Polizeigewalt

USA: Ausschreitungen nach Polizei-Schüssen auf Schwarzen

Erneut Schwarzer nach Polizeieinsatz in den USA in Lebensgefahr

Ein weiterer Fall von Polizeigewalt gegen einen Schwarzen hat im US-Bundesstaat Wisconsin Proteste ausgelöst: Jacob Blake wurde nach offiziellen Angaben am helllichten Tag mehrmals in den Rücken geschossen.

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Wieder gab es in den USA einen Fall von Polizeigewalt gegen einen Afroamerikaner. Jacob Blake wurde siebenmal in den Rücken geschossen.

Washington. Die Szenen schwerer Polizeibrutalität gegen Afro-Amerikaner in den Vereinigten Staaten von Amerika reißen nicht ab. Diesmal ist Kenosha im Bundesstaat Milwaukee der Schauplatz. Jacob Blake (29), dreifacher Vater, zur Tatzeit unbewaffnet und nicht gewalttätig, wurde bei einem Polizeieinsatz aus nächster Nähe sieben Mal in den Rücken geschossen.

Er wurde notoperiert und liegt auf der Intensivstation. Sein Zustand sei ernst, sagen Ärzte. Das erklärte nach dem Zwischenfall, der in der Nacht zu Montag schwere Ausschreitungen zwischen Polizei und Demonstranten in Kenosha auslöste, der demokratische Gouverneur des Bundesstaates, Tony Evers. Laut Polizei seien die Beamten wegen eines „häuslichen Zwischenfalls” am Sonntagnachmittag in eine mehrheitlich von Schwarzen bewohnte Gegend Kenoshas gerufen worden. Lesen Sie hier: George Floyd: Wer war er? Die Hintergründe zu seinem Tod

Polizist schießt aus kurzer Entfernung mehrfach auf Jacob Blake

Augenzeugen berichteten, dass Blake einen Streit zwischen zwei Frauen geschlichtet habe. Warum es zu den Schüssen kam, ist offiziell ungeklärt. Auch, ob Blake sich eine Straftat zu Schulden kommen ließ, ist offen. Die lokale Polizei schweigt zum Vorgang, die Ermittlungen hat ein anderes Departement übernommen. Auch ein Handy-Video eines Anwohners gibt über die Genesis der Konfrontation keinen Aufschluss. Die kurze Sequenz zeigt, wie Blake um sein Auto herum geht, verfolgt von zwei Polizisten, die ihre Waffe auf ihn richten. Etliche Schaulustige gucken zu. Lesen Sie auch: „Black Lives Matter“: Die Welt steht auf gegen Rassismus

Als der Schwarze die Fahrertür öffnet und halb auf den Sitz gerutscht ist, zieht ihn ein Cop am weißen T-Shirt und schießt aus weniger als einem Meter Abstand mehrfach auf den Mann. Schreiende Anwohnerinnen bedrängen die Polizisten, die den Tatort umgehend abriegeln lassen. Die Justizbehörden in Milwaukee haben gestern Ermittlungen eingeleitet. Die beteiligten Beamten wurden in den Zwangsurlaub geschickt.

Gouverneur Evers erklärte: „Wir stehen an der Seite all derer, die Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und Verantwortung für das Leben der Schwarzen in unserem Land gefordert haben und weiterhin fordern.” Er erwähnte ausdrücklich den Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai bei einer Kontrolle durch weiße Polizisten in Minneapolis. Seither kommt es in vielen Städten der Vereinigten Staaten regelmäßig zu Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus, die teilweise in Plünderungen umschlugen, zuletzt etwa in Chicago. Mehr zum Thema: Polizeigewalt in den USA: Die wichtigsten Informationen

Anwalt von Blake: Söhne des Opfers mussten alles ansehen

In Kenosha entlud sich die Wut von Demonstranten am Sonntagabend so heftig, dass die Stadt eine Ausgangssperre bis Montagmorgen 7 Uhr anordnete. In sozialen Medien verbreitete Bewegtbilder zeigen brennende Müllwagen, eingeworfene Fensterscheiben und Prügeleien zwischen Protestierenden und der Polizei. Auch ein Autohandel samt Dutzender Fahrzeuge wurde ein Opfer der Flammen. Ein Beamter wurde mit einem Ziegelstein bewusstlos geschlagen.

„Das Maß ist voll. Trotzt George Floyd gehen das Morden und Schießen der Polizei immer weiter”, empörte sich eine schwarze Aktivistin auf Twitter. Der schwarze Menschenrechtsanwalt Benjamin Crump erklärte, während der Tat hätten die drei Söhne von Jacob Blake im Auto auf der Rückbank gesessen. „Sie haben gesehen, wie ein Cop auf ihren Vater geschossen hat. Sie werden für immer traumatisiert sein”, sagt Crump, der auch die Familie von George Floyd vertritt. Lesen Sie auch: Hat Deutschland ein Problem mit Rassismus und Polizeigewalt?

Crump war bereits am Wochenende als Anwalt im Einsatz. In Lafayette im Bundesstaat Louisiana tötete die Polizei am Freitagabend den 31-jährigen Trayford Pellerin. Der Schwarze, der ein Messer bei sich gehabt haben soll, wurde beim versuchten Betreten einer Tankstelle mit über zehn Schüssen niedergestreckt. Er starb kurz danach im Krankenhaus.