Biografie

Zwölf Dinge, die man garantiert nicht über Laschet wusste

CDU gewinnt NRW-Kommunalwahlen – trotz Negativrekord

Bei den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen hat die CDU von Ministerpräsident Armin Laschet zwar klar mit einem Ergebnis von 34,3 Prozent gewonnen - es ist aber gleichzeitig ihr bislang schlechtestes Ergebnis bei einer NRW-Kommunalwahl. Die Grünen legen indes zu - auf 20 Prozent.

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Die erste Biografie über Armin Laschet erscheint. Wir verraten zwölf Dinge, die kaum jemand vom NRW-Ministerpräsidenten weiß.

Düsseldorf. Lange verspottet und oft unterschätzt: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet gehört vielleicht zu den ungewöhnlichsten deutschen Spitzenpolitikern. Selbst in der eigenen Partei wurde der CDU-Mann aus Aachen eher belächelt. Er galt als zu weich, zu liberal, zu rheinisch. Er musste Niederlagen in Serie einstecken. In einem Politikbetrieb, der zunehmend von Personalisierung, Polarisierung und perfekt zur Schau gestellter Amtsautorität geprägt ist, wird einer wie Laschet leicht übersehen.

Trotzdem regiert er heute Deutschlands bevölkerungsreichstes Bundesland, führt den größten CDU-Landesverband und gehört zu den einflussreichsten Stimmen in Berlin. Laschet war außerdem früher Wegbereiter schwarz-grüner Annäherungen und Deutschlands erster Integrationsminister.

Er fühlt sich dem europapolitischen Erbe Helmut Kohls verpflichtet und hält das Bewusstsein für die christlichen Wurzeln der „C“-Parteien wach. Anfang Dezember kann er nun sogar Bundesvorsitzender seiner Partei werden und im nächsten Jahr Kanzlerkandidat der Union. Die jüngste Kommunalwahl in NRW hat ihm eher Auftrieb gegeben.

K-Frage: Laschet fragte Pfarrer, ob er es machen soll

Wie ist solch eine Karriere gegen viele Wahrscheinlichkeiten möglich? Und wo könnte der Weg noch hinführen? Die Journalisten Tobias Blasius und Moritz Küpper haben jetzt die erste Laschet-Biografie vorgelegt. Ihr Titel: „Der Machtmenschliche“ (Klartext-Verlag Essen, 360 Seiten zzgl. 24 Seiten Bildteil).

Die Autoren haben Laschet über Jahre beobachtet und mit über 60 Wegbegleitern, Freunden, Familienmitgliedern, Mitarbeitern und Gegnern gesprochen. Es ist ein journalistisch unabhängiger Blick auf diesen Mann. Das Buch zeichnet so Weg, Wesen und Werte eines Politikers nach, der sich üblichen Bewertungsmustern zu entziehen scheint. Neben bislang unveröffentlichten Fotos erwartet die Leser eine Reihe von Dingen, die man über Laschet noch nicht wusste. Zum Beispiel diese:

1. Laschet wollte nicht in die CDU eintreten. Armin Laschet hat sich als Schüler schwer getan mit einem Parteieintritt bei der CDU. Einen ersten Anwerbeversuch blockte er als 15-Jähriger im Bundestagswahlkampf 1976 ab.

Damals wollte Witold Franke von der Jungen Union in Laschets Heimatstadtteil Aachen-Burtscheid den heutigen NRW-Ministerpräsidenten im Straßenwahlkampf zum Mitmachen überreden. Laschet sei durchaus politisch interessiert gewesen, habe jedoch apodiktisch verkündet: „Aber ich trete nie in eine Partei ein.“ So erinnert es Franke fast 45 Jahre später.

Als Laschet 1979 dann doch noch CDU-Mitglied wurde, geschah dies erst nach längerem Ringen. Der etwas ältere Wolfgang Vorbrüggen, mit dem Laschet später im Aachener Stadtrat saß, musste den damals 18-Jährigen dafür beharrlich bearbeiten. „Ich war engagiert in der Pfarre, in der Schülervertretung, in unserer Dritte-Welt-Gruppe, aber es war jetzt nicht so, dass ich unbedingt Berufspolitiker werden wollte“, sagt Laschet heute selbst. Seine Eltern, obwohl CDU-Stammwähler, hätten es auch „eher komisch“ gefunden, dass er in eine Partei eintrat.

