Bundestagswahl

Wahlprogramme: Was welche Partei vorhat

Lesedauer: 6 Minuten
Die Bundestagswahl in Zahlen

Die Bundestagswahl in Zahlen

Am 26. September 2021 wird ein neuer Bundestag gewählt. Welche Zahlen hinter der neuen Aufstellung des Parlaments stehen, sehen Sie im Video.

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Der Wahlkampf für den Bundestag ist eröffnet. Doch was sind eigentlich die Vorhaben von Union, Grünen, SPD, FDP, Linke und AfD?

Berlin. 
  • In weniger als hundert Tagen findet die Bundestagswahl im September statt
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel wird nach einer 16-jährigen Amtszeit abtreten
  • Was sehen die Wahlprogramme der Parteien vor? Hier finden Sie einen kurzen Überblick über die Pläne von CDU/CSU, SPD, Grüne, AfD, Linke und FDP

Am 26. September ist es soweit: Die deutsche Bevölkerung – zumindest alle Wahlberechtigen – ist dazu aufgerufen, einen neuen Bundestag zu wählen. Nach vielen Jahren endet dann auch Angela Merkels Amtszeit als Bundeskanzlerin. Ob die Wählerinnen und Wähler womöglich einen Regierungswechsel herbeiführen, bleibt unklar. Lesen Sie hier: Hartz-IV-Reform? Das planen Parteien nach der Bundestagswahl.

Doch was wollen die Parteien für die politische Zukunft Deutschlands? Welche Argumente bringen Grüne, FDP, Linke und AfD für ein Ende der Großen Koalition? Wofür wollen sich Union und SPD stark machen? Hier finden Sie einen Überblick zu den Wahlprogrammen und Forderungen der Bundesparteien im Wahljahr 2021.

SPD geht mit „Zukunfts-Programm“ in den Wahlkampf

Zwar glänzen die Sozialdemokraten derzeit nicht gerade in den Umfragen – doch beim Verabschieden ihrer politische Ziele belegten sie den vordersten Platz: Die SPD hat als erste der Parteien ihr endgültiges Wahlprogramm für die Bundestagswahl 2021 veröffentlicht. Das „Zukunfts-Programm“ der Partei wurde am 9. Mai beschlossen.

Darin bekennt sich die Partei beim Klimaschutz zu dem Ziel, bis 2030 den CO2-Ausstoß um 65 Prozent zu senken und bis spätestens 2045 Klimaneutralität zu erreichen. Das viel kritisierte Hartz-IV-System, einst in einer SPD-geführten Bundesregierung beschlossen, soll durch ein Bürgergeld ersetzt werden. Für die große Mehrheit der Bevölkerung will die SPD zudem Steuern senken, für sehr Reiche aber Steuern erhöhen. Lesen Sie dazu: SPD-Wahlprogramm: Hartz IV weg, Kindergeld bis zu 528 Euro

Grüne: Wahlprogramm der Klimaschutzpartei

Die Grünen treten zur Bundestagswahl 2021 mit dem Wahlprogramm „Deutschland. Alles ist drin.“ an. Beim Parteitag Mitte Juni beschloss die Partei ein öko-soziales Wahlprogramm, das bürgerliche Wähler nicht verschrecken soll. Forderungen nach radikaleren Veränderungen aus den Reihen der Mitglieder wurden bei der dreitägigen Online-Veranstaltung fast alle abgelehnt.

