Werbelüge

„Goldener Windbeutel“: Foodwatch „kürt“ dieses Bio-Produkt

„Goldener Windbeutel“ für Kinder-Tomatensauce von Zwergenwiese

Der Negativpreis „Goldener Windbeutel“ geht in diesem Jahr an das Produkt „Zwergenwiese: Kinder Tomatensauce Bio“. Das teilte die Verbraucherorganisation Foodwatch am Dienstag mit. Das Video der Ernährungs-NGO zeigt die Übergabe des Preises an die Firma Zwergenwiese.

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Viele Lebensmittel glänzen durch Werbelügen. Besonders hervor tat sich 2019 ein Bio-Produkt. Dafür gibt es den „Goldenen Windbeutel“.

Berlin. Der Negativpreis „Goldener Windbeutel“ geht in diesem Jahr an das Produkt „Zwergenwiese: Kinder Tomatensauce Bio“. Das teilte die Verbraucherorganisation Foodwatch am Dienstag mit. Demnach entschieden sich 53 Prozent der abstimmenden Verbraucher für die Bio-Tomatensoße für Kinder. So eindeutig sei bisher noch kein Ergebnis in der Geschichte des Schmähpreises gewesen.

Foodwatch kritisiert, dass die Tomatensoße mehr als doppelt so viel Zucker enthalte wie die Erwachsenen-Version – und dass obwohl die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfehle, Kinder-Soßen komplett ohne Zucker zu produzieren.

Der Hersteller Zwergenwiese entgegnete, dass kein Kristallzucker zugesetzt werde, sondern Apfeldicksaft enthalten sei. Aber auch Zucker aus Fruchtsaftkonzentraten sollte laut WHO reduziert werden.

„Goldener Windbeutel“ – das waren die Nominierten

  • Hipp: Direktsaft Karotte Bio, weil der Saft in neuer Verpackung zum doppelten Preis angeboten wird.
  • Rewe Beste Wahl: Wasabi Erdnüsse, weil die Nüsse tatsächlich lediglich 0,003 Prozent Wasabi enthalten.
  • Schwartau: Corny Protein Lower Carb, weil der Müsli-Riegel vorgibt, zu einem sportlichen und gesunden Lebensstil zu passen, tatsächlich aber zu einem Viertel aus Zucker besteht.
  • Yakult: Yakult das Original, weil der Drink aus verdünnter Milch und nutzlosen Bakterien mit einem Literpreis von 8,40 Euro ein echter Preiswucher ist.
  • Zwergenwiese: Kinder-Tomatensauce Bio, weil diese Kinderversion der Tomatensauce im Vergleich zur Erwachsenen-Version 140 Prozent mehr Zucker enthält.

Jedes Jahr zeichnet Foodwatch die größte Werbelüge mit dem Negativpreis aus. Auch in diesem Jahr haben die Verbraucherschützer zahlreiche Vorschläge gesammelt. Verbraucher konnten im Internet zwischen fünf Produkten wählen. Fast 70.000 Stimmen gingen in diesem Jahr im Wahlzeitraum vom 5. November bis 1. Dezember ein.

Auf der von Foodwatch extra eingerichteten Seite schummelmelder.de können User laufend Werbelügen einreichen, die es ihres Erachtens nach verdient hätten, mit dem „Goldenen Windbeutel“ ausgezeichnet zu werden. In den vergangenen zwölf Monaten wurden dort mehr als 200 Produkte vorgeschlagen, wie Foodwatch auf Anfrage dieser Redaktion mitteilte. Neben den fünf Vorschlägen zur Abstimmung hat Foodwatch einen eigenen Windbeutel-Kandidaten recherchiert.

Foodwatch will mit „Windbeutel“ auf unlautere Praktiken hinweisen

Der „Goldene Windbeutel“ wird bereits seit zehn Jahren vergeben, wobei es 2015 und 2016 eine kurze Unterbrechung gab. Ins Leben gerufen hatte die Verbraucherschutzorganisation den Negativpreis, um auf unlautere Praktiken der Lebensmittelindustrie aufmerksam zu machen: Denn Verbrauchertäuschungen seien nach EU-Recht zwar verboten, aber das Verbot lasse „genügend Spielraum für die Lebensmittelindustrie, (...) Verbraucher mit irreführenden Werbeaussagen hinters Licht zu führen – ohne dabei gegen die geltenden Kennzeichnungsregeln zu verstoßen“, wie es in einer Mitteilung heißt.

„Goldener Windbeutel“: Diese Produkte bekamen den Negativpreis bereits

In den vergangenen zehn Jahren wurden die folgenden Produkte mit dem „Goldenen Windbeutel“ ausgezeichnet:

  • 2009: Actimel von Danone
  • 2010: Monte Drink von Zott
  • 2011: Milch-Schnitte von Ferrero
  • 2012: Instant-Tees von Hipp
  • 2013: Capri-Sonne von Wild/Deutsche SiSi-Werke (Dreisteste Werbemasche bei einem Kinderprodukt)
  • 2014: Alete Trinkmahlzeiten ab dem 10. Monat (damals Nestlé)
  • 2017: Alete Kinderkeks
  • 2018: Glacéau Smartwater von Coca-Cola
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Foodwatch macht auch mit anderen Aktionen von sich Reden. Weil Ernährungsexperten immer wieder den hohen Zuckergehalt in vielen Lebensmitteln kritisieren, errechnet sie etwa den „Überzuckerungstag“: Demnach hatten Kinder bereits am 12. August dieses Jahres das Zuckerlimit für das ganze Jahr 2019 erreicht.