Kommentar

Das CDU-Trauerspiel: Die Partei braucht eine starke Führung

Der CDU-Parteitag Anfang Dezember ist verschoben.

Der CDU-Parteitag Anfang Dezember ist verschoben.

Foto: Kay Nietfeld / dpa

Die CDU verschiebt den Parteitag – und braucht nun eine starke Führung, meint der Kommentator. Dafür kommen nur zwei Personen in Frage.

Berlin. Selten hat ein Rücktritt in der Politik länger gedauert als dieser. Annegret Kramp-Karrenbauer hat am 10. Februar 2020 erklärt, dass sie auf das Amt der CDU-Parteichefin verzichten will.

259 Tage ist das jetzt her, und wenn der CDU-Parteitag erst Ende März einen neuen Chef wählen wird, war „AKK“ mit über 400 Tagen länger Vorsitzende im Abgangsstatus, als mancher SPD-Chef regulär im Amt war. So etwas kann einer großen Volkspartei nicht guttun, und die Erosion der Führung beschädigt alle, die – anders als AKK – in der Partei noch etwas werden wollen.

CDU-Parteitag: Merz will eine schnelle Wahl – Laschet nicht

Friedrich Merz, der gerne schnell gewählt worden wäre, ist an der Parteiführung gescheitert und sucht sein Heil jetzt in Attacken auf das Partei-Establishment. So etwas goutiert die Partei nicht, das schadet ihm.

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Armin Laschet wiederum schadet, dass er den Eindruck erweckt, er will den Wahltermin nur nach hinten schieben, um mehr Zeit für den Aufstieg aus dem Umfrage-Keller zu haben. Und dem dritten im Bunde – Norbert Röttgen – schadet, dass er bei diesen Planspielen offenbar gar keine Rolle spielt und zusehen muss, wie die Favoriten finassieren und taktieren.

Die Partei muss bei diesem Trauerspiel auf offener Bühne aufpassen, dass aus dem aktuellen Höhenflug in den Umfragen nicht schnell ein Sinkflug wird. Denn normale Bürger, die in Corona-Zeiten Angst um Leben, Familie und Job haben, bringen kein Verständnis für so viel Nabelschau auf. „Die sollen sich schnell einigen und dann ordentlich regieren“ – so denken wohl die allermeisten.

Die CDU braucht eine starke Führung

Damit die CDU wieder schnell aufs Gleis zurückkommt, braucht es eine starke Führung, die das organisiert. Denn in den kommenden Monaten entscheidet sich nicht nur die Personalie an der Spitze, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der CDU. Dabei lässt der aktuelle Umgang der Kandidaten miteinander nicht viel Gutes erahnen. Es geht nicht nur um die CDU. Es geht auch um die Führung des Landes in extrem schwierigen Zeiten. Es macht schon einen großen Unterschied, ob sich eine Oppositionspartei, ein kleiner Regierungspartner, oder die Regierungspartei im Streit zerlegt.

Es ist eine Tatsache, dass die Christdemokraten überdurchschnittlich oft Verantwortung für das Land getragen haben. Daher ist es nicht nur im Interesse der Parteimitglieder und Funktionäre, sondern aller Bürger, dass der Übergang zur neuen Führung schnell und überzeugend gelingt.

Als kommissarische Nachfolger eigenen sich Schäuble oder Merkel

Am besten wäre es, ein Schwergewicht würde kommissarisch die Parteiführung übernehmen und die Dinge ordnen. Wolfgang Schäuble, der Altvater der CDU. Er hätte die Autorität für den Übergang und würde einmal mehr schicksalhaft die Weichen für die Partei stellen, ohne ganz an der Spitze anzukommen. Oder – kaum vorstellbar – die Kanzlerin selbst übernimmt kommissarisch erneut bis zur Wahl ihres Nachfolgers.

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Niemand hat mehr politisches Gewicht als Angela Merkel und sieht die Dinge so pragmatisch – jetzt ohne eigene Ambitionen – wie die Kanzlerin. Ganz nebenbei hat sie auch das bayerische Störfeuer beendet und den bayerischen Löwen CSU zur braven Hauskatze domestiziert.

Am Ende wird eine solche Zwischenlösung wohl an persönlichen Animositäten scheitern, und es wird weitergewurstelt bis zur nächsten Zwischenetappe 16. Januar 2021, wo erneut die Parteiführung erneut entscheiden will. Da bleibt viel Zeit für Attacken und Rempeleien unter den Kandidaten, die am Ende allen schaden. Eigentlich steht für die CDU zu viel auf dem Spiel, als dass es auf diesem Niveau noch monatelang weitergehen darf.