Der Partei geht es – wenig überraschend – vor allem um Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit. Das Wahlprogramm mit Titel „Deutschland. Alles ist drin“ enthält beispielsweise ein Tempolimit auf Autobahnen, höhere Klimaziele, und ein Verbot von Kurzstreckenflügen auf den Weg bringen. Außerdem stehen ein deutschlandweiter Mietendeckel und ein höheren Spitzensteuersatz auf dem Programm. Mehr dazu hier: Grüne Wohlfühlrepublik: Das Wahlprogramm der Partei

Wahlprogramm von CDU und CSU: Klimaschutz, Steuern, Rente

Das Wahlprogramm der Union ließ einige Zeit auf sich warten. Nun ist das Papier da. „Das Programm für Stabilität und Erneuerung. Gemeinsam für ein modernes Deutschland“, so der Titel. Die zentrale Botschaft: Während andere für den „radikalen, unberechenbaren Wandel“ stehen, will die Union „das Gute besser machen“, wie es in einem Begleitpapier zum Programm steht.

In dem Entwurf geht es unter anderem darum, Deutschland als Industriestandort zu wahren, aber gleichzeitig ein Augenmerk auf Klimaschutz zu legen. Steuererhöhungen soll es nicht geben - größere Entlastungen allerdings auch nicht. Lesen Sie dazu die Analyse: Wahlprogramm: So will die Union die Wahl gewinnen

FDP-Wahlprogramm: Steuersenkungen und marktzentrierter Klimaschutz

Die FDP verabschiedete auf ihrem digitalen Parteitag Mitte Mai ein Wahlprogramm, das unter anderem Steuererleichterungen für Unternehmen und ein marktzentriertes Klimaschutzprogramm vorsieht. Die Liberalen fordern unter anderem einen „Entfesselungspakt“ für die Wirtschaft – insbesondere Bürokratieabbau und Steuersenkungen. Sie wollen zudem eine Rückkehr zur Schuldenbremse erreichen. Beim Klimaschutz sieht das Wahlprogramm „ein striktes CO2-Limit“ vor – staatliche Vorgaben zur Erreichung der Klimaziele lehnt die FDP weitgehend ab.

Daneben will die FDP mehr Geld in die Bildung stecken, Hartz IV durch ein „liberales Bürgergeld“ ersetzen und einen bundesweiten Mietendeckel „verhindern“. Beschlossen wurde auch die Forderung nach einer Amtszeitbegrenzung für Bundeskanzler und -kanzlerinnen: Diese sollen maximal für zwei volle Wahlperioden beziehungsweise zehn Jahre regieren dürfen. Die Legislaturperiode soll von vier auf fünf Jahre verlängert werden.

Weg mit Hartz IV, hoch mit dem Mindestlohn – das will die Linke

Die Linkspartei hat auf ihrem Parteitag am 19. und 20 Juni ihr Wahlprogramm zur Bundestagswahl beschlossen. Darin sind umfangreiche Mehrausgaben im sozialen Bereich enthalten. „Es ist Zeit für soziale Mehrheiten. Die Linke ist dafür bereit“, sagte die damalige Linken-Chefin Katja Kipping bei der ersten Präsentation im Februar.

Die Linke fordert eine „solidarische Mindestrente“ von 1200 Euro und überdies eine Kindergrundsicherung. Sie fordert darüber hinaus einen Mindestlohn von 13 Euro – und eine Mindestsicherung statt Hartz IV. Zudem lehnt die Partei alle Auslandseinsätze der Bundeswehr strikt ab.

Wahlprogramm der AfD: Austritt aus der EU und andere Corona-Politik

Die AfD hat beim Bundesparteitag in Dresden Mitte April ihr Programm für die Bundestagswahl 2021 beschlossen. Die rechte Partei fordert unter anderem, dass den Bürgern keine Corona-Regeln mehr vorgegeben werden. In Dresden votierte zudem eine deutliche Mehrheit der Delegierten für einen Austritt Deutschlands aus der Europäischen Union.

Das Wahlprogramm stellt einen deutlichen Sieg für den „Flügel“ unter Führung des Thüringer Politikers Björn Höcke dar. Gerade in der Migrationspolitik fordert die AfD schärfere Regeln, beispielsweise ein Verbot „jeglichen Familiennachzugs für Flüchtlinge“. Auch eine Liberalisierung des Waffenrechts will die Partei prüfen.

(bml mit dpa)