Chicago

US-Polizist erschießt 13-Jährigen: Junge hatte sich ergeben

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5 Tipps gegen Rassismus im Alltag

5 Tipps um im Alltag gegen Rassismus vorzugehen

Rassismus ist ein ein ständiges Problem unserer Gesellschaft. Wichtig ist es vor allem für Betroffene da zu sein und aufeinander zu achten. Wie man das schaffen kann, sehen Sie im Video.

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In Chicago ist ein Jugendlicher erschossen worden. Der Schütze ist Polizist – das Opfer Adam Toledo, ein 13 Jahre alter Latino.

Washington. Rund 270 Menschen sind in diesem Jahr nach Auswertung der "Washington Post" in Amerika von der Polizei erschossen worden. Adam Toledo dürfte mit 13 Jahren das jüngste Opfer gewesen sein. Er ging in Chicago in die siebte Klasse. Bis zum 29. März. Der junge Latino starb nachts in einer dunklen Nebenstraße. Getroffen von einer Polizeikugel. Mitten in die Brust.

Obwohl er den Anweisungen des Schützen in Uniform Folge geleistet hatte.

Unerträgliche Bilder

Der Fall bewegt die für Gewalt und Mord bekannte Metropole im US-Bundesstaat Illinois in besonderer Weise. Auf öffentlichen Druck erst hat eine Aufsichtsbehörde der Polizei (Copa) Dutzende Videos und Still-Aufnahmen freigegeben, die Ausschnitte aus den letzten Minuten im Leben Toledos zeigen, der mit Mutter, Großvater und zwei Geschwistern im Süden der Stadt wohnte.

Lori Lightfoot, Chicagos Bürgermeisterin, die ebenfalls einen 13-jährigen Sohn hat, warnte die Bevölkerung vor der Veröffentlichung. Die Aufnahmen seien "unerträglich" und von Kindern unbedingt fernzuhalten. Chicago habe Adam Toledo "im Stich gelassen". Aber: Noch sei der Fall nicht ausermittelt. Darum: "Ruhe bewahren."

Leicht gesagt angesichts der "Macht der Bilder", finden viele Menschen im Latino-Viertel Little Village, wo sich die Tragödie ereignete.

Tot trotz leerer Hände

Zu sehen ist eine Verfolgungsjagd. Officer Eric Stillman, 34, verfolgt Toledo im Laufschritt in der Gasse, schreit "Sofort stehenbleiben" und "Zeig mir deine verdammten Hände" und "Lass es fallen". Vor einer Öffnung in einem Bretterzaun stoppt der Junge, tut, wie ihm befohlen, hebt beide Hände bis auf Schulterhöhe und dreht sich in Richtung Polizist, ohne ihn zu bedrohen – binnen Bruchteilen einer Sekunde feuert der Cop seine Waffe ab. Kein zweite Warnung vorher. Nichts.

Toledo bricht zusammen. Stillmans Wiederbelebungsversuche scheitern. Minuten später sitzt der Todesschütze wie paralysiert neben der Leiche.

Während die Staatsanwaltschaft und der Anwalt des Cops beteuern, Toledo habe im entscheidenden Moment eine Waffe in der Hand gehalten, wovon eine tödliche Bedrohung für den Beamten ausgegangen sei, geben die Video-Aufnahmen das nicht her. Toledos Hände sind leer.

Aufnahmen lassen noch einen Schluss zu

Die Auswertung legt einen anderen Schluss nahe, sagten Polizei-Experten dem "Chicago-Tribune". Unmittelbar bevor er sich dem Polizisten zuwandte, warf Toledo eine Ruger 9mm-Pistole weg. Sie wurde später wenige Meter hinter dem Zaun gefunden, an dem er starb.

Adeena Weiss Ortiz, die Anwältin der Toledo-Familie, sagt darum: "Adam hat sich den Anweisungen gefügt. Er hat sich umgedreht und seine leeren Hände gezeigt. Der Officer hat geschossen." Sie sieht Indizien für eine Straftat.

Bürgermeisterin Lori Lightfoot befürchtet im Dunstkreis des George Floyd-Prozesses in Minneapolis und des dort ebenfalls von der Polizei getöteten Schwarzen Daunte Wright öffentlichen Aufruhr.

"Wir leben in einer Stadt, die traumatisiert ist von einer langen Geschichte der Polizeigewalt und polizeilichen Fehlverhaltens", sagt die Kommunalpolitikerin. Bisher blieb es ruhig in Chicago. Ob Anklage gegen Officer Stillman erhoben wird, ist offen.