige Instrumente, um die Nachfrage gleichmäßig auf die Züge zu verteilen“, so die Sprecherin weiter.

Unterm Strich: Wer früh bucht, dürfte noch ein gutes Angebot schießen.

2. Nicht neu, aber nützlich: Den Sparpreis-Finder auf bahn.de benutzen

Der einfachste Weg zu den vergünstigten Tickets ist der bekannte Sparpreis-Finder auf der Website der Deutschen Bahn. Kein neues Tool, aber durchaus nützlich: Wer das Häkchen bei „Schnellste Verbindungen anzeigen“ deaktiviert, bekommt noch mehr Verbindungen angezeigt, zum Beispiel ICs, die weniger kosten.

Auch der Last-Minute-Reiseveranstalter L’tur bietet eine Sparpreis-Suche für Bahntickets an. Die Suche ist noch etwas übersichtlicher als bei der Bahn selbst. Allerdings verlangt L’tur eine Servicegebühr von 3 Euro.

In das Super-Sparpreis-Ticket eingeschlossen ist sogar der Nahverkehr der Bahn zum jeweiligen Start- und Zielbahnhof (d.h. RB, RE, IRE und S-Bahn, nicht aber U-Bahn, Tram und Bus). Wichtig: Die entsprechende Start- bzw. Endhaltestelle muss bei der Buchung angegeben werden.

Einziger Haken: Mit dem Super-Sparpreis ist keine Stornierung der Fahrt möglich und die Reise ist an einen bestimmten Zug gebunden. „Sparpreise hingegen können vor dem 1. Geltungstag umgetauscht werden – gegen eine Gebühr von 10 Euro. Dabei erhalten die Kunden den Wert ihrer Fahrkarte in Form eines Gutscheins. Flexpreise können vorm 1. Geltungstag kostenlos umgetauscht oder storniert werden“, erklärt die Bahn-Sprecherin.

Wenn das Bahn-Portal anzeigt, dass der Zug überbucht sei, muss der Reisende nicht zwangsläufig in Panik verfallen. Es gibt immer wieder Fälle, in denen die Bahn dann gar nicht komplett voll ist. „Die Auslastungsinformation basiert auf Prognosen. Daher kann es in Einzelfällen zu Abweichungen kommen“, erklärt die Sprecherin.

3. Lohnt sich schnell – Mit der Bahncard 25 (oder höher) sparen

Eine Bahncard zahlt sich zügig aus: Der „Bahncard-Rechner“ auf der Internetseite der Bahn zeigt anhand einer beliebigen Route an, ab wann sich eine Bahncard-Variante lohnt. Und das geht schnell.

Mit Bahncard bezahlt der Reisende für den normalen Flexpreis (Vorteil gegenüber dem Super-Sparpreis: keine Zugbindung, Stornierung einen Tag vorher möglich, City-Ticket am Ankunftsort inklusive) entweder nur die Hälfte (Bahncard 50) oder ein Viertel (Bahncard 25) des Normalpreises.

Auch auf den Super-Sparpreis gibt es eine Bahncard-Ermäßigung. Allerdings schmilzt der Unterschied zwischen den Bahncard-Varianten hier zusammen: Der Rabatt liegt bei 25 Prozent – sowohl mit Bahncard 25 als auch mit der Bahncard 50. Wer schnell ist, kann Tickets ab 14,90 Euro (2. Klasse) oder 22,50 Euro (1. Klasse) bekommen. Die „kleinere“ Bahncard ist für Sparfüchse also doppelt ratsam. Die Bahncard 50 lohnt sich für Reisende, die häufig spontan reisen.

Ein weiterer Vorteil der Bahncard bei Reisen von mehr als 100 Kilometer ist: In allen größeren Städten ist das City-Ticket für den Nahverkehr inklusive, wenn man den Sparpreis oder Flexpreis wählt. Das gilt sowohl für den Abfahrts- wie auch für den Ankunftsort in insgesamt 128 Städten.

Wer seltener Bahn fährt, für den könnte Probe-Bahncard 25 eine Option sein. Sie kostet 19,90 Euro und gilt für drei Monate. Wer schon halb im ICE lebt und wirklich zu den absoluten Vielfahrern gehört, der sollte den Kauf einer Bahncard 100 überdenken (bei einmaliger Zahlung für die 2. Klasse 4395 Euro). Sie ermöglich die Fahrt mit jedem Zug ohne Fahrkartenkauf. Die All-inclusive-Bahncard rentiert sich aber nur für Pendler, die jeden Tag lange Strecken zurücklegen.

Diese Bahncard-Varianten gibt es (Preise für ein Jahresabonnement):

  • Eine Bahncard 25 (2. Klasse) kostet 62 Euro (ermäßigt 41 Euro)
  • Eine Bahncard 50 (2. Klasse) kostet 255 Euro
  • Eine Probe-Bahncard 25 (2. Klasse, drei Monate) kostet 19,90 Euro
  • Eine Probe-Bahncard 50 (2. Klasse, drei Monate) kostet 79,90 Euro
  • Eine Bahncard 25 (1. Klasse) kostet 125 Euro
  • Eine Bahncard 50 (1. Klasse) kostet 515 Euro
  • Eine Bahncard 100 (1. Klasse) kostet 7435 Euro (im Abo: 689 Euro monatlich)
  • Eine Bahncard 100 (2. Klasse) kostet 4395 Euro (im Abo: 406 Euro monatlich)

4. Wann die 1. Klasse günstiger ist

Es kommt nicht häufig vor, aber sogar ein Blick auf die 1. Klasse kann Geld sparen: Wenn nämlich das Kontingent der Sparpreise für die 2. Klasse ausgeschöpft ist, kann der Super-Sparpreis in der Edel-Klasse weniger kosten als ein Sparpreis in der Holzklasse. „Das ist aber eher ein Ausnahmefall“, sagt die Bahn-Sprecherin.