2. CDU-Vorsitz und K-Frage: Laschet fragte seinen Pfarrer, ob er es machen soll. Armin Laschet hat seinen Heimatpfarrer Heribert August aus Aachen-Burtscheid in seine Überlegungen zur Bewerbung um den CDU-Bundesvorsitz und eine mögliche Kanzlerkandidatur einbezogen. Am Rande einer Familienfeier im Frühjahr 2020 habe er Laschet direkt auf das Thema angesprochen, erzählte Pfarrer August: „Wie ist es denn nun mit dem Parteivorsitz und der Kanzlerkandidatur?“ Laschet habe sehr ruhig, sehr nachdenklich gewirkt und dann zurück gefragt: „Würdest Du es denn machen?“

Er habe daraufhin dem Politiker eine längere Antwort mit auf den Weg gegeben, so der 73-jährige Geistliche: „Armin, ich kenne Dich jetzt seitdem Du 16 Jahre bist, ich habe immer nur erlebt, dass Du politisch aktiv warst. Du bist so durch und durch Politiker. Von Anfang an gewesen und gewollt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so jemand, der so aus Fleisch und Blut Politiker ist, an der letzten und größten Herausforderung stehenbleibt.“

Warum Laschet mal als Chauffeur gearbeitet hat

3. Laschet hat als Chauffeur gearbeitet. Armin Laschet hat sich zu Beginn seines Jura-Studiums Anfang der 80er Jahre in München als Chauffeur verdingt. Auf der Suche nach einer kostengünstigen Unterkunft ist Laschet im Kloster St. Bonifaz fündig geworden. Er durfte dort für 150 D-Mark pro Monat wohnen. Dafür musste er dem bekannten Abt von St. Bonifaz und dem Kloster Andechs, Odilio Lechner, persönlich zu Diensten sein.

Da der Abt keinen Führerschein hatte, fuhr der junge Laschet den Geistlichen in sämtliche bayrischen Klöster, wenn er dort seine Visiten machte. Zudem überführte Laschet in seiner Studienzeit für einen Kfz-Händler Autos von München ins Rheinland. 100 D-Mark und eine bezahlte Rückfahrt bekam der spätere Politiker dafür.

4. Scheuermann: Darum wurde Laschet ausgemustert. Nach dem Abitur 1981 wurde Laschet nicht zum Wehr- oder Zivildienst herangezogen. Das Kreiswehrersatzamt stellte ihn wegen der Diagnose „Morbus Scheuermann“ (Scheuermann-Krankheit) zurück.

Laschet litt an einer Wachstumsstörung der Wirbelsäule, die zu einer schmerzhaften Fehlhaltung führen kann. „T4“ lautete deshalb seine Eingruppierung nach der Musterung. Temporär wurde die Einberufung immer wieder zurückgestellt. Durch seine frühe Hochzeit 1985 konnte Laschet dem Dienst an der Waffe endgültig entkommen.

5. Laschets glauben an Abstammung von Karl dem Großen. Die Familie von Armin Laschet ist davon überzeugt, direkt von Karl dem Großen abzustammen. Laschets Bruder Patrick, der beim Telekommunikationskonzern Vodafone arbeitet, betreibt als Hobby eine aufwendige Ahnenforschung. „Als gebürtiger Öcher möchte man natürlich von Karl dem Großen abstammen und die Wahrscheinlichkeit ist gegeben“, schreibt Patrick Laschet auf seiner privaten Homepage.

Detailliert hat er dort Stammbäume zusammengetragen und eine Auflistung erstellt, die von „Karl der Große (*748;+814)“ über „Karlmann, Pippin König von Italien (*777;+810)“ in insgesamt 40 Schritten zu Laschet und seinen Brüdern führt.

Solidarnosc statt Strauß: So dekorierte Laschet sein Jugendzimmer

6. Laschet hatte Solidarnosc-Poster in seinem Jugendzimmer. Die Streiks auf der Danziger Werft 1980 haben den Schüler Armin Laschet tief beeindruckt. Als der 19-Jährige im Fernsehen sah, wie mutige Menschen jenseits des Eisernen Vorhangs für ihre Freiheit demonstrierten, hängte er sich ein Solidarnosc-Plakat in sein Jugendzimmer. Über das Franz-Josef-Strauß-Poster des jungen Markus Söder ist häufig geschrieben worden. Dass der jugendliche Laschet hingegen einer neu gegründeten polnischen Gewerkschaft huldigte, illustriert wohl sehr anschaulich den Unterschied zwischen diesen beiden Unionspolitikern.

7. Plötzlicher Kindstod: Laschets Bruder starb kurz nach der Geburt. Die Familie von Armin Laschet musste in der 60er Jahren einen schweren Schicksalsschlag verwinden. Zwei Jahre nach dem Erstgeborenen Armin kam 1963 der zweite Sohn Frank Laschet auf die Welt. Der Säugling verstarb jedoch bereits nach wenigen Wochen.

Armin Laschet hat an seinen jüngeren Bruder naturgemäß keine Erinnerung. Er war damals noch zu klein, um diesen für die Eltern schlimmen Schock zu verstehen. „Ich kenne den nur aus Erzählungen“, sagt der Ministerpräsident heute. Obwohl die Laschets später noch drei weitere Söhne bekommen, sei die Trauer um Frank Laschet lange präsent geblieben. „Wenn der Januar kam, wurde davon erzählt. Und wir gingen auch immer zum Waldfriedhof, wo das Grab war“, sagt der Politiker.

