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USA: Floridas Gouverneur verschärft die Corona-Krise

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Dirk Hautkapp
Radiomoderator und Impfgegner stirbt nach Corona-Infektion

Radiomoderator und Impfgegner stirbt nach Corona-Infektion

Er war Corona-Leugner, Impfgegner und verbreitete Verschwörungsmythen: Der amerikanische Radiomoderator Dick Farrel stirbt nach einer Corona-Infektion.

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Ron DeSantis ist Floridas Gouverneur. Der Republikaner kämpft gegen Joe Bidens Corona-Maßnahmen - und verschlimmert damit die Lage.

Washington, D.C.. Ron DeSantis hat sich von seinem Mentor Donald Trump abgeschaut, wie man gegen den Strom schwimmt. Je schlimmer die Corona-Verhältnisse im Bundesstaat Florida unter den Bedingungen der grassierenden Delta-Variante werden, desto rigider setzt der republikanische Gouverneur seine Kontrapunkte.

Florida: Gouverneur DeSantis kämpft gegen Corona-Maßnahmen

Erst vor wenigen Tagen verbot der 42-Jährige allen Ernstes den Schul-Aufsichtsbehörden, Schüler dazu anzuhalten, Schutzmasken zu tragen, wenn in den nächsten Tagen der Unterricht wieder anläuft. Der Staat habe sich da rauszuhalten, erklärte der für seinen herrisch-robusten Ton bekannte Politiker, der aus Jacksonville im Norden Floridas stammt.

Die oppositionellen Demokraten und viele Mediziner schütteln fassungslos den Kopf: „Völlig falsche Botschaft!”. Aber auch aus den eigenen Reihen (Senator Bill Cassidy) kam der Hinweis, DeSantis handele fahrlässig. Das sehen viele so und handeln auf eigene Faust.

Ron DeSantis: Bei Maskenpflicht an Schulen droht Gehaltsentzug

Broward County, der Landbezirk nördlich von Miami, ist der sechstgrößte Schulbezirk in den USA. Dort ignoriert man DeSantis` Ukas. Maskentragen wird mit dem Beginn des Schuljahres Pflicht.

Anstatt in sich zu gehen, legte der düpierte Gouverneur noch einen drauf. Er droht nun offen damit, Schul-Direktoren das Gehalt zu sperren, die sich seiner Anweisung - keine Maskenpflicht! - widersetzen.

Corona in Florida: 135.000 Neuinfektionen in nur einer Woche

Und das bei diesen Zahlen: Allein zwischen dem 30. Juli und dem 5. August meldete Florida 135 000 Neu-Infektionen. 14.000 Intensiv-Betten in den Krankenhäusern sind mit Corona-Kranken belegt. Jeder fünfte Corona-Tote in den USA kommt derzeit aus Florida. In Washington ätzten Experten, dass Florida wohl mit einem Reisebann belegt würde, wäre es ein souveräner Staat.

Besonders bedrückend: Unter den Patienten, die stationär in Florida behandelt werden müssen, sind über 4500 Kinder. Die von DeSantis regelmäßig verächtlich gemachte Gesundheitsbehörde CDC sieht den Grund in der Delta-Variante, die auch jüngere Menschen in rapide steigenden Zahlen erkranken lässt.

DeSantis versteift sich dagegen auf den Standpunkt: „Wir müssen mit dem Virus auf Dauer leben. Dabei darf die individuelle Freiheit nicht eingeschränkt werden.”

DeSantis: Biden ist ein „machthungriger Tyrann”

Appelle an Impfverweigerer und Impfskeptiker, immerhin noch an die 90 Millionen Menschen in den USA, die seit Tagen regelmäßig aus dem Weißen Haus kommen, tut er als Stimmungsmache ab. Präsident Joe Biden platzte darum der Kragen. „Wenn Sie schon nicht helfen wollen, dann stellen Sie sich jedenfalls den Menschen nicht in den Weg, die das Richtige tun wollen“, donnerte der Präsident an Desantis`Adresse.

Der zog die Pfeile mit Pläsier auf sich und fuhr unter dem Beifall der ideologischen Rechten und Staatsverächter schweres Geschütz auf. Auf keinen Fall werde sich Florida den Rufen nach Masken-Pflicht anschließen. Geschweige denn erneute Lockdowns vorbereiten, falls die Pandemie noch stärker grassieren sollte.

„Wir werden Joe Biden und seinen bürokratischen Lakaien nicht erlauben, herzukommen und die Rechte und Freiheiten der Floridaner zu beschlagnahmen”, erklärte der Gouverneur. Er bezeichnete Biden als „machthungrigen Tyrannen”, der mit den Demokraten aus Amerika einen „biomedizinischen Sicherheits-Staat” machen wolle.

Floridas Gouverneur könnte 2024 als Präsidentschaftskandidat antreten

Hinter der wuchtigen Rhetorik steht nackte Ambition. Der an den Renommier-Hochschulen Yale und Harvard ausgebildete Anwalt, de vor acht Jahren als unbeschriebenes Blatt ins Repräsentantenhaus in Washington einzog, sieht sich als potenzieller Erbe, falls Donald Trump 2024 nicht erneut seinen Hut in den Ring um die Präsidentschaftskandidatur werfen sollte. Umfragen sehen ihn chancenreich.

Kritiker auch in den eigenen Reihen halten sein Anti-Masken-Experiment für Schüler dagegen für „töricht”. Tenor: Der Gouverneur pokert mit dem Leben unserer Kinder.

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