Noch ein Vorteil bei einem günstig geschossenen 1-Klasse-Ticket: Die Sitzplatz-Reservierung ist automatisch inklusive. Sie kostet sonst 4,50 Euro pro Strecke.

5. Wer besser reservieren sollte – und wer es lassen kann

Generell sollte, wer sparen will, die Sitzplatzreservierung überdenken: Gerade an Startbahnhöfen, auf denen Züge neu eingesetzt werden, hat man ohne Reservierung gute Chancen auf einen Sitzplatz. Wer frühzeitig da ist, kann einen Platz suchen, sobald der Zug bereitsteht. Die Bahn will im Übrigen auch die 2. Klasse komfortabler gestalten und plant bequemere Sitze im ICE.

deutsche bahn plant bequemere sitze im ice und mehr serviceEin weiterer Grund, der gegen eine Sitzplatzreservierung sprechen könnte, ist, dass sie nach einer Viertelstunde abläuft. „Fahrgäste sollten ihre Sitzplätze nach 15 Minuten eingenommen haben, danach erlischt die Anzeige und die Sitzplätze stehen allen Reisenden zur Verfügung. Bei Bedarf sollten sich unsere Kunden aber immer an die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter wenden“, erklärt die Sprecherin.

Um die Chancen auf einen kostenlosen Platz zu erhöhen, sollten Bahnreisende die Wagenreihung beachten. Denn die Bahn verteilt die reservierten Sitzplätze nicht gleichmäßig auf alle Wagen, sondern beginnt in der Nähe des Bordbistros. Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn rät daher, am Bahnsteig möglichst weit weg vom Speisewagen, also in der Regel ganz vorne oder ganz hinten, auf den Zug zu warten.

6. Bonuspunkte sammeln bringt Gratis-Fahrten und Upgrades

Wer eine Bahncard oder kostenlose Bahnbonus-Card hat, kann Bahnbonus-Punkte sammeln. Die Bahn unterscheidet zwischen zwei Punktsystemen: den Prämienpunkten und den Statuspunkten. Erstere sind für drei Jahre gültig und lassen sich gegen Prämien einlösen (Gratis-Fahrt, Upgrades in die 1. Klasse, Snacks im Bordrestaurant).

Pro bezahltem Euro bekommt der Reisende einen Prämienpunkt auf seinem Konto gutgeschrieben. Eine Fahrt mit dem Sparpreis für 19,90 Euro bringt also 19 Punkte. Für 1000 Punkte bekommt der Bahn-Kunde zum Beispiel eine Freifahrt in der 2. Klasse.

Auch nett zu wissen: Ab 2000 Statuspunkten innerhalb eines Jahres erhält der Kunde den BahnComfort-Status. Damit darf man dann auf den extra ausgeschilderten „BahnComfort“-Plätzen sitzen. Mit dem „BahnComfort“-Status darf man es sich hier spontan bequem machen – und gegebenenfalls auch Nicht-Comfort-Kunden verscheuchen. Außerdem gibt es eine bestimmte Zahl an Platzreservierungen, die nur Zugreisende mit dem Sonderstatus buchen können.

7. Weniger gefragte Reisetage wählen – Stoßzeiten vermeiden

Besonders Montag, Freitag und Sonntag sind gefragte Reisetage. Auch vor und nach Feiertagen, zu Ferienbeginn und zu Ferienende sind die Kapazitäten oft ausgelastet. Um zu sparen, ist es ratsam, eine Zugverbindung an weniger starken Reisetagen auszuwählen.

„Besonders in den nachfragearmen Zeiten in Tagesrandlage und an weniger nachgefragten Reisetagen – wie beispielsweise dienstags und mittwochs – lassen sich mit dem Sparpreisfinder Schnäppchen finden“, bestätigt die Sprecherin der Bahn.

Auch die Uhrzeit spielt eine große Rolle. Wer also nicht unter Zeitdruck ist, sollte sich überlegen, ob er nicht doch etwas früher oder später fahren kann, um Geld zu sparen.

„Für einige Reisende kommt vielleicht auch ein Nacht-ICE oder -IC in Frage. Diese nachts verkehrenden Fernverkehrszüge sind oft sehr preiswert und bieten dem ein oder anderen Wochenendtouristen auch die Möglichkeit, eine Hotelübernachtung zu sparen“, so die Bahn-Sprecherin.

Auf längere Sicht dürften Bahntickets insgesamt weniger kosten. Verkehrsminister Scheuer will, die Absenkung der Mehrwertsteuer auf Tickets von 19 auf sieben Prozent senken – und erfährt dafür auch viel Lob.

Konkret wäre damit ein Ticket von Berlin nach Hamburg, das im Flexpreis 79 Euro kostet, mit günstigerem Steuersatz für 71,04 Euro zu bekommen. Und wer die oben genannten Tipps befolgt, fährt künftig noch billiger.

(les)