Frankreich

Macron schockiert über Video von brutalem Polizeieinsatz

Festnahme - Was für Arten gibt es und wann kommen sie bei der Polizei zum Einsatz?

Gewahrsam, Untersuchungshaft, vorläufige Festnahme. Was ist was und wann darf die Polizei es anwenden?

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Videoaufnahmen sorgen für heftige Kritik an der französischen Polizei: Vier Beamte wurden in Gewahrsam genommen.

Berlin/Paris.  Mehrere Polizisten attackieren massiv einen Mann und werden dabei von einer Überwachungskamera gefilmt: Das Video sorgt seit seiner Veröffentlichung am Donnerstag für Kritik an der französischen Polizei. Staatschef Emmanuel Macron reagierte „sehr schockiert“, hieß aus Kreisen des Präsidentenpalasts.

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Polizeigewalt: Beamte wurden in Gewahrsam genommen

Vier Beamte, die an dem Einsatz beteiligt gewesen sein sollen, wurden in Gewahrsam genommen und sollten befragt werden, so die Pariser Staatsanwaltschaft.

Drei der Polizisten werden Gewalt durch Amtspersonen rassistischer Natur , Hausfriedensbruch und Fälschung öffentlicher Dokumente vorgeworfen, dem vierten Beamten Gewalt durch Amtspersonen und Sachbeschädigung.

Der schwarze Musikproduzent Michel Z. gibt an, dass die Polizisten ihm in den Eingang seines Studios gefolgt waren, nachdem er in der Nähe ohne Maske unterwegs gewesen war – obwohl das eigentlich Pflicht ist. In dem Video ist zu sehen, wie sie ihn bedrängen und schlagen. Nur mit Hilfe von Musikern, die aus dem Studiokeller kommen, kann sich der Produzent aus seiner Lage befreien.

Anwältin: Polizisten haben „schwere Verbrechen begangen“

„Diese Polizisten haben keinen Mist gebaut, sie sind Straftäter, die schwere Verbrechen begangen haben“, sagte die Anwältin des Produzenten, Hafida El Ali, am Freitag dem Sender BFM TV . Sie hätten ihren Mandanten mehrfach mehrere Minuten lang geschlagen. Sie ist sich sicher, dass ihr Mandant ohne das Überwachungsvideo im Gefängnis säße. Der Mann hatte außerdem angegeben, von den Polizisten mehrfach rassistisch beleidigt worden zu sein.

Die Kritik an der französischen Polizei findet damit einen weiteren Höhepunkt: Vor wenigen Tagen sorgten Aufnahmen von der aggressiven Räumung eines Migrantencamps in Paris für Aufregung. Innenminister Gérald Darmanin muss sich nun am Montag in der Nationalversammlung zu den jüngsten Vorfällen erklären.

Zahlreiche Politiker, aber auch Sportler zeigten sich nach der Veröffentlichung des Videos schockiert. Die französischen Top-Fußballer Antoine Griezmann und Kylian Mbappé drückten auf Twitter ihr Entsetzen aus. „Stoppt den Rassismus“, schrieb Mbappé. (afp/dpa/jtb)

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