Giftanschlag

Russland kritisiert EU wegen Sanktionen im Fall Nawalny

Portrait: Alexej Nawalny

Nawalny ist das Gesicht der russischen Opposition. Seine Kampagne gegen Korruption und die Regierung Putins motiviert viele Menschen. Mehrfach ist der 44-Jährige jedoch auch negativ aufgefallen. Im August wurde er vergiftet.

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Die EU hat im Fall Nawalny harte Sanktionen gegen Russland verhängt. Der Kreml kritisiert den Schritt und kündigt Gegensanktionen an.

Moskau. Im Fall des Giftanschlags auf den russischen Oppositionsführer Alexej Nawalny schlagen Deutschland und Frankreich der EU harte Sanktionen vor: „Die Vorschläge werden auf Einzelpersonen abzielen, die aufgrund ihrer offiziellen Funktion als verantwortlich für dieses Verbrechen und den Bruch internationaler Rechtsnormen gelten.“

Kremlsprecher Dmitri Peskow kritisierte die Sanktionen am Donnerstag: „Zu unserem Bedauern ist das ein bewusst unfreundlicher Schritt in den Beziehungen mit Russland.“ Außerdem verstehe er die Logik hinter der Auswahl der von der EU sanktionierten Einzelpersonen nicht.

Russland kündigt Gegensanktionen an

Russlands Außenminister Sergej Lawrow kündigte indes seinerseits russische Strafmaßnahmen gegen EU-Vertreter an – jedoch ist bislang unklar, wen die Sanktionen aus Moskau treffen sollen. Kremlsprecher Peskow kündigte jedoch an, die diplomatische Antwort werde „den Interessen Russlands entsprechen“.

Die EU sanktioniert unter anderem den Chef des russischen Inlandsgeheimdienst Alexander Bortnikow und den Vizechef der Präsidialverwaltung, Sergej Kirijenko. Ebenfalls aufgeführt sind zwei Vizeverteidigungsminister und ein enger Vertrauter des russischen Präsidenten Wladimir Putin, der Geschäftsmann Jewgeni Prigoschin.

Russischer Geschäftsmann äußert Betroffenheit

Experten in Moskau kommentierten, dass die mit den Sanktionen verbundenen Reise- und Kontosperren für die meisten Russen auf der Liste völlig bedeutungs- und wirkungslos seien. Bortnikow oder auch die Vizeverteidigungsminister sind in Russland schon von Amtswegen eingeschränkt in ihren Kontakten mit dem Ausland.

Der Geschäftsmann und enge Putin-Vertraute Jewgeni Prigoschin zeigte sich jedoch enttäuscht von seiner Nennung auf der EU-Liste. Die Sanktionen gegen ihn hätten Folgen für seine Projekte in Europa.

Prigoschin finanziert Troll- und Privatarmee

Prigoschin teilte mit: „Wahrscheinlich werde ich mich jetzt seltener mit meinen Freunden aus dem Europaparlament treffen, von denen viele sehr ordentliche Menschen sind, die – wie ich – Anhänger konservativer Werte sind und die mich unterstützen.“

Prigoschin ist umstritten, weil er unter anderem die sogenannte „Trollfabriken“ finanziert, aus der Onlinetrolle einen Propagandakrieg gegen den Westen führen. Außerdem finanziert der Gründer eines Gastronomieimperiums eine Privatarmee namens „Wagner“, deren Söldner zur Zeit in der Ostukraine und in Syrien eingesetzt werden. (te/dpa)