Kommentar

Aufnahme von Flüchtlingen kein „Gutmenschentum“

Griechenland: Deutschland geht bei Aufnahme von Flüchtlingen voran

Nach dem verheerenden Feuer im Flüchtlingslager Moria wurden die Rufe immer lauter, weitere Geflüchtete aus Griechenland aufzunehmen, jetzt gibt es eine Einigung in der großen Koalition: Deutschland will rund 1550 zusätzliche Migranten aufnehmen.

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Europa verstößt mit seinem Versagen auf Lesbos gegen die Menschenwürde im Grundgesetz, findet Kommentator und Chefredakteur Jörg Quoos.

Berlin.  „Für dieses Problem kann es nur eine europäische Lösung geben.“ Ein Satz, der grundvernünftig klingt, besonders im Zusammenhang mit Flüchtlingen aus aller Welt. Seit 2015 hört man ihn von verantwortlichen Politikern in den Ländern der Europäischen Union häufig. Mit dem Chaos auf Lesbos ist der Zeitpunkt gekommen, wo man diesen Satz nicht mehr so einfach akzeptieren kann.

Denn wenn wir auf das jahrelange Chaos von Moria blicken, bedeutet er in Wahrheit: „Wir kriegen es in Europa einfach nicht hin. Weder die konkrete Hilfe noch eine funktionierende gemeinsame Migrationspolitik. Trotz der vielen Milliarden, die wir den Steuerzahlern aus der Tasche ziehen. Trotz unserer wichtigen Kommissare. Trotz Monsterbürokratie.“

• Alle Entwicklungen nach dem Brand in Moria im Newsblog: Deutschland bereit für Aufnahme von 408 Flüchtlingsfamilien

EU-Bürokratie und griechisches Handeln sind krachend gescheitert

Natürlich kann Deutschland nicht die ganze Welt retten. Und selbstverständlich ist Hilfe vor Ort immer besser. Wenn aber ein EU-Flüchtlingslager wie Moria so lange schon Horror-Nachrichten produziert. Wenn verzweifelte Jugendliche Selbstmordversuche unternehmen. Wenn Kleinkinder jetzt auf Beton schlafen müssen und wenn Mütter mit Babys weder ärztliche Versorgung noch Milch haben – ja, dann muss man feststellen: Diese EU-Bürokratie in Kombination mit griechischem Management-Talent ist krachend gescheitert.

Viele kleine, finanzschwache Länder machen es Europa vor, wie man Flüchtlingslager so organisiert, dass sie nicht von ihren verzweifelten Bewohnern angezündet werden.

Europa verstößt mit seinem Versagen auf Lesbos gegen die Flüchtlingskonvention der Vereinten Nationen, gegen die garantierte Menschenwürde der eigenen Grundrechte-Charta und auch gegen die Menschenwürde im deutschen Grundgesetz.

Kein Freibrief, sondern überfälliges Krisenmanagement

Deshalb ist es kein sentimentales Gutmenschentum, sondern schlicht eine Verpflichtung, diese gestrandeten Menschen von Lesbos auf aufnahmewillige und besser organisierte Länder zu verteilen.

Dies ist kein automatischer Freibrief für Migranten aus aller Welt, sondern längst überfälliges Krisenmanagement auf dem Territorium der Europäischen Union. Das haben verantwortungsbewusste Politiker – auch bei uns – endlich erkannt.

Andere schüren lieber Ängste, produzieren weiter wirkungslose Tischvorlagen und sind gleichzeitig zu schwach, um pragmatisch zu handeln.