8. Gerne Gyros: Laschet ist Stammgast bei Aachener Griechen. Kulinarisch mag es Armin Laschet gerne bodenständig. In der „Taverne Lakis“, einem griechischen Imbiss in Aachen-Burtscheid, holt der CDU-Politiker manchmal dreimal pro Woche Essen.

Besitzer Joannis Bitzakis, der den Laden seit knapp 30 Jahren führt, mag Laschet, hat bislang aber das Angebot für ein gemeinsames Foto mit dem prominenten Stammgast als Wandschmuck für sein Restaurant ausgeschlagen: „Wenn du Bundeskanzler bist, dann machen wir ein Foto“, habe er dem Ministerpräsidenten vorgeschlagen.

Laschets Geschichtslehrer unterrichtete einst auch Thüringens Kemmerich

9. „Das wäre dem Armin nicht passiert“: Laschets Geschichtslehrer unterrichtete auch Thüringens Ministerpräsident Kemmerich. Armin Laschet (Abiturnotenschnitt 2,4) wurde am Aachener Pius-Gymnasium vom selben Geschichtslehrer unterrichtet wie der umstrittene Thüringer Kurzzeit-Ministerpräsident Thomas Kemmerich (FDP). Es war der promovierte Oberstudienrat Karl Niederau, der schon lange pensioniert ist.

Dass sich Kemmerich, der nach dem Abitur in Aachen nach Ostdeutschland umsiedelte, im Februar 2020 mit Stimmen der AfD im Erfurter Landtag zum Regierungschef wählen ließ, gilt als „Tabubruch“. Der ehemalige Geschichtslehrer Niederau ist sich sicher: „Das wäre dem Armin nicht passiert, weil der genau weiß: Spiel nicht mit den Schmuddelkindern. Das hat was mit Instinkt zu tun.“ Laschet wurde in seiner Abiturklausur im Leistungskurs Geschichte zum Thema „Die nationalsozialistische Machtergreifung“ mit der Note „sehr gut“ bewertet.

10. Nahbar wie Genscher: Warum Laschet keine Abschottung will. Eine frühe Erfahrung mit dem einstigen Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher prägt bis heute Armin Laschets Umgang mit Privatheit als Politiker. Nach dem Abitur gab Laschet Anfang der 80er Jahre eine selbstgemachte Zeitung mit dem Titel „Libertas“ heraus. Als er Genscher als prominenten Gastautoren gewinnen konnte, stellte er fest, dass der Außenminister mit voller Privatadresse im Telefonbuch des Rhein-Sieg-Kreises zu finden war.

Mehrfach rief der junge Laschet dort an, weil der Redaktionsschluss nahte, und unterhielt sich mit Genschers ebenfalls im Haus lebender Mutter. Ihm sei das nie aus dem Kopf gegangen: Ein weitgereister Staatsmann wie Genscher bleibt ansprechbar und für jedermann sichtbar im Telefonbuch. So wolle er es auch halten, wo immer ihn die Politik eines Tages hinführen werde, sagte sich Laschet seinerzeit.

Zigarillo-Liebhaber Laschet kreierte seine eigene Tabaksorte

11. Laschet kreierte eigene Tabaksorte. Armin Laschet gehört zu den bekanntesten Zigarillo-Liebhabern der Politik. Was kaum einer weiß: Laschet hat als Kenner süßen Tabaks vor 20 Jahren einmal mit einem Aachener Geschäftsmann zum Geburtstag seines Heimatstadtteils die Eigenkreation „Burtscheider 1000“ herausgebracht.

Laschet probierte damals als Sommelier so lange, bis ihm die Mischung passte. Der „Burtscheider 1000“ wurde in Dänemark produziert, ist aber heute nicht mehr erhältlich.

12. Laschet spielte jahrelang Laien-Theater. Als junger Erwachsener hat sich Armin Laschet Anfang der 80er Jahre auf der Theater-Bühne versucht. Gemeinsam mit seiner späteren Frau Susanne spielte der heutige Ministerpräsident in der Laientheatergruppe seiner Kirchengemeinde St. Aposteln in Aachen-Burtscheid.

Auch als Berufspolitiker stand Laschet 1998 noch einige Male auf der Bühne: Gemeinsam mit seiner Wahlkreis-Konkurrentin Ulla Schmidt, der späteren Bundesgesundheitsministerin, gab er im Aachener Heimattheater beim Platt-Lustspiel „Nobless uusjen Wimmelsjaaß“ das Ehepaar Nöll und Nettchen Noppeney. (FMG)